Nepal: Viele Tote nach Sturzflut - Hunderte Einheimische und Touristen vermisst
Eine heftige Sturzflut in der Grenzregion zwischen Nepal und China hat eine tiefe Spur der Zerstörung hinterlassen und Menschen in beiden Ländern in den Tod gerissen. Die Zahl der Todesopfer nach der heftigen Sturzflut in einer Gebirgsregion von Nepal ist auf mindestens 157 gestiegen. Das teilte die Polizei des Landes auf der Plattform X mit. Hunderte Menschen – darunter 484 Reisende aus Nepal und aus dem Ausland sowie Polizisten und Soldaten – werden vermisst. Aus Polizeikreisen hieß es, es werde befürchtet, die Zahl der Vermissten könnte in die Tausende gehen. Die Behörden gaben für die flussabwärts gelegenen Gebiete in dem Himalaya-Staat eine Katastrophenwarnung heraus.
China meldete 3 Tote und 265 Vermisste. Das berichteten chinesische Staatsmedien unter Berufung auf eine erste Erhebung der Behörden vor Ort im Kreis Gyirong im Südwesten Tibets. Die genaue Zahl werde noch ermittelt, hieß es. Die Rettungsmaßnahmen liefen weiter, berichteten die Staatsmedien.
Nach aktualisierten Zahlen der nepalesischen Regierung gab es keinen Kontakt mehr zu 391 ausländischen Touristen sowie 93 nepalesischen Reisenden. Nach vorherigen Meldung waren auch Touristen aus Deutschland, den USA und Spanien vermisst. Acht Südkoreaner, die bei einem Wasserkraftwerk in dem Gebiet arbeiteten, werden ebenfalls vermisst, wie die Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf das Außenministerium in Seoul meldete.

Nepal
:Wie eine Sturzflut eine ganze Region verwüstet – in BildernIn der Grenzregion zu Tibet wurden zahlreiche Häuser und Straßen zerstört. Auch im benachbarten Tibet werden nach einer Schlammlawine Opfer gemeldet.
Nach Berichten der Zeitung „The Kathmandu Post“ und anderer nepalesischer Medien richteten die Wasser- und Schlammmassen große Zerstörungen in Ortschaften und an Infrastruktur entlang des Bhotekoshi an, der im Hochland von Tibet entspringt und die nepalesische Provinz Bagmati durchfließt. Bilder des nepalesischen Fernsehens und Videos in den sozialen Medien zeigten, wie zahlreiche Häuser, Wasserkraftanlagen und Straßen zerstört, Brücken weggespült und ganze Dörfer überflutet wurden. Auch mehrere Wasserkraftwerke zur Stromversorgung des Himalaja-Staates seien betroffen, berichteten Medien aus Nepal.
Bekanntes Trekkingziel
Die Sturzflut brach am Mittwochmorgen über den Fluss Bhotekoshi im Gebirgsmassiv Langtang Himal nahe der Grenze zu Tibet herein. Der Distrikt Rasuwa im Norden Nepals ist ein bekanntes Trekkingziel. Die Region ist berühmt für ihre spektakulären Himalaja-Landschaften, zahlreiche Bergseen und das „Tal der Gletscher“ genannte Langtang-Tal mit seinen gewaltigen Eismassen.
Unklar war zunächst, was die Sturzflut ausgelöst hat. Nicht ausgeschlossen wurde, dass ein sogenannter Gletscherseeausbruch dazu geführt haben könnte. Dabei entleert sich plötzlich ein Gletschersee in Form von Flutwellen.
Nach ersten Einschätzungen des Katastrophenschutzes wurde die verheerende Flut durch das plötzliche Freiwerden des Flusses auf der tibetischen Seite ausgelöst, der zuvor durch einen Erdrutsch aufgestaut worden war.
In den besonders betroffenen nepalesischen Orten Syapru Besi und Timure konnten Behördenangaben zufolge wegen der hohen Wasserstände zunächst keine Hubschrauber landen. „Es könnte zahlreiche Opfer oder schwere Sachschäden geben“, sagte Bezirksverwalter Narendra Pariyar der Nachrichtenagentur Reuters. „Aber ich weiß es noch nicht genau.“

Die Regierung von Premierminister Balendra Shah hat Einheiten der Armee für Such- und Rettungseinsätze mobilisiert. Medizinische Teams, Pfadfinder und das Rote Kreuz wurden für Hilfsmaßnahmen ins Katastrophengebiet entsandt. Auch kündigte das katholische Hilfswerk Caritas Nepal auf Facebook Hilfe für die Betroffenen an. Die Behörden appellierten an die Bewohner am Fluss Trishuli, in den der Bhotekoshi mündet, sich in sicherere Gebiete zu begeben.
Laut der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua wurden auch in Tibet Straßen-, Kommunikations- und Stromverbindungen durch eine Schlammlawine beschädigt oder zerstört. Es soll Opfer und Vermisste geben. Präsident Xi Jinping habe „umfassende Anstrengungen“ zur Suche und Rettung von Vermissten angeordnet. Zudem mahnte er demnach, das Frühwarnsystem zu stärken. Xi gibt solche Anweisungen in der Regel nur bei besonders schweren Unglücken. Zudem schickte er in Zhang Guoqing einen ranghohen Kader der Kommunistischen Partei in die betroffene Region, um die Rettungsmaßnahmen zu überwachen.