Wasserverbot in Mellingen: Rasen wässern kostet bis zu 2000 Franken Busse
Publiziert4. Oktober 2026, 18:43
Trockenheit in MellingenNachbar wässert Golfrasen – «Beim nächsten Mal melde ich ihn»
Die Trockenheit hat die Schweiz weiterhin im Griff. Nun wird sogar im Herbst Autowaschen und Rasentränken mit Trinkwasser verboten. In Mellingen drohen bis zu 2000 Franken Busse.

Darum gehts
- Die Gemeinde Mellingen AG verhängt wegen anhaltender Trockenheit ein Wasserverbot.
- Verboten sind unter anderem Rasen wässern, Autos waschen und Pools befüllen.
- Bei Verstössen drohen Bussen von bis zu 2000 Franken.
Normalerweise sind Pegelstände von Flüssen und Seen im Oktober eigentlich kaum ein Thema. Doch nach dem trockenen und heissen Sommer sind vielerorts die Pegel tief oder gar rekordtief. «Die Reuss führt momentan gar so wenig Wasser wie noch nie in diesem Jahr», schreibt die «Aargauer Zeitung». Auch die Grundwasserspiegel sind teilweise bedenklich tief. Das führt dazu, dass die Gemeinde Mellingen AG strenge Regeln bezüglich Umgang mit Trinkwasser aussprach. Folgendes sei zu unterlassen, sonst droht eine Busse von bis zu 2000 Franken:
- Bewässern von Rasenflächen
- Waschen von Fahrzeugen
- Einsatz von automatischen Bewässerungsanlagen und Rasensprengern
- Auffüllen und Befüllen von Schwimmbecken, Pools und ähnlichen Wasseranlagen
- Abspritzen von Plätzen, Vorplätzen, Wegen und Fassaden
- Betrieb von öffentlichen sowie privaten Laufbrunnen, die an das Trinkwassernetz angeschlossen sind
- Jede vermeidbare oder unnötige Verwendung von Trinkwasser
Nur noch Giesskanne erlaubt
Vom Verbot ausgenommen ist das Bewässern von Nutzpflanzen sowie von einzelnen, persönlich wertvollen Pflanzen mit der Giesskanne, wie es auf der Website der Gemeinde heisst. «Ziel dieser Massnahmen ist es, die Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser auch in den kommenden Wochen und Monaten sicherzustellen.» Verstösse können mit Bussen bis zu 2000 Franken bestraft werden.
Verstösse können mit Bussen bis zu 2000 Franken bestraft werden.
Golfrasen vom Nachbarn: «Den melde ich»
Vor Ort trifft 20 Minuten vor allem auf Anwohner, die Verständnis für die Massnahmen der Gemeinde haben. «Wir wässern unseren Garten schon länger nicht mehr, aber in unserer Nachbarschaft wird ständig gewässert», sagt ein Ehepaar zu 20 Minuten. «Unser Garten ist abgestorben, während beim Nachbarn ein Golfrasen steht. Wenn er das nächste Mal wässert, melde ich ihn bei der Gemeinde», so die Gattin.
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Greta Gantenbein lebt im örtlichen Alterswohnheim und sagt zu 20 Minuten: «Mir macht nicht nur die aktuelle Trockenheit hier im Ort Sorgen, sondern viel eher die allgemeine Klimasituation in der ganzen Welt.» Aber auch hier im Ort sei die Trockenheit bemerkbar. «Mir tun vor allem auch die Wildtiere wie Igel, Füchse oder auch die Fische in der Reuss leid. Die brauchen das Wasser zum Überleben.» Sie findet die Busse korrekt und gerecht: «Dann hält man sich auch daran, und kommt nicht auf die Idee, den Rasen trotzdem zu wässern.»
Wie stehst du zu den strengen Wasserregeln in Mellingen?
Ich finde sie richtig, bei Trockenheit muss Wasser gespart werden.
Die Regeln sind sinnvoll, aber 2000 Franken Busse sind zu hart.
Die Regeln gehen mir teilweise zu weit.
Ich finde solche Verbote übertrieben.
Ich habe keine Meinung dazu.
«Bewässere meinen Rasen schon länger nicht mehr»
Eine weitere Anwohnerin macht sich Sorgen um die Tiere. «Die tun mir leid.» Sie macht sich grundsätzlich Gedanken in die Zukunft gerichtet: «Ich glaube nicht, dass die Sommer kühler werden. Damit wird auch die Wasserknappheit ein immer grösseres Problem.» Dass die Gemeinde nun reagiert, findet sie grundsätzlich in Ordnung. «Für mich ändert sich ab morgen nichts. Seit der ersten Empfehlung der Gemeinde halte ich mich daran, weniger Wasser zu brauchen, und bewässere meinen Rasen schon länger nicht mehr.» 2000 Franken Busse findet sie zwar viel, doch 50 Franken würden wohl keine Wirkung zeigen. «Aber vielleicht sollte man die Leute in einem ersten Schritt nur verwarnen und beim zweiten Verstoss erst büssen.»
Ein 36-jähriger Busfahrer aus Mellingen stösst ins selbe Horn: «Ich finde die Busse von 2000 Franken gut. Ich hoffe, das schreckt die Leute ab.» «Ohne Busse würde sich wohl manch einer denken: ‹Egal, ich wässere trotzdem meinen Rasen oder Garten›.» Der 36-Jährige weist darauf hin, dass alle lernen sollten, Wasser zu sparen: «Keiner sollte eine Waschmaschine mit nur zwei Kleidungsstücken darin laufen lassen.» Traurig lässt der 36-Jährige den Blick auf die Reuss schweifen: «Der Fluss war noch nie so trocken. Das ist traurig anzusehen und es tut mir leid für die Tiere, die in der Reuss leben.»

Maurin Vonplon (mav), Jahrgang 2006, arbeitet seit August 2026 bei 20 Minuten als Praktikant im Ressort Bern.
Jeremias Büchel (jeb) arbeitet seit 2015 im Ressort Ostschweiz in St. Gallen und ist seit 2026 als Korrespondent tätig.
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