Neue Parkordnung in der Neustadt: Schon bald fallen 766 Stellplätze weg
Stand: 20.07.2026, 13:44 Uhr
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In der Bremer Neustadt haben die Arbeiten zur Umsetzung der neuen Parkordnung begonnen. Von 3.657 erfassten Stellplätzen bleiben nur 2.891 – bei einer Auslastung von bereits 108 Prozent.
Bremen – Es wird deutlich enger für Autobesitzer – ab jetzt in Teilen der Bremer Neustadt, schon bald aber auch in Walle, der Östlichen Vorstadt und Schwachhausen. Seit Montag haben in Neustadt-West (zwischen Neuenlander Straße, B 75, Westerstraße und Friedrich-Ebert-Straße) die Beschilderungs- und Markierungsarbeiten zur Umsetzung der neuen Parkordnung begonnen. Dort ist bald nur noch Anwohner- oder Besucherparken möglich. Wer keinen entsprechenden Schein hat, muss ein Parkticket lösen.

20 Prozent der Parkplätze fallen weg
Im Pilotcluster hat der Senat 3.657 Stellplätze erfasst. Im Zuge der Umgestaltung fallen davon rund 20 Prozent weg, sodass künftig nur noch 2.891 Parkplätze bleiben. Das bei einer Auslastung von bereits heute 108 Prozent im Quartier Hohentor und bei 102 Prozent im Quartier Neustadt.
Während Ralph Baumheier, Staatsrat bei der Senatorin für Bau, Mobilität und Stadtentwicklung, am Montag betonte, der Senat setze damit die Vorgaben des Bundesverfassungsgerichtes um und schaffe „mehr Übersicht sowie eine erhöhte Sicherheit im Straßenverkehr“, fordert die CDU-Fraktion in der Bürgerschaft in einem Antrag ein sofortiges Parkraum-Moratorium nach Hamburger Vorbild. Bis ein gesamtstädtisches Parkraumkonzept mit tragfähigen Mobilitätslösungen vorliege, sollten keine weiteren öffentlichen Stellplätze abgebaut oder dauerhaft umgewidmet werden, heißt es. „Die Menschen fahren in den Urlaub und kommen in eine umgebaute Straße zurück. Ihr Parkplatz ist plötzlich verschwunden. Das ist Politik über die Köpfe der Anwohner hinweg“, erklärt Michael Jonitz, Sprecher für Mobilität und Verkehr der CDU-Bürgerschaftsfraktion.
Auch Rick Graue, Leiter des Amts für Straßen und Verkehr, sieht einen verstärkten Druck auf die Autofahrer zukommen. Es gebe allerdings jetzt schon ausgewiesene Ausweichflächen, erklärte er und verwies auf die Internetseite parken.bremen.de. Dort fänden sich auch aktuelle Informationen zum Pilotprojekt und zum Zeitplan.
Gültig mit Abschluss der Markierungsarbeiten
Baumheier erklärte, warum die Markierungsarbeiten am Montag im Kreuzungsbereich Erlenstraße/Oderstraße begonnen haben. „Gerade vor Schulen und auf wichtigen Fußwegen ist es entscheidend, dass Gehwege frei und sicher nutzbar sind“, sagte er vor der Schule an der Oderstraße und zeigte zusammen mit der stellvertretenden Beiratssprecherin Vibke Martens und Graue auf Fotos, wie eng es in dem Bereich manchmal ist.
Die neuen Parkregelungen und damit oftmals das Verbot des aufgesetzten Parkens auf einer Seite gelten sofort mit Abschluss der Markierungsarbeiten in der jeweiligen Straße. „Alle Verkehrsteilnehmer können ihre Fahrzeuge im neu geregelten Straßenraum zunächst weiterhin kostenfrei abstellen“, betonte Graue. „Ab November wird dann das Bewohnerparken eingeführt. Dafür ist ein entsprechender Ausweis erforderlich, der ab August beantragt werden kann.“
Die CDU moniert jedoch: „Viele Anwohner glauben, mit dem Parkausweis künftig einen Parkplatz zu haben. Tatsächlich erhalten sie nur das Recht, im Gebiet zu parken, wenn sie überhaupt einen Parkplatz finden“, so Jonitz. „Bewohnerparken ersetzt keine fehlenden Stellplätze und keine Mobilitätsstrategie. Der Senat verschärft den Parkdruck, ohne Lösungen anzubieten. Das muss gestoppt werden.“
Ebenfalls massive Kritik von der FDP
Auch die FDP sparte am Montag nicht mit Kritik: Der Fraktionsvorsitzende Thore Schäck teilte mit: „Wir haben schon vor neun Monaten gewarnt und ein Moratorium beantragt – damals war noch Zeit zu handeln. Passiert ist nichts. Jetzt rollen die Bagger, jeder fünfte Parkplatz fällt weg, Ersatz gibt es keinen, und am Ende sollen die Anwohner fürs Parken auch noch zahlen.“ Niemand habe etwas gegen freie Gehwege – wer mit Rollator oder Kinderwagen unterwegs sei, müsse durchkommen. „Aber der Senat hatte seit dem Urteil zwei Jahre Zeit und hat bis heute keine Lösung. Seine Antwort ist: öffentliche Parkplätze streichen, ohne eine einzige Alternative zu schaffen. So werden am Ende Anwohner und Fußgänger gegeneinander ausgespielt. Das ist keine vorausschauende Politik. Die Menschen werden sehenden Auges mit ihren Problemen allein gelassen.“
Schäck weiter: „Wir haben von Anfang an gesagt: erst private und gewerbliche Flächen aktivieren, Anwohnern echte Alternativen geben, Quartiersgaragen ernsthaft prüfen und dann ordnen. Unser Antrag für ein Parkplatz-Moratorium liegt seit Oktober 2025 auf dem Tisch. Dass die Forderung jetzt breiter wird, ist gut. Wir brauchen sie dringend. Am Ende muss man den Menschen reinen Wein einschenken: Ein Bewohnerparkausweis schafft keinen einzigen Parkplatz. Die Leute sollen künftig 75 Euro im Jahr dafür zahlen, weiter keinen Platz zu finden. Erst verbieten, dann kassieren und die Lösung kommt zuletzt. So darf der Senat mit den Menschen nicht umgehen.“