Nach Kritik von Trump - Südkorea und die USA kürzen Militärmanöver - Expertin Stumbaum: "Seoul muss mehr für eigene Verteidigung tun"
Südkorea und die USA verkürzen ihre derzeit laufenden Militärübungen um die Hälfte. Wie Südkoreas Generalstab mitteilte, wird das Manöver auf Wunsch Washingtons bereits am Freitag enden, und nicht wie geplant am 27. August.
19.08.2026

US-Präsident Trump hatte den Umfang der gemeinsamen Übungen kritisiert.
Nach einem Bericht des südkoreanischen Senders KBS sollen die Streitkräfte beider Länder zwar die Verteidigung gegen einen Angriff aus Nordkorea üben. Die vorgesehene Gegenoffensive sei jedoch gestrichen worden. US-Präsident Trump hatte auf seiner Online-Plattform angekündigt, dass das Militärmanöver deutlich kleiner ausfallen werde, weil nicht mehr genügend Zeit bleibe, es komplett abzusagen. Er verwies dabei auf seine angeblich sehr gute Beziehung zu Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un. Die Manöver sendeten ein völlig unangemessenes und feindseliges Signal an ein Land, das - solange er Präsident sei - keine Bedrohung dargestellt und sich respektvoll verhalten habe, behauptete Trump. Zuletzt deutete der US-Präsident auch neue Kontakte mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un an. Einem Bericht des "Wall Street Journal" zufolge dringt Trump auf ein Treffen mit Kim noch in diesem Herbst.
Südkoreas Außenminister: Trump nutzt Militärmanöver als Druckmittel
Die südkoreanische Regierung bezeichnet die von Präsident Trump veranlassten Einschränkungen gemeinsamer Militärmanöver öffentlich als Druckmittel der USA. Außenminister Hyun sagte, Trumps Vorgehen scheine zumindest teilweise darauf abzuzielen, Druck auf die Regierung in Seoul auszuüben. So solle Südkorea zur Unterstützung der USA im Iran-Krieg gebracht und zur Eile bei Investitionsvorhaben in den Vereinigten Staaten gedrängt werden.
Expertin: "Washington will ein reduzierter, aber effektiver Partner Südkoreas sein"
Nach Einschätzung der Expertin für Sicherheit im asiatisch-pazifischen Raum, Stumbaum, wollen die USA Südkorea künftig stärker in die Verantwortung für die eigene Verteidigung nehmen. Washington verfolge das Ziel, ein "reduzierter, aber sehr effektiver Partner" zu sein,
sagte Stumbaum im Deutschlandfunk . Seoul solle künftig den Großteil der militärischen Aufgaben übernehmen, während die Vereinigten Staaten vor allem unterstützend tätig seien.
Die Direktorin des Spear-Instituts verwies darauf, dass die USA diese Linie bereits in ihrer Nationalen Verteidigungs- und Sicherheitsstrategie festgeschrieben hätten. Derzeit seien die Vereinigten Staaten noch tief in die militärischen Strukturen Südkoreas eingebunden. So werde das gemeinsame Oberkommando im Kriegsfall traditionell von US-Generälen geführt. Diese historisch gewachsene Rolle wollten die USA schrittweise zurückfahren und den südkoreanischen Streitkräften mehr Führungsverantwortung übertragen. Stumbaum zufolge bereitet sich Südkorea bereits auf diese Entwicklung vor. Das Verteidigungsbudget sei im vergangenen Jahr um 8,2 Prozent gestiegen.
Diese Nachricht wurde am 19.08.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.