Nationalspieler in Barmbek: Handballer mit Transfer-Coup für die Dritte Liga

KI-Stimme. Info

Jürgen Hitsch-Carfantan hat alle Hände voll zu tun. So auch am Dienstagnachmittag, als er sich am Telefon mit den Worten meldet: „Ich räume gerade die Küche auf.“ Für ein kurzes Gespräch habe er aber Zeit, versichert der Sportliche Leiter des Handball-Drittligisten HG Hamburg-Barmbek.

In den vergangenen Monaten war der 69-Jährige nicht nur mit seiner Küche, sondern vor allem damit beschäftigt, seinen Verein personell und finanziell auf die kommende Saison vorzubereiten. Am Anfang des Sommers stand die grundlegende Frage: „Melden wir überhaupt für ein zweites Jahr in der Dritten Liga?“, sagt er.

Barmbeks Handballer haben den geringsten Etat der Liga

Denn für die Barmbeker bedeutet die dritthöchste Spielklasse einen Kraftakt. Der Klassenerhalt in der vergangenen Saison war für den Aufsteiger ein Riesenerfolg: „Wir haben den kleinsten Etat der Liga und spielen gegen Mannschaften mit professionellen Strukturen, die es bei uns nicht gibt. Deswegen macht mich das besonders stolz.“

Hitsch-Carfantan kalkuliert mit einem niedrigen sechsstelligen Bereich für die Saison – andere Clubs in der Liga kratzen mit ihrem Etat an der Millionenmarke. Und das Geld hat er zu Beginn der Saison, die für seinen Verein am vergangenen Wochenende mit einer 25:30-Niederlage beim DHK Flensborg startete, noch nicht zusammen.

HG Hamburg Barmbek mit Niederlage zum Saisonauftakt

„Ich kann noch nicht sagen, wie es kommt, aber ich bin überzeugt davon, dass es kommt“, gibt er sich zuversichtlich. 20 Sponsoren und Partner hat er bereits überzeugt, weitere sollen folgen. „Bis jemand nicht endgültig ‚Nein‘ gesagt hat, hake ich immer noch einmal nach.“ An diesem Freitag (20.30 Uhr) hat das Team von Trainer Mirco Demel gegen den NHV Concordia Delitzsch sein erstes Heimspiel in der Sporthalle Wandsbek.

Hitsch-Carfantan ist sich sicher, im Sommer eine konkurrenzfähige Truppe zusammengestellt zu haben: „In der vergangenen Saison war der Kader gut, aber wir hatten wahnsinnig viele Verletzungen. Im März hatten wir fast keinen Torwart mehr und zum Spiel nach Leipzig wären wir mit acht Leuten gefahren.“ Das sei dann glücklicherweise verschoben worden. „Das ist glücklich für uns ausgegangen, aber das kann man nicht immer erwarten.“

Handballer aus Barmbek holen Nationalspieler

Jetzt ist der Kader größer – und hat sogar einen Nationalspieler. Giga Zarnadze stand bei der Europameisterschaft in diesem Jahr in Georgiens Kader und wechselt aus beruflichen Gründen nach Barmbek. Der Koch hat in Hamburg einen neuen Job gefunden. Handballspielen ist für ihn und seine Mitspieler ein Hobby, das zum Teil als Minijob entlohnt wird.

Lesen Sie auch

Um unter diesen Bedingungen bestehen zu können, sind Engagement und verbindliche Zusagen nötig: „Familie und Beruf gehen vor, aber dann will ich den Handball sehen“, stellt Hitsch-Carfantan klar. „Wenn die Oma Geburtstag hat, ist das für mich kein Grund, abzusagen.“ Und eine unaufgeräumte Küche erst recht nicht.