Meinung: News zu Contentful, Philipp Pausder, Arken Labs, Uber, Delivery Hero, Anthropic, Paypal, Schwarz Digits
Liebe Leserin, lieber Leser.
Als sich der Berliner Oberbürgermeister Kai Wegner (53; CDU) doch noch dazu durchrang, von einer erneuten Kandidatur abzusehen, wurden in der deutschen Start-up-Szene sogleich Rufe laut nach einer möglichen Kandidatur von Startup-Verband-Chefin Verena Pausder (47). Seit Jahren werden ihr politische Ambitionen nachgesagt. Pausder hat sich bislang noch nicht weiter dazu geäußert. Nach unseren Informationen ist sie allerdings zurzeit in einem anderen politischen Lager unterwegs. Demnach trat sie vor Kurzem bei einem Fundraising-Event der Europa-Partei Volt auf. Ihr Mann Philipp Pausder (50; Ex-Thermondo) ist derweil nach einer kleinen Auszeit wieder unter die Gründer gegangen – mehr dazu heute im Aufmacher des Tech Updates.
Das sind unsere Topthemen diese Woche:
Promigründer Philipp Pausder startet „deutsches Palantir“
Der heimliche 1,5-Milliarden-Dollar-Exit von Contentful
Delivery Hero – Warum Anleger dem Uber-Übernahmeangebot nicht trauen
Exklusive Recherche: Promigründer startet „deutsches Palantir“
Power-Couple: Gründer Philipp Pausder und Startup-Verband-Chefin Verena Pausder sind bestens vernetzt in Digitalszene und Politik
Foto:
J. Harrell / BrauerPhotos
Der ehemalige Thermondo-Macher Philipp Pausder ist zurück im Gründermodus – und diesmal zielt er nicht auf Heizungen, sondern auf die neuralgischen Punkte des Landes: Brücken, Straßen, Energie. Mit Arken Labs will der Unternehmer eine Software bauen, die Infrastrukturdaten so auswertet, dass drohende Schäden früher sichtbar werden – eine Art Frühwarnsystem, das Behörden und Betreiber schneller handeln lässt. Ein „deutsches Palantir“ – mit diesem Pitch soll der Ex-Basketballprofi Philipp Pausder gerade bei Investoren hausieren gehen. Was die davon halten? Mehr dazu in meiner gemeinsamen Recherche mit meinem Kollegen Caspar Schlenk – mit weiteren Details zu Produktidee, Team und Finanzierung.
Exit der Woche: Contentfuls 1,5-Milliarden-Dollar-Deal
Unscheinbare Millionäre: Die Contentful-Gründer Paolo Negri (l.) und Sascha Konietzke haben ihre Firma in die USA verkauft
Foto:
Anne Schönharting / OSTKREUZ
Dass Salesforce das Berliner Start-up Contentful übernommen hat, haben wir schon vor Kurzem an dieser Stelle vermeldet. Jetzt kann euch mein Kollege Caspar Schlenk mit weiteren Details zu dem Deal versorgen. Er hat mit mehreren Insidern gesprochen, die den genauen Kaufpreis auf rund 1,55 Milliarden Dollar beziffern. Für die Gründer Sascha Konietzke (42) und Paolo Negri (50) ist es der Coup nach mehr als einem Jahrzehnt Aufbauarbeit; für die Berliner Szene einer der größten Exits der deutschen Start-up-Geschichte, auf Augenhöhe mit LeanIX oder Flaschenpost.
Warum greift Salesforce-Chef Marc Benioff (61) gerade jetzt zu – obwohl Contentful 2021 noch mit 3 Milliarden Dollar bewertet war und das Wachstum zuletzt nachgelassen haben soll? In Caspars Analyse lest ihr , welche strategische Schwachstelle Salesforce im KI-Rennen schließen soll, wie stark Contentful im Enterprise-Markt verankert ist – und wie sich Investoren und Börse nach der Ankündigung positionieren.
Köpfe: Phoebe Gates ++ Christian Dürr ++ Asha Sharma ++ Mira Murati
Nepo-Unternehmerin: Gates-Tochter und Start-up-Gründerin Phoebe Gates
Foto: Anthony Behar / Sipa USA / picture alliance
Phoebe Gates (23), Unternehmerin und Tochter von Bill Gates, wird Trickserei bei ihrem Start-up vorgeworfen. Wie Recherchen von Bloomberg ergaben. soll ihr KI-Start-up Phia Provisionen für Verkäufe eingestrichen haben, die eigentlich anderen Unternehmen zustanden. Und dabei hat sie es noch nicht mal auf die verhexte „30 under 30“-Liste von „Forbes“ geschafft, auf der in der Vergangenheit immer wieder Highflyer landeten, die später bisweilen als Betrüger aufflogen.
Christian Dürr (49), früherer FDP-Chef, wechselt die Seiten. Er verlässt die Politik und wird Geschäftsführer bei dem Münchner E-Fuels-Start-up GLE360. Vielleicht versorgt ihn seine ehemalige Generalsekretärin Nicole Büttner mit ein paar Tipps für den Einstieg in die Start-up-Welt.
Asha Sharma (37), neue Chefin der Gaming-Sparte von Microsoft, hat eine schwierige Mission vor sich. Während Microsoft-Chef Satya Nadella (58) zuletzt vor allem das Thema KI vorantrieb, rutschte die Sparte in die Krise. Asha Sharma soll dort nun aufräumen – doch KI-bedingte Chipengpässe machen ihr das Leben schwer. Hier geht’s zum Porträt über die Pac-Woman Asha Sharma (auf Englisch, von unseren Kollegen vom „Economist“).
Mira Murati (37), Gründerin und CEO von Thinking Machines Lab, hat ihr erstes KI-Modell namens „Inkling“ vorgestellt. Murati hatte zuletzt mit einigen Widrigkeiten zu kämpfen (Streit im Team, Abgang einiger Mitgründer), nun gab es also mal wieder eine positive Nachricht zu verkünden.
Bercan Kilic (26), Mitgründer und CEO von microAGI, kann sich über eine 55 Millionen Dollar schwere Finanzierung für sein Start-up freuen – eine der bislang größten Seedrunden in Deutschland. Die Firma entwickelt Software, mit der Industrieroboter auf Basis eigener Produktionsdaten trainiert werden können. International bekannt wurde das Start-up aber durch etwas anderes.
Round-up: Schwarz Digits ++ Anthropic ++ Stripe ++ Paypal ++ Uber ++ Delivery Hero
Abgang nach sieben Jahren: Ex-Co-Chef von Schwarz Digits, Rolf Schumann
Foto: Sebastian Gabriel / picture alliance for DLD / Hubert Burda Media / picture alliance
Viel Neues bei Schwarz Digits: Anfang der Woche verkündete der Konzern überraschend den Weggang des bisherigen Co-Chefs Rolf Schumann (51). Christian Müller (49) übernimmt als alleiniger Chef mit sofortiger Wirkung. Jetzt folgt die nächste News: Schwarz Digits gibt XM Cyber an Crowdstrike ab. Einst mit großen Ambitionen gestartet, begräbt Lidl-Mutter Schwarz damit nun offenbar ihre Pläne für ein eigenes Cybersicherheitsgeschäft. Künftig will man wohl nur noch die Dienste eines Drittanbieters an die Kunden weiterverkaufen. Mehr dazu von meinen Kollegen Caspar Schlenk und Mirjam Hecking .
Unbekannt verzogen? Der Sunshine-State Kalifornien ist als Wohnort bei superreichen Techies bekannt und beliebt. Doch der Staat plant eine Milliardärssteuer, weshalb sich das für einige bald ändern könnte – zumindest auf dem Papier. Kanzleien haben jedenfalls kreative Ideen für ihre superreichen Mandanten, wie sie der Steuer entgehen können. Manche Milliardäre wie Google-Mitgründer Sergey Brin (52) investieren Millionen, um das Gesetz zu verhindern. Mehr dazu von meinem Kollegen Lutz Reiche.
Anthropic und die EU: Der Entwickler Donny Greenberg war es, der in dieser Woche von seinem Arbeitgeber Anthropic in einen Videocall mit dem EU-Parlament geschickt wurde – sehr zum Leidwesen der Abgeordneten. Wie die Kollegen von „Politico“ berichten , hatte das Parlament eigentlich auf eine seniore Policy-Person gehofft. Stattdessen kam Greenberg, der erst seit April im Unternehmen und Teil des technischen Teams ist. „Anthropic ist Europa egal“, schlussfolgerte ein Abgeordneter daraufhin resigniert.
Kaufangebot I: Stripe und Advent legen ein Gebot für Paypal vor. Eigentlich sollte Konzernchef Enrique Lores PayPal umfassend umbauen, in den vergangenen Monaten war er aber damit beschäftigt, die Übernahmeversuche des Konkurrenten Stripe abzuwehren. Das ist ihm offenbar nicht gelungen. Nun könnte eine Zahlungs-Supermacht entstehen.
Kaufangebot II: US-Fahrdienstvermittler Uber hat sich mit der deutschen Lieferdienstfirma Delivery Hero auf eine Übernahme geeinigt und bietet 41,50 Euro pro Aktie. Dennoch notiert das Delivery-Hero-Papier knapp 10 Prozent unter dem angebotenen Preis. Warum Anleger dem Uber-Deal nicht trauen, haben meine Kollegen Christoph Rottwilm und Jonas Rest aufgeschrieben . Und unser Experte, der Vermögensverwalter Hendrik Leber, beschreibt, weshalb Käufer von Uber-Aktien dennoch an der Börse abräumen könnten .
In eigener Sache: Bewerbt euch mit euren KI-Projekten
Mit dem AI Impact Award zeichnen das manager magazin und Porsche Consulting wegweisende Anwendungen von künstlicher Intelligenz in Unternehmen aus. Wir würdigen damit konkrete Projekte und Pionierleistungen, die bereits echten wirtschaftlichen Mehrwert schaffen. Wenn ihr selbst so ein KI-Projekt betreibt oder eines vorschlagen wollt, bewerbt euch hier für den AI Impact Award 2027 .
Error 404 – das hat noch gefehlt: Boss gegen Belegschaft
Superspender: OpenAI-Präsident Greg Brockman
Foto: David Paul Morris / Bloomberg / Getty Images
Und wofür gebt ihr euer Geld so aus? OpenAI-Präsident Greg Brockman (natürlich in dieser Sache ganz privat unterwegs) hat sich einen finanzstarken Pro-Industrie-PAC ausgesucht, „Leading the Future“. Mitarbeitende von OpenAI wiederum haben 215.000 Dollar in eine Initiative gesteckt, die sich gegen Brockmans „Leading the Future“ richtet. Sie wollen strengere Regeln für KI, Stichwort „Guardrails“. Das hat das Techmagazin „Wired“ recherchiert. So viel zum Thema Alignment also.
Nun wünschen wir euch einen schönen Freitag, denn das war es schon wieder mit dem aktuellen „Tech Update“. Leitet den Newsletter gern an andere Interessierte weiter. Abonnieren könnt ihr uns hier, damit ihr auch in Zukunft keine Ausgabe verpasst.
Und wie immer: Fragen, Anmerkungen oder Kritik gern an [email protected] .
Viele Grüße
Ihre Sarah Heuberger