Neues Ehrenamt: Gemeinde Kreuth ernennt ersten Wohnraumbeauftragten im Oberland
Stand: 04.08.2026, 07:00 Uhr
Kommentare

In Sachen Wohnraum-Management übernimmt die Gemeinde Kreuth eine Vorreiterrolle: Sie hat den Weg frei gemacht für die Ernennung eines Wohnraumbeauftragten. Er soll gegen den Leerstand im Ort wirken.
Kreuth – Der Weg ist frei für den ersten ehrenamtlichen Wohnraumberater im Oberland: Der Kreuther Gemeinderat hat einstimmig seine Satzung über die kommunalen Ehrenämter geändert, sodass die Kommune neben ihrem Behinderten-, Senioren- und Jugendbeauftragten nun auch einen Wohnraumbeauftragten ernennen kann. Dieser soll künftig die lokale Wohnungspolitik steuern, bezahlbaren Wohnraum fördern und vor allem gegen den Leerstand im Ort wirken.
Die Idee diskutierte der Kreuther Gemeinderat bereits in seiner Juni-Sitzung. Angeregt von dem Förderprogramm „Bonus Wohnraum“, das die Bürgerstiftung Energiewende Oberland (EWO) mit fünf weiteren Partnern auf den Weg gebracht hatte, kam man überein, dass man das Problem Wohnraum-Mangel auf zwei Ebenen angehen möchte.
Zum einen hat sich Kreuth mittlerweile für das EU-Projekt „Bonus Wohnraum“ beworben, für das ein Gesamtbudget von rund 1,03 Millionen Euro zur Verfügung steht. Im Kern geht es bei diesem Programm darum, bestehenden Wohnraum optimal zu nutzen und an den Klimawandel anzupassen. „Es gilt, das Potenzial unserer Häuser neu zu denken“, heißt es von der EWO-Projektverantwortlichen Lena Maierhof. In zwei ausgewählten Pilotkommunen sollen unter anderem kostenlose Beratungen für Hauseigentümer durch geschulte Architekten oder Planungsbüros angeboten werden.
Florian Kutzner (Grüne) verwies auf eine Erhebung, wonach der Landkreis Miesbach gleichzeitig Spitzenreiter bei den Mieten und bei den Leerständen sei. Wohnraum-Mangel, sanierungsbedürftige Bestände und notwendige Klimaanpassung im Bürgerbeteiligungsverfahren anzugehen, sei ein langer und steiniger Weg, meinte Kutzner. Er lobte das Projekt „Bonus Wohnraum“, weil es ein niederschwelliges Angebot sei. Es sieht für besagte Pilotkommunen jeweils eine Förderung von 5000 Euro vor.
In Kreuth soll es in erster Linie um Leerstandsmanagement und Wohnraumaktivierung gehen. Obwohl hier Wohnraum so knapp ist, stehen etliche Wohnungen und Häuser leer, würden als Ferienwohnung genutzt oder gehörten Erbengemeinschaften, die die Zukunft ihrer Immobilie noch nicht geklärt hätten. Zudem hätten manche Wohnungen einen Sanierungsnotstand oder würden von einzelnen, älteren Mitbürgern bewohnt, denen ihre Immobilie eigentlich zu groß ist und die sich verkleinern möchten. Ein Wohnraumbeauftragter könnte ihnen beratend zur Seite stehen und konzeptionelle und rechtliche Hilfe leisten, um Bestandshäuser umzubauen. Vizebürgermeisterin Elisabeth Hartwig (CSU) stellte klar, dass das Projekt einen festen Ansprechpartner erfordere, eine gut vernetzte, vertrauenswürdige Person aus der Gemeinde.
Christian Bock (CSU) fand die Idee generell nicht schlecht. Auch wenn er vermutete, dass der Grund, warum viele Wohnungs- und Hauseigentümer ihre Objekte nicht vermieten möchten, im aktuell geltenden, sehr mieterfreundlichen Mietrecht liegt. Seiner Erfahrung nach, bemerkte FWG-Gemeinderat und Rechtsanwalt Markus Wrba, liege die Ursache für ungenutzten Wohnraum oft in der Erbschaftssteuerproblematik. Wenn man die Eigentümer auch darin berate, wie man eine Bestandswohnung umbauen könne, sodass sie auf zwei Kinder vererbt werden könne, wäre das eine sinnvolle Kombination, meinte Wrba.
„Einen Versuch ist es wert“, befand auch Bürgermeister Josef Bierschneider (CSU), der darauf hinwies, dass die Regionalentwicklung Oberland (Reo) erwäge, eine Wohnraumberater-Stelle auf Landkreisebene zu installieren. So kam der Gemeinderat schon im Juni überein, dass sich Kreuth zum einen um das Bonus-Programm bewerben und zum anderen das Ehrenamt des Wohnraumberaters ausschreiben solle. Mit der Satzungsänderung wurden nun die formellen Voraussetzungen für die Ausschreibung geschaffen. „Super, mit dem Bonus-Wohnraumprogramm und einem Berater sind wir in Kreuth die Vorreiter im Oberland“, erklärte Kutzner.
ak