Neues russisches Schutzsystem für Panzer scheitert am ukrainischen Drohnenwall

Militärtechnik

Neues russisches Schutzsystem für Panzer scheitert am ukrainischen Drohnenwall

Neue T-72 und T-90 werden mit einer neuen Drohnenabwehr ausgestattet. Doch das System hat mit 12 Schuss viel zu wenig Munition an Bord

Peter Zellinger

Zwei russische T-72-Panzer auf matschigem Gelände während einer militärischen Übung. Im Hintergrund sind karge Landschaft und Bäume bei grauem Himmel zu sehen.
Das Arena-M Schutzsystem neuer russischer Panzer kann ukrainische Drohnen nicht in großer Zahl abwehren.

Im Juli kündigte Russland noch vollmundig an, dass nun völlig neue, vor Drohnen geschützte Panzer an die Front rollen würden. Diese Neuerung sollte den russischen mechanisierten Offensiven neuen Schwung verleihen. Diese bleiben meist in der von Drohnen dominierten grauen Zone stecken – sofern sie es überhaupt so weit schaffen.

Doch nun zeigt sich die Realität: Die hochgelobten Systeme erweisen sich auf dem ukrainischen Schlachtfeld als anfällig und ukrainische Drohnenpiloten können ihre Jagd auf russische Kampfpanzer mit schierer Masse an Drohnen fortsetzen.

Arena-M soll die Schildkröte ablösen

Seit fast zwei Jahren wurde das Bild russischer Panzer in der Ukraine von improvisierten, oft bizarren Modifikationen geprägt: von einfachen "Cope Cages" (Käfigen) über komplett verkleidete Schildkröten-Panzer bis hin zu tonnenschweren Konstruktionen aus Bewehrungsstahl, die als Stachelschweine oder Igel bekannt wurden.

Das Problem dieser Aufbauten: Sie boten zwar einen gewissen Schutz vor Drohnen, machten die Panzer aber extrem schwer, ließen die Antriebe versagen und verhinderten oft sogar, dass der Turm gedreht werden konnte. Zudem war die Besatzung, von einem kleinen Sichtbereich nach vorn abgesehen, oft vollkommen blind.

Damit sollte den Plänen der russischen Streitkräfte zufolge nun Schluss sein: T-72B3A- und T-90M-Panzer wurden mit dem aktiven Schutzsystem (Active Protection System, APS) "Arena-M" ausgestattet.

Das vom russischen Konstruktionsbüro Kolomna (KBM) entwickelte System nutzt ein Doppler-Radar, um anfliegende Raketen, Geschosse und eben FPV-Drohnen zu erfassen. Kurz vor dem Einschlag feuert das System automatisch eine kleine Gegenmunition ab, die die Bedrohung in der Luft zerschreddert. Oft wird auch der Begriff "Hard-Kill-System" verwendet, weil Arena-M im Gegensatz zu Soft-Kill-Systemen die anfliegende Munition oder Drohne zerstört und nicht etwa durch elektronische Kriegsführung stört oder zum Absturz bringt.

Zwar verfügen die Panzer laut Defense Express zusätzlich noch über werksseitige "Cope Cages", Vorrichtungen zur elektronischen Kampfführung (EW) sowie Gummiseitenschürzen (von den Besatzungen "Lopukhi" oder "Kletten" genannt), doch sie sind wieder als agiler als ihre improvisierten Schildkröten- und Igel-Vorgänger.

Keine Munition mehr ab Drohne 13

Die ersten Berichte deuten jedoch darauf hin, dass Arena-M zwar technisch funktioniert, aber der Realität des Drohnenkrieges nicht gewachsen ist. Das Hauptproblem liegt in der Kapazität. Das Problem: Das Arena-M-System verfügt über ein Magazin von lediglich 12 Abfanggeschossen, wobei jeweils zwei Geschosse einen 90-Grad-Sektor abdecken. Die ukrainischen Verteidiger haben diese Schwachstelle schnell erkannt: Ein System, das nur zwölfmal schießen kann, lässt sich mit einem Drohnenschwarm überlasten.

So kam es laut der ukrainischen Armee erstmals am 23. Juli zu einem der ersten großen Kampfeinsätze im Sektor Dobropillia in der Region Donezk. Die russische "Heeresgruppe Mitte" startete einen massiven mechanisierten Angriff nahe dem Dorf Pankiwka. Das Resultat war verheerend: Die Russen verloren mindestens neun Panzer, sieben davon waren T-72B3A mit dem neuen Arena-M-System.

Der ukrainische Drohnenoperator Dmytro Putiata bestätigte die Taktik und die Grenzen des russischen Systems. Zwar habe ein Arena-M-System beachtliche sieben ukrainische FPV-Drohnen in Folge abgeschossen, das rettete den Panzer letztlich aber nicht. "Im Allgemeinen braucht es 15 bis 20 FPV-Drohnen, um einen Panzer zu zerstören", so Putiata. Die ukrainischen Piloten schicken schlichtweg so lange Drohnen, bis das Magazin des Arena-M leergeschossen ist.

Upgrades mit technischen Hürden

Ein weiteres Problem ist die Reaktionszeit. Der ukrainische Luftfahrtexperte Anatolii Khrapchynskyi erklärt gegenüber Euromaidan Press, dass die Erkennungsreichweite des Arena-M bei etwa 50 Metern und die Bekämpfungsreichweite bei 20 bis 30 Metern liegt. Wenn eine FPV-Drohne im steilen Sturzflug von oben angreift, bleibt dem System extrem wenig Zeit zum Reagieren.

Können die Russen also einfach mehr Abfanggeschosse installieren? Das dürfte laut den Experten schwierig werden. Die Module auf dem Turm sind bereits jetzt sehr klobig. Eine Verdoppelung auf 24 oder gar 36 Schuss könnte den Motorraum blockieren und entscheidende Wartungsarbeiten unmöglich machen.

Die Mathematik des Krieges ist auf Seiten der Ukraine

Für Russland steht viel auf dem Spiel. Das Land hat im Laufe des über vierjährigen Krieges Tausende Panzer überholt und auf Halde produziert, die man aus Angst vor 500-Euro-Drohnen nicht mehr sicher aufs Feld schicken konnte. Das Institute for the Study of War (ISW) bewertet die Lage so, dass das Arena-M-System den Einsatz von mechanisierten Truppen zwar theoretisch wieder ermöglicht, es jedoch praktisch nicht ausreicht, um die Panzer zu schützen, da es sich zu einfach übersättigen lässt. Es zwingt die ukrainischen Streitkräfte lediglich dazu, mehr Drohnen pro Panzer einzusetzen.

Dass 15 bis 20 Drohnen für die Zerstörung eines russischen T-72B3A nötig sind, ist für die Ukraine ein lohnendes Geschäft. Der tschechische Militäranalyst Jakub Janovsky erklärt: "Bei diesen Zahlen könnte Russland seine gesamte Panzerflotte in den nächsten Monaten an die ukrainische Front werfen, ohne viel mehr zu erreichen, als ein künftiges Eisenerzvorkommen von geringer Qualität zu schaffen."

Die staatliche ukrainische Nachrichtenplattform United24 Media kann sich einen gewissen Spott nicht verkneifen: "Nach 30 Jahren Entwicklungszeit kann Russlands hochmodernes Arena-M APS-System FPV-Drohnen immer noch nicht abwehren", heißt es in einem aktuellen Bericht. (Peter Zellinger, 23.8.2026)

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