Nach Iran eskalieren jetzt auch Huthis im Jemen: Saudi-Arabien bildet militärische Koalition gegen Rebellen

Neue Eskalation in Nahost: Saudi-Arabien bildet Koalition zum Schutz vor Huthi-Angriffen

Stand: 30.07.2026, 21:56 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Saudi-Arabien schmiedet eine internationale Koalition zum Schutz des Roten Meeres. Huthi-Angriffe bedrohen Schifffahrt, Ölhandel und Weltwirtschaft.

Riad/Sanaa – Saudi-Arabien will angesichts der zunehmenden Angriffe der vom Iran unterstützten Huthi-Miliz eine internationale Sicherheitsallianz zum Schutz des Roten Meeres aufbauen. Nach übereinstimmenden Medienberichten wurden rund 50 Staaten eingeladen, sich an der Koalition zu beteiligen. Ihr Hauptquartier soll in der saudischen Hauptstadt Riad eingerichtet werden.

Huthi-Rebellen im Jemen

Ebenfalls zu der „Achse des Widerstands“ gehören die Huthi-Rebellen im Jemen. © imago

Huthi greifen wichtigste Handelsroute der Welt an: Saudi-Arabien plant Koalition

Zu den eingeladenen Ländern sollen neben den USA auch Deutschland, Frankreich, Italien, die Türkei, Pakistan sowie mehrere Anrainerstaaten des Roten Meeres gehören. Ägypten, Dschibuti und Sudan sollen ihre Teilnahme bereits zugesagt haben. Eine offizielle Teilnehmerliste veröffentlichte Riad bislang jedoch nicht.

Auslöser der Initiative ist die jüngste Eskalation im Roten Meer. Die Huthi hatten am 20. Juli eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien angekündigt und greifen seitdem wiederholt Schiffe sowie saudische Energieanlagen an. Zuletzt reklamierte die Miliz einen Raketenangriff auf den saudischen Öltanker NCC Ghazal, der seinen Kurs daraufhin ändern musste. Gleichzeitig prüfen die Huthi nach Angaben mehrerer Medien offenbar die Einführung von Gebühren für Schiffe, die die Meerenge Bab al-Mandab passieren.

Die Miliz begründet ihre Angriffe mit dem seit Jahren andauernden Konflikt gegen Saudi-Arabien. Riad habe dem Jemen über Jahre eine „ungerechte und umfassende Blockade“ auferlegt, erklärten die Huthi.

Nach Iran-Krieg nächste Eskalation im Nahen Osten: Warum das Rote Meer so entscheidend ist

Das Rote Meer zählt zu den wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt. Rund 30 Prozent des weltweiten Seehandels verlaufen über diese Verbindung zwischen Europa und Asien. Besonders strategisch ist die nur 29 Kilometer breite Meerenge Bab al-Mandab zwischen dem Jemen und Dschibuti. Sie verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden und dem Indischen Ozean und ist neben dem Suezkanal der wichtigste Zugang zur Region.

Allein im vergangenen Jahr wurden dort rund 4,1 Milliarden Barrel Rohöl und raffinierte Erdölprodukte transportiert – etwa fünf Prozent des weltweiten Ölhandels. Die Bedeutung der Route ist seit Beginn des Iran-Konflikts noch einmal deutlich gestiegen. Weil die Straße von Hormus infolge der Spannungen mit dem Iran nur eingeschränkt nutzbar ist, leitet Saudi-Arabien einen erheblichen Teil seiner Ölexporte inzwischen über den Hafen Yanbu am Roten Meer um. Genau dort setzen die Huthi mit ihren Angriffen an.

Für Saudi-Arabien kommt die neue Krise zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Nach Jahren des kostspieligen Jemen-Krieges wollte das Königreich eigentlich weitere militärische Auseinandersetzungen vermeiden und sich auf wirtschaftliche Großprojekte konzentrieren. Doch nach Einschätzung mehrerer Nahost-Experten sehen die Huthi nun ihre Chance. Sie wollten den Druck auf Saudi-Arabien erhöhen, politische Zugeständnisse erzwingen und größeren Einfluss auf die Ölressourcen des Jemen gewinnen.

Lage im Nahen Osten: Huthis drohen, das Rote Meer zu sperren

„Die Huthi wittern Blut“, sagte die Nahost-Analystin April Alley gegenüber der New York Times. Da Saudi-Arabien wegen der Probleme in der Straße von Hormus stärker vom Roten Meer abhängig sei, verfüge die Miliz über ein wirkungsvolles Druckmittel. Auch Ahmed Nagi von der International Crisis Group warnt gegenüber der US-Zeitung vor einem Dilemma für Riad: Reagiere Saudi-Arabien nicht entschieden, könnten sich die Huthi weiter ermutigt fühlen. Eine harte militärische Antwort berge dagegen das Risiko eines neuen großflächigen Krieges.

Vor diesem Hintergrund traf sich der saudische Verteidigungsminister Prinz Khalid bin Salman am Mittwoch (29. Juli) mit US-Präsident Donald Trump und Vizepräsident JD Vance. Nach Berichten aus Washington machte der Prinz deutlich, dass Saudi-Arabien zwar eine weitere Eskalation des Konflikts zwischen den USA, Israel und dem Iran ablehne, sich jedoch verteidigen werde. Gleichzeitig habe er erklärt, das Königreich könne die Lage mit den Huthi grundsätzlich selbst bewältigen und benötige derzeit keine direkte militärische Beteiligung der USA. Dennoch gilt ein Beitritt Washingtons zur geplanten Sicherheitskoalition als wahrscheinlich.

Iran-Verbündete Huthis: Saudi-Arabien will mit Koalition vorgehen

Für zusätzliche Sorge sorgen Berichte, wonach die Huthi künftig Gebühren für Schiffe verlangen könnten, die Bab al-Mandab passieren. Nach Angaben der international anerkannten jemenitischen Regierung soll dafür eigens eine Behörde geschaffen werden. Ein solcher Schritt würde sich am Vorgehen des Iran orientieren, der ebenfalls Gebühren für die Nutzung der Straße von Hormus ins Spiel gebracht hat.

Nach internationalem Seerecht dürfen Anrainerstaaten natürlicher Meerengen allerdings grundsätzlich keine Transitgebühren für die Durchfahrt erheben. Zulässig sind lediglich Entgelte für konkrete Dienstleistungen, etwa Lotsen- oder Hafenservices. Die Folgen der Angriffe sind bereits spürbar. Nach Angaben von Reuters sank der Schiffsverkehr durch Bab al-Mandab zuletzt auf nur noch elf Schiffe an einem Wochenende. Vor Beginn der Angriffe passierten täglich mehr als 70 Schiffe die Meerenge.

Parallel zogen die Ölpreise erneut an. Experten warnen, dass eine weitere Eskalation im Roten Meer nicht nur die Energieversorgung, sondern auch globale Lieferketten erheblich belasten könnte. Sollte sich der Konflikt zwischen Saudi-Arabien und den Huthi weiter verschärfen, droht zudem ein Wiederaufflammen des seit Jahren schwelenden Jemen-Krieges – mit weitreichenden Folgen für die gesamte Region. (Quellen: New York Times, Al Jazeera, eigene Recherche) (bb)