Nachfolger gefunden: Wie es mit der Bildstocker Marktapotheke weitergeht

  1. Saarland
  2. Saarbrücken
  3. Friedrichsthal

Nachfolger gefunden Wie es mit der Bildstocker Marktapotheke weitergeht

Bildstock · Das Ende einer Ära wird zum Neuanfang. Nach 52 Jahren gibt Heinrich Peter Euschen seine Apotheke in Bildstock ab. Um wen es sich bei dem Nachfolger handelt und was er plant.

07.09.2026 , 23:00 Uhr

Heinrich Peter Euschen (li.) übergibt im Beisein von Bürgermeister Christian Jung (SPD) die Leitung der Marktapotheke an Eyad Kaziz (re.)

Heinrich Peter Euschen (li.) übergibt im Beisein von Bürgermeister Christian Jung (SPD) die Leitung der Marktapotheke an Eyad Kaziz (re.)

Foto: Steinmann/Dieter Steinmann

Gute Nachricht für den Friedrichsthaler Stadtteil Bildstock: Die Marktapotheke am nahen Bildstocker Kreisel bleibt den Bürgern erhalten. Heinrich Peter Euschen, der die Apotheke 1974 gegründet hatte, hat einen Nachfolger gefunden. Der 83-jährige, gebürtige Bildstocker galt zuletzt als der älteste praktizierende Apotheker im Saarland.

Marktapotheke in Bildstock: Kunden vertrauen Heinrich Peter Euschen

Beim Vororttermin erinnert sich Euschen an die Anfänge und freut sich, dass er in Eyad Kaziz nicht nur einen kompetenten und erfahrenen, sondern auch empathischen Menschen als Nachfolger gefunden hat. „In diesem Haus war damals auf der einen Seite noch ein Lebensmittelladen, auf der anderen ein kleines, sehr gemütlich eingerichtetes Eiscafé“, berichtet Euschen. „Nach umfangreichen Umbauarbeiten konnte ich als damals 30-jähriger endlich loslegen.“

Damit legte er auch den Grundstein für eine lange Erfolgsgeschichte, die geprägt war durch das hohe Vertrauen der Kunden, das Euschen sich mit seiner offenen und hilfsbereiten Art erarbeitet hat. Und in eben dieser guten Tradition der freundlichen und kompetenten Kundennähe möchte auch sein Nachfolger die Marktapotheke weiterführen. Der 54-jährige, aus Syrien stammende Eyad Kaziz fühlt sich am Ziel einer langen und mitunter beschwerlichen Reise angekommen. Der führte ihn zunächst für fünf Jahre zum Studium der Pharmazie nach Rumänien, danach zurück in sein Heimatland Syrien, wo er 12 Jahre in der drittgrößten Stadt des Landes Homs eine eigene Apotheke leitete.

Bilderstrecke zuletzt aktualisiert:

13.09.2022

Eyad Kaziz: Von Syrien über Rumänien zur eigenen Apotheke in Bildstock

Nach dem Ausbruch des Bürgerkrieges entschied sich Kaziz im Jahr 2014, sein Heimatland in Richtung Deutschland zu verlassen, um seinen Beruf ausüben zu können und seine Familie in Sicherheit zu wissen. Die größte Hürde dabei war die Sprache. „Das war ein schweres Stück Arbeit“, erzählt Eyad Kaziz. „Die deutsche Grammatik ist viel komplizierter als etwa die rumänische. Zwei Jahre lang habe ich die Sprache zunächst grundsätzlich gelernt, danach stand dann aber noch die Fachsprachprüfung an.“

Auch diese, für ausländische Apotheker verpflichtende, „Fachsprachprüfung C1 Pharmazie“ meisterte er, war indessen für ein Jahr als Praktikant in der Winterbergapotheke in Klarenthal tätig, blieb dort nach der bestandenen Approbation in angestellter Position.

Sein erklärtes Ziel, eine eigene Apotheke zu leiten, ließ er in all den Jahren aber nicht aus dem Auge. Dass Heinrich Peter Euschen ihm nun diese Gelegenheit ermöglicht, freut ihn nicht nur beruflich. „Da flossen vom ersten Treffen an auch zwei Herzen zusammen“, sagt Kaziz. „Diesen feinen Menschen kennengelernt zu haben, ist auch persönlich ein großes Geschenk.“ Und wie sein Vorgänger möchte Kaziz das grundsätzliche Prinzip, im Kunden immer zuerst den Menschen zu sehen, ihm zu helfen und ein offenes Ohr für seine Belange zu haben, verfolgen.

„Hilfe und ein offenes Ohr werde ich für eine gewisse Übergangszeit wohl immer auch noch von Herrn Euschen gebrauchen können“, sagt Kaziz mit einem breiten Lächeln. „Vor allem dann nämlich, wenn die Kunden gar zu sehr in den saarländischen Akzent verfallen.“

Apotheker-Nachfolge in Bildstock: Euschen unterstützt Eyad Kaziz

Heinrich Peter Euschen wird ihm dabei „sehr gerne zur Seite stehen“, wie er versichert. Er sei „ganz einfach froh, dass es mit der Marktapotheke weitergeht. Denn „selbstverständlich ist das ja nicht“, wie er sagt. „Das Apotheken-Sterben ist zuletzt immer schlimmer geworden.“

Auch Bürgermeister Christian Jung (SPD), der zum Termin vorbeischaute, zeigte sich erfreut. Er dankte dem scheidenden Chef Euschen für seine langjährigen Dienste für die Stadt und ihre Bürger, und wünschte seinem Nachfolger Kaziz alles Gute für die Zukunft. (sm/lwg)