Nach Insolvenz: Karstadt Saarbrücken bleibt über Weihnachten offen, aber Gutscheine sind gerade nichts wert

Nach Insolvenz Karstadt Saarbrücken bleibt über Weihnachten offen, aber Gutscheine sind gerade nichts wert

Düsseldorf/Saarbrücken · Galeria-Mitarbeiter können vorerst aufatmen: Die Arbeitsagentur hat eine wichtige Entscheidung getroffen. Das betrifft auch die Beschäftigten bei Karstadt in Saarbrücken, die um ihren Lohn bangten. Und es soll eine Einigung mit Lieferanten geben.

16.10.2026 , 13:36 Uhr

 Erste Hürde genommen: Galeria-Mitarbeiter können zumindest etwas aufatmen. Das betrifft auch die Beschäftigten bei Karstadt in Saarbrücken. (Archivaufnahme)

Erste Hürde genommen: Galeria-Mitarbeiter können zumindest etwas aufatmen. Das betrifft auch die Beschäftigten bei Karstadt in Saarbrücken. (Archivaufnahme)

Foto: Matthias Zimmermann (hgn)

Update von Dienstag, 13. Oktober, 11.14 Uhr: Zuversichtlich geht Galeria in die nächsten Monate – trotz des laufenden Insolvenzverfahrens. Nach Angaben des Managements des angeschlagenen Warenhaus-Konzerns aus Düsseldorf soll der Geschäftsbetrieb „für die nächsten Monate gesichert“ sein. Das teilt das Unternehmen am Dienstag, 13. Oktober, schriftlich mit. Das betrifft damit auch Karstadt in Saarbrücken.

Galeria-Insolvenzverwalter sieht wichtiges Weihnachtsgeschäft gesichert

Das Unternehmen gibt an, dass der vorläufige Insolvenzverwalter Frank Kebekus „umfassende Vereinbarungen mit Lieferanten, Finanzierungspartnern und anderen Beteiligten erzielt, damit Galeria für das wichtige Weihnachtsgeschäft operativ stabil aufgestellt ist“. Details dazu, ob damit jetzt auch der Wareneinkauf bei den Lieferanten angekurbelt wird, gibt es allerdings nicht.

Zuletzt waren Verkaufsflächen in zahlreichen Märkten für Kunden abgeriegelt worden, obwohl diese gut bestückt waren. Doch die Händler könnten veranlasst haben, das Sortiment für der verkauf zu sperren. Wirtschaftsexperten gingen davon aus, dass es sich um Produkte handelt, die noch nicht von Galeria bezahlt worden waren. Eine Antwort auf eine SZ-Anfrage bei der Warenhaus-Zentrale darauf gab es nicht.

Arbeitsagentur sagt Insolvenzgeld für 12.000 Beschäftigte zu

Insolvenzverwalter Kebekus ist kein Neuer bei Galeria: Er war bereits zweimal schon bei Insolvenzverfahren für die Gesellschaft tätig. Er habe sich mit der Arbeitsagentur darauf verständigt, dass die 12.000 Beschäftigten bundesweit Insolvenzgeld erhalten, damit auch die rund 140 Betroffenen bei Karstadt in Saarbrücken. Dies gelte für Oktober, November und Dezember. Den September-Lohn brachte die angeschlagene Warenhaus-Kette demnach noch selbst auf.

„Auf dieser Basis gilt es, den Geschäftsbetrieb verlässlich fortzuführen und die strategischen Optionen für Galeria auszuloten“, wird Insolvenzverwalter Kebekus in der Mitteilung zitiert.

Verdi Trier-Saar: Beschäftgte weiterhin vor unsicherer Zukunft

„Grundsätzlich positiv“ wertet die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) für die Region Trier-Saar die Auszahlung von Insolvenzgeld. Deren Gewerkschaftssekretär Alex Sauer sieht darin ein „ein wichtiges Signal für die Beschäftigten, die einmal mehr die Leidtragenden des Missmanagements sind“. Die Lohnfortzahlung schaffe eine wichtige finanzielle Absicherung. „Es darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Beschäftigten weiterhin vor einer unsicheren Zukunft stehen.“

Deren Interessen und Perspektive dürfen nicht erneut hinter wirtschaftlichen Entscheidungen zurückstehen. Sie verdienten Respekt, Verlässlichkeit und vor allem Sicherheit für ihre berufliche Zukunft. Darum müssten die Arbeitnehmer gehört werden. Es dürfe nicht über sie hinwegentschieden werden. Statt Versprechen mahnt Sauer Entscheidungen für eine verlässliche Zukunft an. Zudem begrüße er, dass die Saar-Regierung bereits Kontakt mit Galeria aufgenommen habe, um zu unterstützen.
Erstmeldung von Dienstag, 13. Oktober, 9.32 Uhr: Bange Tage seit dem vierten Insolvenzantrag der Warenhaus-Kette Galeria: Ging es zunächst darum, die Türen aller noch 83 Filialen offenzuhalten, stellte sich bei den 12.000 Beschäftigten noch eine weitere Frage: Wie sieht es mit ihrem Lohn aus? Denn ob die Arbeitsagentur in die Bresche springt, war alles andere als sicher. Denn das vorherige Insolvenzverfahren ist noch nicht abgeschlossen. Damit waren die Aussichten auch für die Karstadt-Mitarbeiter in Saarbrücken ungewiss.

Galeria-Mitarbeiter können vorerst aufatmen

Jetzt aber ist zumindest diese Hürde genommen: Die Angestellten der erneut wirtschaftlich angeschlagenen Warenhaus-Kette bekommen Insolvenzgeld. Darüber berichteten zuerst die Deutsche Presse-Agentur (dpa), die Tageszeitung Welt und das Branchenblatt Business-Insider.

Was das jetzt erst einmal bedeutet: Die Geschäfte an den Standorten in 70 deutschen Städten laufen zumindest vorerst weiter. Das Insolvenzgeld ist eine Voraussetzung dafür, dass ein Unternehmen unter dem vom Gericht bestellten Verwalter weitermachen kann, während dieser die Liquidität prüft. Maximal drei Monate zahlt die Arbeitsagentur das Geld und orientiert sich üblicherweise an der Höhe des Nettogehalts.

Zunächst Zweifel bei Branchen-Insidern, ob Insolvenzgeld fließt

Ob das Insolvenzgeld überhaupt fließt – dies hatten Wirtschaftsanalysten zuvor noch bezweifelt. Denn die abschließende Prüfung nach dem Insolvenzverfahren von 2024 ist demnach noch nicht abgeschlossen. Experten gingen deswegen davon aus, dass dieser Umstand diesmal dazu führen könnte: Es fließt kein Geld. Nach Medienberichten musste Galeria zuletzt an die 25 Millionen Euro monatlich für die Beschäftigten an Gehältern aufbringen.

Es ist das vierte Mal seit 2020, dass der Warenhaus-Konzern pleite ist. Seit dieser Zeit wurden Tausende Arbeitsplätze abgebaut und etliche Standorte geschlossen. Darunter war auch das einstige Traditionshaus Kaufhof in Saarbrücken. Bei Karstadt in der saarländischen Landeshauptstadt sind rund 140 Menschen unter Vertrag.

Karstadt in Saarbrücken: Abteilungen abgesperrt, Gutscheine aktuell nichts wert

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