Neu im Kino: „So klingt das Leben“: Ein Dudelsack gegen das Vergessen
Andrea steht vor dem Grab ihres Vaters Antonio und spielt Dudelsack. Er war Kapitän jenes Fischerboots, dessen Untergang vor zwei Jahren nur zwei von neun Besatzungsmitgliedern überlebten. Mit den Klängen hält sie die Erinnerung an ihn wach - und gibt einer Trauer Ausdruck, die das ganze Dorf erfasst hat.
Mit „So klingt das Leben“ liefert Daniel Sánchez Arévalo („Dunkelblaufastschwarz“) einen warmherzigen Film über Trauer, Gemeinschaft und die heilende Kraft der Musik. Der spanische Regisseur bleibt seinem Markenzeichen treu: vielschichtige Figuren und komplexe zwischenmenschliche Beziehungen, eingebettet in eine Geschichte, die spürbar den Geist eines klassischen Feel-Good-Films atmet.
Die Stille nach der Katastrophe
Mit dem Tod Antonios verstummte auch die Rondalla, die traditionelle Musikgruppe von A Guarda mit Fahnenträgern sowie Zupf- und Perkussionsinstrumenten. Wo einst gemeinsam musiziert wurde, herrscht seit dem Schiffsunglück Schweigen - als hätte das Dorf an der galicischen Küste mit seinem Chorleiter auch seine Stimme verloren.
Erst als Antonios langjähriger Freund und Krabbenfänger Luis (Javier Gutiérrez), einer der beiden Überlebenden, den Mut fasst, die Rondalla wiederzubeleben und das Dorf auf einen Wettbewerb vorzubereiten, beginnt sich die Starre zu lösen. Unterstützung erhält er von Carmen (María Vázquez), Antonios Witwe, mit der er eine heimliche Beziehung führt.
Was zunächst wie ein aussichtsloses Unterfangen wirkt, entwickelt sich nach und nach zu einem behutsamen Prozess der Annäherung und des gemeinsamen Neuanfangs.
Gemeinschaft als Heilung
Arévalo erzählt nicht nur von individueller Trauer, sondern vor allem davon, wie Gemeinschaft Menschen wieder Hoffnung schenken kann. Die Rondalla wird dabei zum Sinnbild für Zusammenhalt, Versöhnung und den Mut, trotz schmerzlicher Erinnerungen nach vorn zu blicken.
Obwohl der Film eine große Ensemblebesetzung vereint, erhalten nahezu alle Figuren ausreichend Raum, um sich zu entfalten. Gerade die teils skurrilen Nebenfiguren wie der einbeinige Yayo und der unbeholfene Xoel verleihen der Geschichte ihren besonderen Charme. Auch die 18-jährige Andrea gewinnt zwischen Trauer und Erwachsenwerden zunehmend an Kontur.
Zwischen Melancholie und Humor
Neben der kollektiven Verarbeitung der Trauer greift der Film weitere Themen auf - darunter Generationenkonflikte, familiäre Spannungen, Umweltfragen sowie einen angedeuteten Krimi-Subplot rund um das Schiffsunglück. Die Vielzahl der Erzählstränge nimmt dem Film bisweilen etwas an Tiefe, da nicht alle Ansätze konsequent ausgearbeitet werden.
Arévalo vermeidet übermäßiges Pathos. Humor und Drama halten sich dabei meist die Waage, auch wenn die melancholische Seite überwiegt. „So klingt das Leben“ ist ein warmherziger Film über Trauer, Gemeinschaft und die Möglichkeit eines Neuanfangs.
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