Nachfrage hoch, Angebot knapp – Kupfer auf Allzeithoch

Rohstoffpreise

Nachfrage hoch, Angebot knapp – Kupfer auf Allzeithoch

Das Industriemetall gilt als Schlüsselrohstoff der Zukunft. Analysten sehen hinter dem Preisanstieg keine Spekulation

Gregor Metz

Kupferstangen liegen auf einem Regal. Ein Schild mit der Aufschrift
Kupfer spielt auch in der E-Mobilität und der Energie-Transformation eine große Rolle. Der Rohstoff ist gefragt, der Preis zieht entsprechend an.

Das Rennen um Rohstoffe nimmt Fahrt auf. Das wichtige Industriemetall Kupfer hat am Dienstag mit 14,674 Dollar pro Tonne ein neues Rekordhoch markiert. Damit reiht sich Kupfer in eine lange Liste an Rohstoffen ein, die in den vergangenen Wochen preislich anziehen. In Summe ist der Kupferpreis heuer damit bereits um 18 Prozent teurer geworden.

Wichtigster Grund für den Preisanstieg ist der Angebotsrückgang aus Chile, dem mit einem Marktanteil von 23 Prozent weltweit größten Kupferproduzenten im Jahr 2025. Der Juli gab es ein Minus von 9,4 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Einbrüche dieser Größenordnung treffen auf ohnehin unsichere Rohstoffmärkte. Auch die US-amerikanische Zollpolitik sorgt für Nervosität am Kupfermarkt. Die physische Einfuhr der Vereinigten Staaten lag wohl auch wegen der drohenden Zollerhöhungen auf einem Rekordhoch von 495.624 Tonnen und trieb so den Preis zusätzlich in die Höhe. Dadurch verschärft sich die Angebotsknappheit außerhalb der USA, kommentiert ein Analyst des chinesischen Brokers Everbright Futures.

Andrew Hecht sieht in der Preisentwicklung keine Spekulation, sondern spricht von "soliden Marktentwicklungen". Entscheidend für die hohen Preise ist ein zu geringes Angebot, das auf eine steigende Nachfrage trifft. Die Internationale Studiengruppe Kupfer (ICSG) schätzt ein Angebotsdefizit von etwa 150.000 Tonnen für 2026. J.P. Morgan geht sogar von 330.000 fehlenden Tonnen aus. Dieses Defizit wird wachsen, bis die jahrelange Aufbauarbeit neuer Minen abgeschlossen ist, prognostiziert Hecht. Trotz der großen Spannweite zeigen die beiden Schätzungen eine strukturelle Lücke, die wahrscheinlich auf die Preise in den nächsten Jahre wirken wird.

Kupfer, wie die meisten anderen Rohstoffe, reagiert besonders preissensibel auf Verknappungen, auch, weil es keine Alternative zu diesem Rohstoff gibt. Selbst kleine Angebotseinschnitte können damit überproportionale Effekte zeigen. Ähnliche Dynamiken kennt auch der Strommarkt, auf dem das letzte für die Nachfragedeckung benötigte Kraftwerk den Marktpreis setzt.

"Öl der Zukunft"

Kupfer eignet sich aufgrund seiner Eigenschaften als gut leitendes, formbares und korrosionsbeständiges Metall besonders gut für elektrische Leitungen und elektronische Bauteile. Das Metall wird unter anderem für Stromnetze, Elektrofahrzeuge und andere Anwendungen der Energiewende benötigt. Auch KI-Datencenter sind auf die Ressource angewiesen. 2022 ernannte Goldman Sachs Kupfer zum "neuen Öl", aufgrund dessen hoher Bedeutung für die Industrien der Zukunft. Investoren rechnen somit auch für die nächsten Jahre mit einer steigenden Nachfrage bei hinterherhinkenden Angebot. Dieses strukturelle Mismatch preisen sie schon heute ein.

Auch die Erneuerung der europäischen Infrastruktur hängt an der Verfügbarkeit des Rohstoffs. Unter anderem, weil moderne Stromerzeugungsanlagen wie Offshore-Windparks mehr Kupfer benötigen als fossile Kraftwerke. Die Förderung der europäischen E-Mobilität hängt ebenso am Kupfer. Inmitten der Preissprünge auf den Öl- und Gasmärkten ist das Allzeithoch für Kupfer ein neuer Treiber der Produktionspreise und wohl auch ein Faktor im Zinsentscheid der EZB am Donnerstag. Investoren erwarten eine Erhöhung des Einlagenzinses um 25 Basispunkte auf 2,5 Prozent. (Gregor Metz, 08.09.2026)

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