Gefrierschrank der Erde: NASA-Forscher spekulieren, ob der Mond schon längst irdisches Leben trägt

NASA-Studie zeigt, wie Mikroben den Mond besiedeln könnten

Stand: 22.08.2026, 13:18 Uhr

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Bakterien im Mondkrater, Astronauten als Überträger – und keinerlei Vorschriften: Was eine neue Studie enthüllt, ist wichtig für Artemis-4.

Greenbelt – Der Mond galt bislang als viel zu lebensfeindlich für irdische Mikroorganismen. Doch eine neue Studie zeigt: In den permanent verschatteten Regionen der Mondpole könnten Bakterien und Pilze überleben – wenn auch in einer Art Winterschlaf. Die Erkenntnis hat weitreichende Konsequenzen für künftige Mondmissionen.

Könnten auf dem Mond irdische Mikroben überleben? Eine Studie geht davon aus. (Archivbild)

Könnten auf dem Mond irdische Mikroben überleben? Eine Studie geht davon aus. (Archivbild) © IMAGO/Jan Eifert

Dass die Mondoberfläche kein gastfreundlicher Ort ist, war bekannt. Ultraviolette Strahlung und extreme Temperaturschwankungen machen Mikroben das Leben schwer. Eine Studie aus dem Jahr 2019 kam zu dem Schluss, dass vor allem UV-Strahlung und Sonnenhitze unüberwindbare Barrieren darstellen. Doch diese Untersuchung berücksichtigte nicht die Topografie des Mondes – seine Hügel, Krater und Täler.

Widerstandsfähige Mikroben könnten auch auf dem Mond überleben

Genau hier setzt die aktuelle Forschung an. Ein Team um Prabal Saxena vom NASA Goddard Space Flight Center analysierte fünf Mikroorganismen, die häufig auf bemannten Raumfahrtmissionen vorkommen: drei Bakterienarten und zwei Pilzarten. Diese Organismen hatten sich in früheren Experimenten als besonders widerstandsfähig gegen Vakuum, Kälte und hochenergetische Teilchen erwiesen.

Das Team verglich diese Mikroben mit detaillierten Mondkarten, die UV-Strahlung und Temperaturen auf der Oberfläche erfassen. Das Ergebnis: An beiden Mondpolen gibt es Bereiche, in denen Mikroben überdauern könnten. Der Grund liegt in der besonderen Geometrie dieser Regionen. Da die Sonne dort niemals hoch am Himmel steht, entstehen permanent verschattete Zonen – Refugien vor der tödlichen Strahlung.

Auf dem Mond würden die Mikroben in einer Art Scheintod bleiben

Die Mikroben würden dort allerdings nicht wachsen oder sich vermehren. Stattdessen würden sie in einen Zustand der Kryptobiose verfallen, eine Art Scheintod, aus dem sie erst erwachen könnten, wenn sich die Bedingungen verbessern. Dabei braucht es nicht viel Schutz: „Selbst ein Fußabdruck oder die Spur eines Rovers könnte einen bewohnbaren Bereich schaffen“, erklärt Saxena bei Space.com.

Für die US-Raumfahrtorganisation NASA hat diese Erkenntnis unmittelbare praktische Bedeutung. Die Artemis-4-Mission soll erstmals Menschen zum lunaren Südpol bringen – genau in jene Regionen, die laut der Studie für Mikroben bewohnbar sein könnten. „Unsere Erkenntnisse zeigen, dass wir noch sorgfältiger über die Materialien nachdenken müssen, die wir unbeabsichtigt mit ins All nehmen, und über die Auswirkungen, die wir haben könnten“, sagt Co-Autorin Heather Graham vom NASA Goddard Space Flight Center ebenfalls bei Space.com.

Denn Menschen sind selbst ein Übertragungsweg, wie die Autoren in der Studie im Fachjournal Science Advances betonen: „Die Anwesenheit von Menschen bei Erkundungsmissionen führt zwangsläufig zu einer Zunahme der Anzahl und Vielfalt der Mikroben, die übertragen werden können, da Menschen selbst als Überträger fungieren, da sie Millionen von Mikroben auf ihrer Haut und noch mehr in ihrem Körper tragen.“ Besonders brisant: Derzeit gibt es laut Studie keinerlei Vorschriften zur Keimbelastung für Raumfahrzeuge, die zur Mondoberfläche fliegen.

Könnte es auf dem Mond schon irdisches Leben geben?

Doch die Studie wirft auch eine faszinierende wissenschaftliche Frage auf: Könnte der Mond bereits Leben von der Erde beherbergen? Saxena und sein Team spekulieren, dass urzeitliche Asteroideneinschläge Gesteinsbrocken mit Mikroben von der Erde zum Mond geschleudert haben könnten. „Der Mond könnte wie ein Gefrierschrank der Erde sein und wirklich interessante Beweise der Erdvergangenheit bewahren, falls sie an den Mondpolen gelandet sind“, so Saxena. Ähnliches erhofft sich auch Alexander Gerst in einem Interview.

Die Forschenden um Saxena planen nun weitere Experimente, um die Überlebensfähigkeit verschiedener Mikrobenarten auf dem Mond zu testen. (Quellen: Studie, Space.com, eigene Recherche) (tab)