Was der Twannberg-Meteorit über die Eiszeit verrät
Neue Meteoriten-Fundstücke Berner Meteoriten-Schatz sprengt alle Dimensionen
2016 wurde im Berner Jura das grösste Meteoritenfeld Europas entdeckt. Nun liefern neue Fragmente neue Erkenntnisse.
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Vor zehn Jahren, im Sommer 2016, erfuhr die Öffentlichkeit erstmals von der wissenschaftlichen Sensation im Berner Jura. Oberhalb des Bielersees, auf dem Twannberg und auf dem Mont Sujet, war eines der bedeutendsten Meteoriten-Streufelder Europas nachgewiesen worden: mehrere hundert Fragmente eines äusserst seltenen Eisenmeteoriten.
2016 machte das Naturhistorische Museum Bern die Funde in einer Sonderausstellung der Öffentlichkeit zugänglich.
NMBE/Thomas Schüpbach
Vor rund 175’000 Jahren – während der vorletzten Eiszeit – explodierte der schätzungsweise 4 bis 20 Meter grosse und mindestens 250 Tonnen schwere Koloss beim Eintritt in die Erdatmosphäre und ging als Trümmerregen über dem Gebiet des heutigen Mont Sujet nieder.
Das erste Fragment – ein 15 Kilo schweres Bruchstück – entdeckte 1984 die Bäuerin Margrit Christen, als sie Steine auf einem Feld sammelte. Daraufhin kamen immer mehr Fragmente zum Vorschein.
Über 2200 Fragmente im Boden
Heute, im Jahr 2026, ist klar: Der Fund ist noch viel gigantischer als bisher angenommen. «Vor zehn Jahren waren es 400 Fragmente, jetzt sind es über 2200 Fragmente», erklärt der Geologe und Expeditionsleiter Beda Hofmann vom Naturhistorischen Museum Bern bei einem Besuch auf dem sechs Kilometer langen Streufeld. Noch immer sucht er nach Fundstücken – stets mit einem Metalldetektor. Wichtig: «Dafür braucht es eine Bewilligung des zuständigen Archäologischen Dienstes.»
Geologe Beda Hofmann sucht auf dem Mont Sujet im Jura nach Fragmenten eines Meteoriten.
SRF/Katharina Schwab
Die Suche sei mühsame Knochenarbeit, sagt Hofmann. Meistens stosse er mit dem Detektor auf Zivilisationsmüll: «Tonnenweise Metall liegt in der Gegend herum – Alufolie, Nägel oder alte Gewehrpatronen. Der allergrösste Teil sind keine Meteoriten.» Finde man jedoch nach Tagen des Suchens tatsächlich ein echtes kosmisches Bruchstück, sei das ein «Glücksgefühl».
Neue Erkenntnisse über die Eiszeit und Asteroiden
Die jüngsten Funde aus dem Jahr 2026 liefern laut Beda Hofmann wertvolle neue Daten. Einige der neu entdeckten Meteoritenteile seien nachweislich durch Gletscher transportiert worden. Da diese Funde höher liegen als bisherige, lasse dies Rückschlüsse auf die gigantischen Eismassen der vorletzten Eiszeit zu. Damals war das Mittelland unter einer kilometerdicken Eisschicht begraben.
Neueste Funde aus dem Jahr 2026: Auch 40 Jahre nach der Entdeckung des ersten Bruchstücks kommen auf dem Mont Sujet noch Fragmente zum Vorschein.
ZVG/NMBE
Gleichzeitig würden die Daten des Twannbergs helfen, das Verhalten von Asteroiden beim Eintritt in die Atmosphäre besser zu verstehen. Mit diesem Wissen lasse sich künftig präziser berechnen, welche Gefahr von kleineren Himmelskörpern auf Kollisionskurs zur Erde tatsächlich ausgeht.
Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 25.8.2026, 17:30 Uhr ; swam;ledn;brus