Weißes Trikot und Gesamt-Vierte: Nachwuchs-Siegerin Niedermaier: Rad-Shootingstar mit großem Ziel
Weißes Trikot und Gesamt-Vierte Nachwuchs-Siegerin Niedermaier: Rad-Shootingstar mit großem Ziel
Stand: 10.08.2026 • 18:52 Uhr
Antonia Niedermaier ist mit dem Gewinn des Weißen Trikots bei der Tour de France Femmes 2026 ein historischer Coup gelungen. Nun stehen dem bayerischen Shootingstar alle Türen offen, die Ziele sind groß.
Von Christoph Niederkofler
Mit einem bärenstarken Auftritt auf der 9. Etappe der Tour de France Femmes 2026 hat Antonia Niedermaier das Weiße Trikot, das der besten Nachwuchsfahrerin zusteht, gewonnen. Als erste deutsche Radsportlerin überhaupt brachte die 23-Jährige aus Bruckmühl bei Rosenheim ein Wertungstrikot bei der Frankreich-Rundfahrt unter Dach und Fach. In Zukunft stehen ihr mit Blick auf die großen Siege alle Türen offen.
Niedermaier freut sich auf die Zeit zu Hause
Vier knackige Bergwertungen am Col d'Èze galt es am Sonntag auf den 99,2 Kilometern rund um Nizza zu bezwingen. Neben der körperlichen Anstrengung, die bei Niedermaier aufgrund ihrer kilometerlangen Führungsarbeit in der Spitzengruppe im finalen Anstieg nicht höher hätte ausfallen können, setzte auch der mentale Druck des Positionskampfes in der Nachwuchswertung den bayerischen Shootingstar einer außergewöhnlichen Belastung aus. Davon war ihr anschließend nichts anzumerken.
Kurz nachdem Niedermaier als Tagesfünfte die Ziellinie überquert hatte, gab es zunächst ein Küsschen für ihren Freund Jakob, auch Hündin Frieda wurde von der gebürtigen Rosenheimerin ausgiebig geherzt. Wenige Sekunden später stand sie im ARD-Interview gelassen Rede und Antwort - so, als hätte sie eben nicht eine 1.175 Kilometer lange und mit 18.795 Höhenmetern bespickte Rundfahrt hinter sich gebracht.
"Ich freue mich tatsächlich auf daheim", meinte eine erleichterte Niedermaier, die mittlerweile am Walchsee in Tirol ihr Zuhause gefunden hat. "Am See liegen, mit Frieda und Jakob die Zeit genießen - und die Ruhe."
Niedermaier möchte eine Inspiration für die Jugend sein
Beim Giro d'Italia im Juni war Niedermaier auf dem zweiten Gesamtrang gelandet, in Frankreich freute sie sich nun über Platz vier und das Weiße Trikot. Ein kometenhafter Aufstieg. "Ich glaube, es dauert noch ein bisschen, bis man das realisiert", sprach sie über ihren jüngsten Coup. "Auf jeden Fall war es eine supertolle Tour und ich freue mich, dass es ein so gutes Ergebnis geworden ist."
Der möglichen Wirkung ihres Erfolges ist sich Niedermaier bewusst. "Ich hoffe, dass es eine Inspiration für viele junge Mädchen ist", sagte sie. "Ich wünsche mir, dass ich sie damit begeistern und aufs Rad bekommen kann."
Viele Ziele auf der großen Bühne des Radsports
Trotz ihrer bisherigen Errungenschaften steht Niedermaier aber der Großteil ihres Abenteuers auf zwei Rädern erst noch bevor. Wohin darf es für die aufstrebende Fahrerin gehen? "Beim Giro habe ich schon sehr nahe am Rosa Trikot sein dürfen. Der Gesamtsieg ist ein großer Traum - auch bei der Tour de France", erzählte sie vor der Frankreich-Rundfahrt im Interview mit BR24Sport. "Auf lange Sicht werden das meine größten Ziele sein."
Dabei soll es aber nicht bleiben. "Dann gibt es natürlich sehr, sehr viele weitere Rennen, wo ich ein gutes Ergebnis einfahren möchte: Ob bei den Ardennen-Klassikern oder bei Welt- und Europameisterschaften. Es gibt ein paar Ziele, die ich habe und bei denen ich mir denke, dass sie nicht ganz unrealistisch sind", so Niedermaier. Beim Giro und bei der Tour präsentierte sich die ehemalige Profi-Skibergsteigerin als ausgewiesene Kletterin, auch im Kampf gegen die Uhr weiß die zweimalige U23-Weltmeisterin zu glänzen - Niedermaier ist also wie gemacht für die großen Momente.
Bevor sie aber wieder in den Wettkampfmodus schaltet, steht zunächst einmal Erholung und Entspannung auf dem Programm. Und zwar mit Frieda, Jakob - und einem bestimmten Weißen Trikot im Gepäck.
Quelle: BR24 TV 10.08.2026 - 16:30 Uhr