„Nahezu halbiert“: Was Merz jetzt tun muss, um die Kanzlerdämmerung abzuwenden – nur noch eine Option

Stand: 16.09.2026, 20:12 Uhr

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Friedrich Merz steht unter Druck – parteiintern und beim Koalitionspartner. Politikberater Hillje nennt konkrete Optionen, wie der Kanzler die Krise noch abwenden kann. Eine Analyse.

Berlin – Immerhin ist Merz in guter Gesellschaft: Das Wort Kanzlerdämmerung fiel oft während der Amtszeit von Angela Merkel, bei Olaf Scholz sowieso – und taucht erstmals in der Spätphase von Konrad Adenauer auf. Jetzt also ist Friedrich Merz an der Reihe. Nach dem CDU-Debakel bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt steht der Bundeskanzler massiv unter Druck.

Kanzler Merz

Bundeskanzler Friedrich Merz ist unter Druck. © Michael Kappeler/dpa

Kritik hatte es bereits vorher immer wieder gegeben, eben auch aus der eigenen Partei. Schon die fast vermurkste Kanzlerwahl stand unter keinem guten Stern, Merz‘ Amtszeit gilt nach viel Koalitionsstreit und eher durchwachsenen Erfolgen bislang als nicht besonders glücklich. Recht offen wird bereits über die politische Zukunft des Kanzlers gesprochen, sollte die CDU auch bei der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern ähnlich katastrophal wie in Sachsen-Anhalt abschneiden.

Friedrich Merz ist sich des Ernstes der Lage natürlich bewusst. Ein deutliches Signal: Seine für nächste Woche geplante Reise zur UN-Generaldebatte in New York hat er abgesagt. Dort wollte er am Mittwoch eigentlich vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen (UN) eine Rede halten. Doch seine Präsenz in Berlin sei erforderlich, hieß es. Angesichts der anstehenden Landtagswahl haben sich zuletzt zwar die acht CDU-Ministerpräsidenten in einem Brief hinter Merz gestellt, das politische Deutschland brauche „jetzt mehr denn je Stabilität“, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung. Doch parteiintern wächst der Druck, und auch beim Koalitionspartner sind viele unzufrieden – und für die Opposition ist Merz sowieso längst angezählt.

Kanzlerdämmerung: Merz sieht Ernst der Lage – CDU-Kritik bleibt groß

Eine verfahrene Situation. Um da herauszukommen, bleiben dem Kanzler nicht viele Optionen, sagt der Berliner Politikberater Johannes Hillje im Gespräch mit unserer Redaktion. „Es sind Schicksalswahlen für den Kanzler und für die CDU“, so Hillje. „Wenn sich die Partei in Mecklenburg-Vorpommern nahezu halbiert und in Berlin das Rote Rathaus verliert, dann muss Merz reagieren.“ Eine Option könne darin bestehen, den CDU-Parteivorsitz abzugeben. „Damit könnte er sich auf die Kanzlerschaft konzentrieren und dieses Manöver mit einer leidenschaftlichen Reformrede verknüpfen“, sagt der Politikexperte.

Dabei könne Merz auch Klarheit gegenüber dem Koalitionspartner demonstrieren. „Wenn nötig, kann er auch die Karte der Richtlinienkompetenz gegenüber der SPD ziehen“, so Hillje. Heißt: Als Regierungschef eine klare Linie vorgeben, ein Machtwort sprechen. „Aber klar ist, er muss sich ab Sonntag, 18 Uhr, die Unterstützung in den eigenen Reihen als allererstes sichern“, sagt Hillje.

Derweil sind bereits Namen von Politikern im Umlauf, die übernehmen sollen, falls Merz fällt. Prominent: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, sein hessischer Amtskollege Boris Rhein, Bundesinnenminister Alexander Dobrindt, der als hervorragender Kommunikator innerhalb der schwarz-roten Koalition gilt, und nicht zuletzt Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst. Der galt vor einigen Monaten erst als Spitzenkandidat für einen möglichen Kanzlertausch. „Unter diesen vier würde es wohl auf ein Duell Wüst gegen Söder hinauslaufen“, glaubt Hillje. Wüst hat derweil bereits die NRW-Landtagswahlen im April 2027 im Blick. Sollte er gefragt werden, müsse er sich schnell entscheiden: „Wenn, dann wäre für Wüst jetzt der Zeitpunkt“, sagt Hillje. (Quellen: Gespräch mit Johannes Hillje, eigene Recherchen, dpa)