Nepal und Tibet: Neue Warnung im Flutgebiet, China verwirrt mit Vermisstenzahlen

Rettungsmannschaft im Kreis Gyirong in der Autonomen Region Xizang Rettungsmannschaft im Kreis Gyirong in der Autonomen Region Xizang

Rettungsmannschaft im Kreis Gyirong in der Autonomen Region Xizang

Foto: Jiang Fan / XinHua / dpa

Auch mehrere Tage nach der Sturzflut im Himalaja  gehen die Suche nach Überlebenden und die Bergung von Opfern weiter. Schlechtes Wetter hat die Arbeiten in den betroffenen Katastrophengebieten zuletzt erschwert.

In Nepal mussten die Rettungsarbeiten deswegen sogar vorübergehend ausgesetzt werden. Regen und dichter Nebel erschwerten die Rettungsarbeiten, sagte ‌ein Behördenvertreter der Nachrichtenagentur Reuters. Auch auf chinesischer Seite im benachbarten Tibet beeinträchtige Regen die ohnehin schon durch zerstörte Straßen und unterbrochene Kommunikationsverbindungen erschwerten Einsätze.

Nun hat Nepals Katastrophenschutz vor einer möglichen weiteren Flut gewarnt. Die Warnung galt für den Fluss Bhotekoshi, wie der Katastrophenschutz auf der Onlineplattform X mitteilte. Menschen in den Gegenden Rasuwa, Nuwakot und Dhading wurden aufgerufen, wachsam zu bleiben und sich nicht in der Nähe von Flüssen aufzuhalten. Ein Augenzeuge berichtete, dass in der Region Battar im Bezirk Nuwakot viele Menschen die Berge hinaufliefen, um an sichere Orte zu gelangen.

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Am vergangenen Mittwoch hatte nach bisherigen Erkenntnissen der Abbruch an einem Gletscher im Grenzgebiet zwischen Nepal und China eine Sturzflut ausgelöst. Diese hatte sich anschließend durch den Bhotekoshi von nepalesischem Territorium aus über den Südwesten Tibets zurück nach Nepal ihren Weg gebahnt und dabei massive Schäden verursacht.

Unklarheit bei den vermissten Deutschen

Nach jüngsten Informationen der Behörden wurden als Folge der Naturkatastrophe bislang allein in Nepal 734 Todesopfer registriert. Zudem hatten die chinesischen Behörden in der Autonomen Region Tibet die Zahl der Toten von 7 auf 16 erhöht. Die Zahl der Vermissten auf chinesischer Seite ging auf 546 zurück. Zusammen mit den mehr als 2400 in Nepal noch gesuchten Flutopfern galten damit rund 3000 Menschen weiter als vermisst – darunter Hunderte Ausländer.

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Unter den in China vermissten Ausländern sind laut chinesischen Behörden auch drei Deutsche. Das teilte die Regierung in der Autonomen Region Tibet mit. Ob sich damit die Zahl der vermissten Deutschen im Katastrophengebiet in Nepal und Tibet insgesamt erhöht hat oder ob es Dopplungen bei den Angaben der Behörden beider Seiten gibt, war zunächst unklar. Unter anderem befand sich eine Reisegruppe mit einem nepalesischen Veranstalter am Unglückstag noch in Tibet, um den Grenzübergang Gyirong zurück nach Nepal zu überqueren, wie ein Reiseveranstalter auf Anfrage gesagt hatte.

Das Auswärtige Amt hatte bislang von einer hohen einstelligen Zahl an vermissten Deutschen in der Region gesprochen. In Nepal galten noch acht Deutsche als vermisst.

Die vermissten Ausländer stammten aus insgesamt 23 Ländern, die meisten aus Nepal, wie die Behördenvertreter auf einer Pressekonferenz sagten. Weitere Vermisste kamen unter anderem aus den USA (18), Großbritannien (15) und einzelne jeweils aus Frankreich, Spanien, Portugal und den Niederlanden.

Auch China geht von Gletscherabbruch aus

Als Auslöser der Sturzflut hielten Experten bislang einen Abbruch an einem Gletscher für wahrscheinlich. Chinas Behörden stellten nun fest, dass am vergangenen Mittwoch um 10.52 Uhr (Ortszeit / 4.52 Uhr MESZ) auf nepalesischem Gebiet am Südhang des Gipfels Langtang Lirung Eis und Gestein in rund 5200 Meter Höhe abgebrochen waren.

Unter Berufung auf Ergebnisse von Experten des Bergforschungsinstituts in Chengdu stürzten die Gesteinsmassen bis auf etwa 4000 Meter Höhe ab und lösten eine Lawine aus. Zwischen dem Abbruch und dem Auftreffen der Lawine am Grenzübergang Gyirong in Tibet vergingen den Angaben zufolge zwischen sechs und sieben Minuten. Die Sturzflut habe 27 Gebäude dem Erdboden gleichgemacht, hieß es weiter. Die Behördenvertreter verwiesen auf die Instabilität der Gletscher als langfristige Folge der Klimaerwärmung.

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In Nepal traf unterdessen internationale Hilfe aus Indien und China ein. Expertenteams sollen vor Ort bei der Rettungsaktion an einem Wasserkraftwerk am Fluss Trishuli unterstützen. In einem Tunnel dort wurden noch vermisste Arbeiter vermutet. »Hilfe und Unterstützung werden nicht nur in der Rettungs- und Hilfsphase benötigt, sondern vor allem in der Phase des Wiederaufbaus«, hatte Nepals Außenminister Shishir Khanal in der Hauptstadt Kathmandu am Samstag gesagt.

»Die Vereinigten Staaten stehen der Bevölkerung Nepals zur Seite und stellen lebensrettende humanitäre Hilfe im Wert von mehr als 3,6 Millionen US-Dollar bereit«, schrieb das US-Außenministerium auf X. Die Hilfe in Höhe von umgerechnet 3,1 Millionen Euro umfasst demnach auch bis zu drei Monate lang Nahrungsmittelhilfe für bis zu 10.000 von der Flut betroffene Haushalte.

Mittelfristig werden aber ganz andere Summen benötigt. Für den Wiederaufbau braucht das ​verarmte Land mit ‌seinen rund 30 Millionen Einwohnern nach ersten Schätzungen vier bis fünf Milliarden Dollar, wie Finanzminister Swarnim Wagle erklärte.

Sie mussten zusehen, wie das Wasser alles mitriss, was sie sich aufgebaut hatten. Viele Familien beklagen Tote, unzählige Menschen werden vermisst. Hier  erzählen Bewohner des Nuwakot-Tals, wie sie die Katastrophe erlebt haben.

jok/dpa