Nachruf auf Winfried Hermes: Der regionale Fußball trauert: Schwerer Abschied von „Sam“, der Legende
Nachruf auf Winfried Hermes Der regionale Fußball trauert: Schwerer Abschied von „Sam“, der Legende
Die ersten Pflichtspiele in der neuen Saison sind mittlerweile absolviert. Doch vielen bei der SG Grenzland fällt es momentan noch schwer, sich im Fußballalltag zurechtzufinden.
13.08.2026 , 18:14 Uhr
Der plöt zliche Tod ihres langjährigen Weggefährten Winfried „Sam“ Hermes macht sie bei der SG Grenzland-Großkampen noch immer fassungslos.
Foto: Günter Bretz
Höhepunkt reihte sich für Winfried Hermes im vergangenen Monat an Höhepunkt: die Goldene Hochzeit, sein 69. Geburtstag und dann Mitte des Monats auch noch das große Jubiläum seines Heimat- und Herzensvereins, des 1. FC Großkampen. Das 75-jährige Bestehen wurde groß auf der Anlage des SG-Partnervereins SV Üttfeld gefeiert.
Im Mittelpunkt stand das Benefizspiel zwischen ehemaligen Regional- und Oberligaspielern aus der Region und einer von Hermes, den sie in Fußballkreisen schlicht „Sam“ nannten, und Günter Bretz betreuten Auswahl. Die stolze Summe von 35.000 Euro kam dabei zugunsten der Krebsgesellschaft Rheinland-Pfalz zusammen. Monatelang hatten die Verantwortlichen des 1. FC Großkampen dafür geplant und organisiert, Spenden akquiriert – und Winfried Hermes war auch dabei eine der treibenden Kräfte.
Winfried Hermes: Stets besonnen, aber mit starker Strahlkraft auf andere
Ob früher zu den Glanzzeiten der SG Großkampen/Lützkampen/Üttfeld (Glü) in der Bezirks- und Landesliga als filigraner Lenker auf dem Platz, später als Jugend- und Seniorentrainer oder als Vorsitzender: „Sam“ verstand es, andere mitzureißen und zu begeistern. Stets ruhig und konzentriert, ohne sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen.
Umso größer war und ist die Trauer weit über den Kreis der Fußballer hinaus, seit „Sam“ am 23. Juli während einer Radtour mit Freunden aufgrund eines Herzversagens plötzlich verstarb – ohne Vorwarnung, ohne Beschwerden. Und mit 69 Jahren viel zu früh.
„Er war eigentlich der Fitteste von uns Geschwistern“, sagt sein älterer Bruder Friedhelm. 26 Jahre lang fuhren die beiden als Lehrer zur St.-Matthias-Schule nach Bitburg. Dort unterrichtete „Sam“ neben Biologie vor allem Sport. Seine Leidenschaft dafür gab er über gut ein Vierteljahrhundert hinweg auch an Hunderte von Schülern weiter.
Während seines Studiums in Köln sollen auch immer wieder höherklassige Amateurclubs vom Mittelrhein bei ihm angeklopft haben. „Im Nachhinein erinnert er mich von seiner Spielweise an Florian Wirtz. Auch Borussia Mönchengladbach soll mal Interesse gehabt haben. Für die Eifel war er wirklich ein überdurchschnittlicher Spieler“, sagt Wolfgang Andre, Vorsitzender des SV Üttfeld.
Für Günter Bretz, der die Glü-Erfolgsstory ab Ende der Achtziger als Spieler und Trainer über rund 25 Jahre hinweg mitschrieb, war „Sam“ „der beste Spieler, mit dem ich je gespielt und den ich je trainiert habe“. Zwei oder drei Ligen höher hätte er sicher spielen können. „Er war ein typischer Zehner, noch dazu torgefährlich und kopfballstark.“ Und: Winfried Hermes war nicht kleinzukriegen.
Ziemlich genau zwei Jahre, nachdem er sich gegen denselben Gegner einen Kreuzbandriss zugezogen hatte, feierte er 1994/95 im Spiel gegen Daun mit 37 Jahren sein Comeback. Er half mit, aus einem 1:3 noch ein 3:3 zu machen. Am 13. März 1999, beim 5:0 über die SG 99 Andernach II, war es „Sam“ vorbehalten, das 500. Landesligator der SG Glü zu erzielen. 214 Mal traf er in 346 Landesligaspielen – aus Großkampener Sicht Rekordzahlen. Selbst mit 50 Jahren wirkte Hermes, dem sie bei der Spielgemeinschaft Legendenstatus zuschrieben, in der Bezirksligasaison 2007/08 noch zweimal mit.
Winfried Hermes wahrte die Tradition, stellte aber auch Zukunftsweichen
„Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden. Zwar waren wir zwei eher verschiedene Spielertypen, aber der Fußball war ein Teil von uns. Ehrgeiz, Leidenschaft am Fußball und die Gemeinschaft: Das verband uns“, unterstreicht Bretz.
Was dem Verstorbenen immer am Herzen lag, war die Wahrung der Tradition – wie kürzlich noch im Rahmen des Vereinsjubiläums. Dabei ließ der frühere Fifa-Schiedsrichter Herbert Fandel in einer Talkrunde alte Glü-Geschichten aufleben. Mittendrin: „Sam“ Hermes. „Es ist auch vor diesem Hintergrund doppelt tragisch, dass er so früh gehen musste“, sagt Andre.
Bei aller Identifikation mit der SG Glü und dem Stolz auf die Vergangenheit war ihm aber auch die Weichenstellung für die Zukunft wichtig. So wurden in seiner vierjährigen Amtszeit die Gespräche mit dem SV Winterspelt und dem Habscheider SV forciert, ehe 2022 die SG Grenzland gegründet wurde. Ums Haar hätte es noch vor wenigen Wochen mit der Rückkehr auf die überkreisliche Fußballbühne geklappt. Erst in der Relegation war Endstation für das Team um Spielertrainer Manuel Mombach.
Aufmerksamer Beobachter der Aufstiegsspiele war – natürlich – „Sam“. In der dritten Halbzeit wurde eifrig weiterdiskutiert. Das gute Miteinander in der Gemeinschaft habe ihn zudem ausgezeichnet – über den Fußball hinaus. „Er ist auch den Bürgerbus gefahren und hat sich bei der Tafel ehrenamtlich engagiert“, erzählt der Üttfelder Clubchef.
Er habe „Sam“ als feinen Menschen kennengelernt, ergänzt Bretz. Die Verbundenheit werde über dessen Tod hinaus bleiben.
Die Feiern im Juli seien perfekt gewesen. Bretz zitiert seine Frau: „Das war alles wie im Film. Nur das Ende war grausam.“