Umbau bei Nestlé zahlt sich aus: Stärkste Wachstumszahlen seit Jahren

Konzernchef Philipp Navratil übertrifft im dritten Quartal die selbstgesetzten Ziele. Der Umbau des weltgrössten Nahrungsmittelkonzerns scheint zunehmend Früchte zu tragen.

22.10.2026, 08.49 Uhr

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Aktualisiert


Der Hauptsitz von Nestlé in Vevey.

Der Hauptsitz von Nestlé in Vevey.

Laurent Gillieron / KEYSTONE

Beim Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé ist derzeit jedes Quartalsergebnis ein Test dafür, ob der Konzernumbau vorankommt. Vor etwas mehr als einem Jahr hat Philipp Navratil die Firmenleitung übernommen. Zudem hat das Unternehmen mit Pablo Isla einen neuen Verwaltungsratspräsidenten erhalten.

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Die beiden wollen Nestlé aus der Krise führen: Der weltgrösste Nahrungsmittelkonzern soll wieder mehr Produkte verkaufen. Nach zahlreichen personellen Turbulenzen soll er zu Stabilität zurückfinden. Und der schwächelnde Aktienkurs soll endlich wieder steigen.

Starkes Verkaufswachstum

Als wichtigste Masszahl für den Erfolg gilt das Wachstum des Verkaufsvolumens. Mit den Zahlen zum dritten Quartal 2026 hat Nestlé am Donnerstag die Erwartungen deutlich übertroffen: Das interne Realwachstum – im Firmenjargon «real internal growth» (RIG) genannt – betrug hohe 2,8 Prozent. Analytiker hatten im Vorfeld mit 1,5 Prozent gerechnet.

Navratil selbst betont bei jeder Gelegenheit, wie wichtig das Volumenwachstum sei. Für ihn spiegelt es am besten, wie gross die Nachfrage nach Nestlé-Produkten wie Nespresso, Maggi oder Kitkat ist. Navratil strebt ein RIG von dauerhaft mehr als 2 Prozent an. Im dritten Quartal wurde dieser Wert deutlich übertroffen – erstmals seit mehr als vier Jahren.

Das Verkaufsvolumen stieg in allen Absatzregionen des Weltkonzerns mit rund 270 000 Mitarbeitern. Am besten entwickelten sich die Geschäfte in den Schwellenländern. Aber auch in Nordamerika verkaufte Nestlé mehr Produkte, obwohl die Konsumentenstimmung wegen der Inflation schlecht ist. Besonders nachgefragt war konzernweit Tiernahrung, die rund ein Viertel des Umsatzes von Nestlé ausmacht.

Aktienkurs legt zu

Die Quartalszahlen sind an der Börse gut ankommen. Bei Handelsstart am Donnerstag legte die Nestlé-Aktie um X Prozent auf rund XX Franken zu. Der Aktienkurs hatte sich seit Navratils Amtsantritt bisher kaum erholt, wobei die Tendenz in den vergangenen Wochen positiv war.

Aktienanalytiker betonen jedoch, für eine dauerhafte Steigerung des Aktienkurses sei es entscheidend, dass Nestlé kontinuierlich gute Wachstumszahlen liefere. «Die Erholung gewinnt an Glaubwürdigkeit, doch die Beständigkeit bleibt die eigentliche Bewährungsprobe», kommentierte Jean-Philippe Bertschy von der Bank Vontobel die Quartalszahlen.

Die Anleger dürften auch mit dem Ausblick zufrieden sein. Nestlé erwartet, dass die operative Gewinnmarge in diesem Jahr erhöht werden kann. Zudem wird mit einem freien Cashflow von mehr als 9 Milliarden Franken gerechnet. Das bedeutet, dass Nestlé genügend Mittel für die Auszahlung der Dividende erwirtschaftet und diese voraussichtlich wird erhöhen können.

Entkonsolidierung des Russland-Geschäfts

Navratils Umbaupläne waren jüngst immer wieder von Rückschlägen begleitet gewesen. Eine böse Überraschung war im September die Ankündigung des russischen Präsidenten Wladimir Putin, das Russlandgeschäft von Nestlé unter Zwangsverwaltung zu stellen. Nestlé zieht nun die Konsequenzen: Der Konzern hat die Russland-Aktivitäten per Ende September entkonsolidiert und Vermögenswerte über 1,6 Milliarden Franken ausgebucht.

Auf die Umsatzzahlen hat das keine Auswirkungen, weil Nestlé das Russland-Geschäft seit Putins Invasion in der Ukraine im Jahr 2022 bei den Geschäftszahlen ausklammert. Die Folgen für den Gewinn würden im Jahr 2026 «begrenzt» sein, erklärte Nestlé am Donnerstag.

Putin hatte zwar vor einigen Wochen erklärt, Firmen unter Zwangsverwaltung könnten unter bestimmten Bedingungen die Kontrolle über ihr Eigentum zurückerhalten. Neben Nestlé hatte der russische Präsident Unternehmen aus dem Lebensmittelhandel unter Zwangsverwaltung gestellt, etwa die russischen Ableger der Handelsketten Metro und Auchan. In der Vergangenheit ist es aber meist zu Zwangsverkäufen der betroffenen Firmen an Personen aus dem Umfeld Putins gekommen.

Mit diesem Szenario muss auch Nestlé rechnen. Der Konzern wäre damit zwar ein Reputationsrisiko los, denn er wurde für seinen Verbleib in Russland immer wieder kritisiert. Doch Nestlé hatte stets betont, man wolle die russische Bevölkerung weiterhin mit essentiellen Lebensmitteln versorgen. Das Russland-Geschäft scheint zudem nicht schlecht zu laufen. Laut Angaben vom Dienstag macht es rund 2 Prozent des Konzernumsatzes von Nestlé aus und steuert 3 bis 4 Prozent zum Betriebsgewinn bei.

Im Übrigen schreitet der Konzernumbau voran.

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