Erster Termin nach Urlaub: Merz wird ausgepfiffen und ausgebuht
In Waldbrandgebiet
Erster Termin nach Urlaub: Merz wird bei Rede ausgepfiffen
22.08.2026 - 17:12 UhrLesedauer: 2 Min.
Friedrich Merz besuchte nach seiner Sommerpause das vom Waldbrand verwüstete Hürtgenwald. Dort erwarteten den Kanzler neben Einsatzkräften auch lautstarke Proteste.
Rund eine Woche nach dem schweren Waldbrand bei Hürtgenwald hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Samstagnachmittag die Gemeinde in Nordrhein-Westfalen besucht und den Einsatzkräften gedankt. Ohne die Zusammenarbeit von Feuerwehr, Bundeswehr, Technischem Hilfswerk, Land- und Forstwirtschaft wäre der Waldbrand "nicht so glimpflich ausgegangen", sagte Merz. Er sei gekommen, um allen Helferinnen und Helfern "wirklich sehr herzlich" zu danken.
Begleitet wurde die kurze Ansprache des Kanzlers von einem Pfeifkonzert. Dazu sagte Merz, er lasse sich "von denen, die rumschreien, nicht beeindrucken – ich spreche mit denen, die helfen".
Der Landrat des Kreises Düren, Ralf Nolten, betonte, er habe den Bundeskanzler gebeten nicht während des Brandes zu kommen, sondern danach. Er zitierte einen Feuerwehrmann: "Ich brauche keine Politiker, sondern ich brauche solche Leute, die den Löschschlauch halten." Die Menschen, "die hier rufen und pfeifen", sollten besser dem THW, der Feuerwehr oder dem Roten Kreuz beitreten, sagte Nolten weiter. Dafür bekam der Landrat langen Applaus – auch vom Kanzler.
Merz: "Das ist der Klimawandel"
Merz kündigte an, die Regierung werde bei der Kabinettsklausur am Dienstag und Mittwoch in Neuhardenberg darüber reden, wie Deutschland "noch besser" auf Großschadenereignisse wie den schweren Waldbrand vorbereitet werden könne. "Wir werden auswerten, was gut gelaufen ist, aber wir werden auch auswerten, was noch fehlt." Die Kommunikationsverbindungen seien zum Beispiel nicht so gut, wie sie sein müssten.
Denn Deutschland müsse – das sei der "bedauerliche Befund" – damit rechnen, dass die Zahl der Großschadenereignisse zunehmen werde, betonte Merz: "Das ist der Klimawandel." Die Regierung werde "alles tun, um den Klimawandel zurückzudrängen. Aber wir müssen auch mit dem Klimawandel leben." Darauf vorbereitet zu sein, sei eine Aufgabe des Bundes, der Länder und der Gemeinden.
Merz war fast einen Monat lang nicht öffentlich sichtbar
Der Waldbrand war vor gut einer Woche ausgebrochen und hatte die Feuerwehr tagelang in Atem gehalten. Ein Ortsteil der im Kreis Düren gelegenen Gemeinde musste aus Sicherheitsgründen zeitweise evakuiert werden, rund 1800 Menschen waren betroffen. Erst am Freitag wurden die Löscharbeiten abgeschlossen.
Merz war vor der Sommerpause wegen des personellen Umbaus von Regierung, Fraktion und Partei in seiner eigenen Partei unter Druck geraten. Am 29. Juli hatte er sich nach einer Sondersitzung der Unionsfraktion im Bundestag mit den Worten verabschiedet: "Vielen Dank, schöne Ferien."
Seitdem hat sich Merz nur hin und wieder über schriftliche Erklärungen oder Äußerungen von Regierungssprechern öffentlich zu Wort gemeldet. Im Kanzleramt bezeichnet man die terminfreie Zeit dennoch bewusst nicht als Urlaub, weil der Regierungschef sich in jeder Auszeit laufend über das aktuelle Geschehen informiert und sich von Fall zu Fall auch einschaltet. So gab es diesen Sommer eine Schalte des Nationalen Sicherheitsrats, nachdem die Sprengstoff-Drohne auf dem Leipziger Flughafen entdeckt worden war.