Neuer Geschäftsbericht: Hessen fehlen 15 Milliarden Euro
Stand: 16.08.2026, 21:00 Uhr
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Der Geschäftsbericht des Landes zeigt für das vergangene Jahr einen Fehlbetrag von 15 Milliarden Euro. Seit 2024 hat er sich mehr als verdoppelt.
Wiesbaden – Hohe Personalkosten und kaum steigende Steuereinnahmen belasten den hessischen Haushalt immer stärker. Der neue Geschäftsbericht des Landes, den Finanzminister Alexander Lorz (CDU) vorgestellt hat, weist für das vergangene Jahr einen Fehlbetrag von 15 Milliarden Euro aus.
Die Ausgaben lagen also um 15 Milliarden Euro höher als die Einnahmen, wenn man Hessen wie ein Unternehmen betrachtet. Gegenüber dem Jahr 2024 hat sich der Fehlbetrag damit mehr als verdoppelt.
Das Land wird betrachtet wie ein Unternehmen
Seit dem Jahr 2009 gibt Hessen jedes Jahr zusätzlich zu seinem regulären Haushaltsplan einen Geschäftsbericht in doppischer Berechnung heraus. Diese kaufmännische Betrachtungsweise, die sonst für Firmenbilanzen genutzt wird, ermöglicht einen anderen Blick auf die Finanzen des Landes. Sie berücksichtigt nämlich auch Vermögen und Abschreibungen – und Rückstellungen, die für die Pensionen der Beamtinnen und Beamten des Landes gebildet werden müssen.
Der Bericht
Das Land Hessen veröffentlicht seit 2009 zusätzlich zum Haushaltsplan einen Geschäftsbericht. Er betrachtet Einnahmen und Ausgaben kaufmännisch, als wäre das Land ein Unternehmen.
Der Geschäftsbericht berücksichtigt auch Aufwendungen für Pensionen und weitere Kosten und soll so einen besseren Blick auf die Finanzlage des Landes ermöglichen.
Der neue Geschäftsbericht weist für das vergangene Jahr Steuereinnahmen von rund 29,8 Milliarden Euro aus, etwa 1,8 Milliarden mehr als noch im Jahr zuvor. Gleichzeitig sind aber die Personalkosten um fast zehn Milliarden Euro auf rund 26,4 Milliarden gestiegen, was mit 900 zusätzlichen Stellen für Lehrkräfte, vor allem aber mit Besoldungssteigerungen von mehr als zehn Prozent im vergangenen Jahr zusammenhängt.
Enge Spielräume für die Landesregierung
Im bereits seit Jahren tobenden politischen Streit um eine verfassungsgemäße Bezahlung der hessischen Beamtinnen und Beamten hatte das Land die Besoldung schon in den Jahren 2023 und 2024 angehoben, im vergangenen Jahr dann um rund 10,3 Prozent.
Derzeit wird im Landtag an einem Gesetz von CDU und SPD gearbeitet, das die Beamtenbesoldung grundlegend neu regeln soll. Der hessische Verwaltungsgerichtshof hatte vor fast fünf Jahren entschieden, dass die Bezahlung zwischen 2013 und 2020 teils deutlich zu niedrig und damit verfassungswidrig gewesen sei.
Alle Förderprogramme sollen auf den Prüfstand
Lorz wies darauf hin, dass der Personalstand von aktuell rund 181.000 Beamtinnen, Beamten und Angestellten im öffentlichen Dienst den finanziellen Spielraum Hessens enorm einenge. Zudem habe das Land im vergangenen Jahr ganze 7,4 Milliarden Euro an die Kommunen überwiesen.
Weil das Land außerdem rund 1,4 Milliarden für etwa 400 unterschiedliche Förderprogramme ausgegeben habe, sei derzeit eine Kommission dabei, diese auf ihre Wirksamkeit hin zu untersuchen. In der aktuell wirtschaftlich schwierigen Lage, die sich auch auf die Steuereinnahmen auswirke, müsse man jede Ausgabe grundlegend hinterfragen, sagte Lorz.
Die Opposition fordert entschiedenes Handeln
Marion Schardt-Sauer von der oppositionellen FDP kritisierte, Lorz dürfe finanzielle Probleme nicht nur beschreiben. „Die Landesregierung muss die strukturellen Konsequenzen aus den Erkenntnissen ziehen und vor allem an die hohen Personalkosten ran“, sagte Schardt-Sauer.
Roman Bausch von der extrem rechten AfD forderte eine „umfassende Kurskorrektur“ bei Subventionen und Personalkosten. (Hanning Voigts)