Neue Jugendherberge: Neue Jugendherberge öffnet – Sparzwänge bei Familien spürbar
Quelle: dpa Sachsen
Aktualisiert am 19. August 2026, 14:18 Uhr
Nach zweieinhalb Jahren Bauzeit öffnet eine neue Jugendherberge am Markkleeberger See bei Leipzig für die Besucherinnen und Besucher. Das 170-Betten-Haus solle den Gästen die frühere Bergbauregion näherbringen, erklärte die Vorsitzende des Jugendherbergs-Landesverbandes Sachsen, Susan Graf. Der Bau wurde aus Mitteln für den Kohle-Ausstieg gefördert. Die Eröffnung fällt in eine Zeit, in der die Jugendherbergen deutschlandweit zu spüren bekommen, dass beim Reisen gespart wird.
Ministerpräsident Michael Kretschmer bezeichnete die Jugendherberge als schönste in Sachsen. «Man sieht einfach: Wenn wir wollen, wenn wir uns gegenseitig etwas zutrauen, dann gelingt uns was», sagte der CDU-Politiker bei der Schlüsselübergabe. Er freue sich schon darauf, in dem Haus übernachten zu können.
Nach Angaben der Stadt Markkleeberg beliefen sich die Investitionskosten auf rund 17 Millionen Euro. 15,9 Millionen Euro davon kamen aus Mitteln des Investitionsgesetzes Kohleregionen sowie des Freistaates Sachsen. Das Jugendherbergswerk mietet die Immobilie langfristig und betreibt das Haus. Es liegt unmittelbar am Markkleeberger See, einem gefluteten Tagebaurestloch.
Höhere Lebenshaltungskosten verändern Reiseverhalten
Die Jugendherbergen mussten voriges Jahr bundesweit einen Rückgang bei den Übernachtungen hinnehmen. Die Zahl sank um 2,8 Prozent auf 8,8 Millionen. Man bekomme den Sparkurs insbesondere von Familien zu spüren, hieß es zur Begründung.
Dagegen meldeten die sächsischen Jugendherbergen ein Plus. 368.200 Übernachtungen bedeuteten einen Zuwachs von 1,9 Prozent im Vergleich zu 2024. Dazu trugen aus Sicht des Landesverbandes Modernisierungen einzelner Jugendherbergen sowie neue «erlebnisorientierte» Angebote bei.
In diesem Jahr lägen die Übernachtungszahlen bislang noch unter dem Vorjahresniveau, teilte Sprecherin Lisa Bachmann mit. «Allerdings stehen mit den Herbstferien, der Adventszeit und dem Jahreswechsel noch wichtige Buchungszeiträume bevor. Gerade bei Familien und Individualgästen erwarten wir hier noch zahlreiche spontane Buchungen.»
Die wirtschaftliche Unsicherheit und die steigenden Lebenshaltungskosten machten sich beim Reiseverhalten bemerkbar. «Familien und auch Gruppen achten stärker auf die Kosten und wägen genauer ab, wofür sie ihr Geld ausgeben. Wir beobachten, dass zusätzliche Reisen, etwa in der Nebensaison, eher eingespart werden und sich Familien stärker auf den Haupturlaub konzentrieren», erklärte Bachmann.
Zugleich steigen auch für die Jugendherbergen die Kosten, etwa für Energie und Löhne. 2026 sei deswegen eine Preiserhöhung unvermeidlich gewesen.
Sinkende Schülerzahlen treffen Jugendherbergen
Schulklassen und Gruppen bei Lehrgängen und Tagungen machen deutlich über die Hälfte der Gäste in den sächsischen Jugendherbergen aus. Deswegen werden die absehbar rückläufigen Schülerzahlen in Sachsen und den angrenzenden Ostländern auch die Jugendherbergen treffen.
«Gerade bei Klassenfahrten spielt das Preis-Leistungs-Verhältnis eine immer wichtigere Rolle», erklärte die Sprecherin. Man versuche, mit flexiblen Angeboten darauf zu reagieren: Übernachtung und Verpflegung würden als Grundbaustein angeboten, weitere Aktivitäten könnten dazugebucht werden.
Außerdem wollen die Jugendherbergen «außerschulische Lernorte» sein, indem sie Programme zu lehrplanrelevanten Themen auflegen. «Weitere Potenziale sehen wir bei Sport- und Musikgruppen, Tagungen und Seminaren sowie im Bereich der Feriencamps», erläuterte Bachmann.
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