News zu Nahost: Iranische Gegenangriffe nach US-Attacken auf Tanker
Viele Angaben über den Kriegsverlauf wie Opferzahlen oder Details zu Kämpfen lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Für unseren Liveblog verwenden wir neben eigenen Recherchen Material der Nachrichtenagenturen dpa, Reuters, epd, KNA und Bloomberg.
Wichtige Updates
Iranische Gegenangriffe nach US-Attacken auf Tanker
Libanon meldet elf Tote bei israelischen Angriffen
USA und Iran beschießen gegenseitig Schiffe
US-Militär: Nehmen niemals Zivilisten ins Visier
USA greifen Ziele in Iran an
USA greifen Ziele bei der Insel Charg an – auch fünf Öltanker getroffen
Amerikanische wie iranische Medien melden erneute US-Angriffe bei der wichtigen iranischen Öl-Insel Charg. Die Angriffe seien Teil einer Strategie, Iran wirtschaftlich unter Druck zu setzen und den Krieg zu beenden, berichtete der Sender Fox News. Ein Reporter des Senders schrieb unter Berufung auf namentlich nicht genannte hochrangige US-Beamte auf X, dass zu den Zielen auch iranische Öltanker gehörten, und bezeichnete dies als Teil umfassenderer Bemühungen, Teheran zur Kapitulation zu zwingen.
Derartige Angriffe wurden auch von iranischen Nachrichtenagenturen gemeldet. Laut der regierungsnahen Nachrichtenagentur Mehr waren Explosionen auf verschiedenen Teilen der Insel Charg zu hören, darunter im Hafengebiet. Auch nahe der Hafenstadt Dschask im Südosten Irans an der Straße von Hormus seien Explosion zu hören gewesen, berichtete die Nachrichtenagentur Fars. Der Ölpreis stieg nach Bekanntwerden der Berichte. Die Insel Charg ist das wichtigste Exportterminal für iranisches Erdöl im Persischen Golf. Ein großer Teil der Ölproduktion wird von dort verschifft.
Das US-Militär hat zudem bestätigt, fünf iranische Rohöltanker angegriffen und „zerstört“ zu haben. Die Besatzungsmitglieder seien zuvor aufgefordert worden, die Schiffe zu verlassen, teilte das zuständige US-Regionalkommando Centcom auf der Plattform X mit. Die Öltanker könnten nicht mehr genutzt werden. Ein dazu veröffentlichter Videoclip des US-Militärs schien Raketenangriffe im Bereich der Maschinenräume der Tanker zu zeigen.
Der Vergeltungsschlag sei erfolgt, nachdem die Iranischen Revolutionsgarden in den vergangenen zwei Tagen zwei Mal ein Kriegsschiff der US-Marine mit ballistischen Raketen angegriffen hätten, teilte Centcom weiter mit. Das Kriegsschiff habe den Angriffen ausweichen können, US-Amerikaner seien nicht verletzt worden, hieß es.
Iranische Gegenangriffe nach US-Attacken auf Tanker
Die iranische Revolutionsgarde attackiert nach eigenen Angaben am Mittwoch einen von US-Truppen genutzten Militärstützpunkt in Jordanien und zehn Schiffe in der Straße von Hormus mit ballistischen Raketen. Dies sei eine Reaktion auf die Zerstörung von fünf iranischen Öltankern durch das US-Militär am Dienstag, teilte die iranische Revolutionsgarde mit. Die zerstörten Tanker gehörten den US-Angaben zufolge zu einem Schattennetzwerk, das die iranische Revolutionsgarde und deren Verbündete in der Region finanziert. Dazu zählen die radikal-islamische Hamas im Gazastreifen, die Hisbollah-Miliz in Libanon, schiitische Milizen im Irak sowie die Huthi-Rebellen in Jemen.
Der iranische Raketenangriff richtete sich gegen einen Stützpunkt nahe Al-Asrak in Jordanien, wie aus einer in den iranischen Staatsmedien verbreiteten Erklärung der Revolutionsgarden hervorging. Während Iran von schweren Schäden sprach, fing die jordanische Luftabwehr nach Angaben der Regierung in Amman 18 der 20 Raketen ab. Zwei Geschosse seien in unbewohntem Gebiet niedergegangen, Opfer habe es keine gegeben. Ein US-Vertreter erklärte, die Angriffe seien wirkungslos geblieben und alle Soldaten seien wohlauf. Die Revolutionsgarde erklärte weiter, sie hätte zehn Schiffe attackiert, darunter zwei US-Schiffe und acht Öltanker. Diese hätten versucht, ein gesperrtes Gebiet in der strategisch wichtigen Straße von Hormus zu durchqueren.
„Iran versucht weiterhin, US-Kriegsschiffe zu treffen, und jedes Mal, wenn er das tut oder versucht, wird er Tanker verlieren“, sagte US-Außenminister Marco Rubio bei einem Besuch in Kolumbien. Die USA versuchen, die Öl-Lieferungen aus der Region am Persischen Golf durch Geleitschutz in der Straße von Hormus zu sichern, während die Öl-Exporte Irans durch eine Blockade unterbunden werden sollen.
Iranische Medien melden Raketenangriffe auf Jordanien
Iran hat Medienberichten zufolge US-Militärstützpunkte in Jordanien mit einer „Welle an Raketen“ angegriffen. Wie unter anderem der regierungstreue Sender Press TV in der Nacht auf Telegram meldete, handelte es sich um Vergeltungsschläge nach Angriffen des US-Militärs auf iranische Öltanker. Laut der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim gab es mehrere Explosionen auf zwei US-Stützpunkten in Jordanien. Die Berichte ließen sich zunächst nicht unabhängig bestätigen. Das US-Militär und die jordanischen Behörden machten dazu zunächst keine Angaben.
Amerikanische Unterwasserdrohne fällt Iran in die Hände
Das iranische Militär ist in den Besitz einer US-Unterwasserdrohne gelangt. Einem Bericht des Staatsfernsehens wurde das Gerät in an der Mündung der Straße von Hormus im Rahmen "einer komplexen Geheimdienst- und Feldoperation beschlagnahmt und nach Iran gebracht“.
Ein Sprecher der US-Streitkräfte beschwichtigte der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge den Verlust. Die Drohne habe eine Fehlfunktion gehabt und sei „im Grunde genommen mehr als einen Tag lang manövrierunfähig im Wasser gewesen“. Es handele sich um „ein älteres Modell, das weder sensible Daten erfasst noch geheime Sonar- oder Radargeräte an Bord hatte“, sagte er und fügte hinzu, dass die US-Operationen in den „Gewässern der Region fortgesetzt“ würden.
Libanon meldet elf Tote bei israelischen Angriffen
Bei israelischen Angriffen in Südlibanon wurden offiziellen libanesischen Angaben zufolge mindestens elf Menschen getötet. Unter den Toten seien auch zwei Sanitäter, meldete die Nachrichtenagentur NNA. Mindestens fünf weitere Menschen wurden demnach verletzt. Israelische Kampfflugzeuge hätten in der Nacht unter anderem ein Wohngebäude im Raum Nabatija im südlichen Libanon angegriffen. Unter den Todesopfern seien auch zwei Kinder, berichtete NNA.
Israels Armee teilte am Nachmittag mit, die Hisbollah habe in der Nacht zwei Sprengstoffdrohnen gegen israelische Soldaten in Südlibanon eingesetzt. Als Reaktion darauf habe Israels Militär Ziele wie Waffenlager der von Iran unterstützten Miliz im nördlichen Nachbarland angegriffen. Die Armee habe zudem in einem Ort nahe Nabatija Personen ins Visier genommen, die Waffen transportiert hätten, hieß es weiter. Das Militär prüfe derzeit Angaben, dass es infolge der Angriffe unbeteiligte Opfer gegeben habe.
In der Nacht hatte Israels Armee auch die Bewohner des Orts Dair al-Sahrani aufgefordert, die Gegend umgehend zu verlassen. Etwa 20 Minuten später attackierten israelische Kampfjets nach libanesischen Angaben ein Gebäude in dem Ort.
Trotz einer eigentlich geltenden Waffenruhe werfen sich Israel und die Hisbollah immer wieder Verstöße gegen die Vereinbarung vor. Israels Armee ist weiterhin in Südlibanon stationiert und führt nahezu täglich Angriffe aus. Libanesische Medien zählten dabei seit Freitag mindestens 19 Todesopfer.
Schiffsverkehr in Straße von Hormus bricht nach Angriffen ein
Nach gegenseitigen Angriffen der USA und Irans auf Tanker ist der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus auf den niedrigsten Stand seit Mai eingebrochen. In den vergangenen zehn Tagen passierten im Durchschnitt nur noch zehn Frachtschiffe pro Tag die Meerenge, wie aus Daten des Analyseunternehmens Kpler hervorgeht. Am Samstag durchquerten demnach lediglich zwei Schiffe die wichtige Handelsroute, am Sonntag waren es sechs. Ein Tanker aus Saudi-Arabien habe beim Versuch, die Meerenge zu verlassen, umkehren müssen, zeigten LSEG-Daten. Zudem habe laut Kpler seit Mittwoch kein einziger Supertanker die Straße von Hormus verlassen.
Iran plant Sperrgebiet außerhalb der Straße von Hormus
Iran wird Staatsmedien zufolge in den kommenden Tagen ein neues Sperrgebiet vor der Straße von Hormus ankündigen. Die Zone beginne an der Blockadelinie der US-Marine und erstrecke sich über Teile des Golfs, zitieren die Medien den Sekretär des Nationalen Sicherheitsrats, Mohsen Resai. Jedes Schiff, das diese Gewässer befährt, werde auf eine Sanktionsliste gesetzt.
Luzia Geier

US-Militär: Angegriffener iranischer Öltanker versenkt
Ein von den USA angegriffener iranischer Öltanker ist nach Angaben des US-Militärs im Golf von Oman gesunken. Das Versenken der M/T Kylo sei der „Präzision und der Professionalität“ der US-Soldaten zu verdanken, erklärte das zuständige US-Regionalkommando Centcom in der Nacht auf der Plattform X. Der Tanker war demnach nicht mit Öl beladen. Ein vom US-Militär veröffentlichter Videoclip schien das getroffene Schiff zunächst mit Schlagseite zu zeigen, dann ging es unter.
Das US-Militär hatte bereits am Samstag mitgeteilt, drei iranische Öltanker angegriffen zu haben. Die M/T Kylo sei dabei an „mehreren entscheidenden Stellen“ getroffen worden, um es unbrauchbar zu machen. Die Besatzung sei zuvor angewiesen worden, den Tanker zu verlassen, hieß es. Die Angaben des Militärs ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.
Luzia Geier

Iran will US-Flugzeugträger mit Raketen angegriffen haben
Die iranischen Revolutionsgarde (IRGC) hat nach eigenen Angaben einen US-Flugzeugträger und einen Zerstörer mit ballistischen Raketen angegriffen. Eine Bestätigung der USA lag dazu zunächst nicht vor.
USA und Iran beschießen gegenseitig Schiffe
Das US-Militär hat nach einem iranischen Angriff auf zwei seiner Kriegsschiffe eigenen Angaben nach drei iranische Öltanker angegriffen. Die iranische Revolutionsgarde habe zuvor ballistische Raketen auf US-Schiffe abgefeuert, teilte das US-Zentralkommando mit. "Die Botschaft an die Revolutionsgarde muss klar sein: Wenn sie auf zwei unserer Schiffe schießt, werden wir ihr einen noch höheren wirtschaftlichen Preis auferlegen - indem wir drei ihrer Schiffe ausschalten", sagte Admiral Brad Cooper, der Chef des für den Nahen Osten zuständigen US-Zentralkommandos.
Iran erklärte seinerseits kurz danach, drei Tanker auf nicht genehmigten Routen in der Straße von Hormus angegriffen zu haben.
Druck auf Iran: USA sanktionieren türkische Bank
Die USA verhängen im Rahmen des angekündigten verstärkten wirtschaftlichen Drucks auf Iran Sanktionen gegen eine türkische Bank. Die Golden Global Bank sowie Tochterunternehmen mit Sitz in Istanbul hätten Transaktionen im Wert von mehreren Millionen US-Dollar für die iranischen Revolutionsgarden ermöglicht, hieß es in einer Mitteilung des Finanzministeriums in Washington. Zudem hätten sie den internationalen Zahlungsverkehr der iranischen Führung unterstützt.
Durch die Sanktionen werden sämtliche Vermögenswerte der genannten Personen und Unternehmen in den USA gesperrt und Geschäfte mit ihnen untersagt. Finanzinstitute müssten „auf die harte Tour“ lernen, dass es die USA mit ihrer wirtschaftlichen Isolation Irans ernst meinten, sagte US-Finanzminister Scott Bessent laut der Mitteilung.
Luzia Geier

Vance: Konflikt mit Iran ist kein Krieg
US-Vizepräsident J. D. Vance wertet die militärischen Auseinandersetzungen zwischen den USA und Iran nicht als Krieg. „Ich würde es nicht als Krieg bezeichnen“, sagt Vance im Weißen Haus. Derzeit gebe es keine aktiven Gefechte, auch wenn der Konflikt an einigen Orten wieder aufgeflammt sei. Die USA hätten ihre großen Kampfeinsätze beendet.
Israel meldet Eroberung einer unterirdischen Hisbollah-Basis in Südlibanon
Die israelische Armee hat nach eigenen Angaben die Kontrolle über unterirdische Stellungen der libanesischen Hisbollah-Miliz im Südlibanon übernommen. Im Gebiet des strategisch wichtigen Hügels namens Ali al-Taher hätten die Soldaten „operative Kontrolle“, sowohl oberirdisch als auch unterirdisch, teilte die Armee mit. Sie hätten das Gebiet „von Terroristen befreit“. Einige seien getötet worden und andere geflohen. Die Hisbollah äußerte sich zunächst nicht. Nach israelischen Medienberichten hatten sich dort wochenlang Hisbollah-Kämpfer verschanzt.
Nach Darstellung der israelischen Armee umfassen die unterirdischen Anlagen Kommandozentralen, Waffenlager, Räume für Generatoren, Schlaf- und Aufenthaltsräume, Duschen sowie eine Küche. „Damit konnten die Terroristen Kampfhandlungen organisieren und über längere Zeit unter der Erde bleiben“, hieß es weiter. Das Netzwerk sei über mehr als zwei Jahrzehnte hinweg aufgebaut und von der iranischen Führung finanziert und geplant worden. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.
Anna Schimpp
Bürgerkrieg in Jemen spitzt sich weiter zu
In der Provinz Taiz in Jemen ist es erneut zu schweren Gefechten zwischen der Huthi-Miliz und den Truppen der international anerkannten Regierung gekommen. Die mit dem Regime in Teheran verbündete Huthi-Miliz soll mehr als ein Dutzend Raketen auf Ziele der Regierungstruppen an der Küste zum Roten Meer geschossen haben, hieß es aus Militärkreisen. Die Armee schoss dem staatlichen Fernsehsender Saba TV zufolge mehrere Drohnen ab. Der Sender berichtete von „heftigen Kämpfen“ an mehreren Fronten im Westen von Taiz. Mehrere Regierungssoldaten wurden örtlichen Berichten zufolge getötet.
Der Iran-Krieg entflammte den Krieg in Jemen, der schon eingefroren schien, erneut. Die von Iran unterstützte Huthi-Miliz kämpft seit mehr als zehn Jahren gegen die Regierung Jemens, die von Saudi-Arabien unterstützt wird. Seit 2022 herrschte eine inoffizielle Waffenruhe und der Krieg schien wie eingefroren, es gab keine größeren Gefechte, aber auch keine Aussicht auf ein Kriegsende: „Kein Krieg, kein Frieden“, fasste die britische Jemen-Expertin Helen Lackner zusammen.
Katz droht bei Angriff Iran in „Steinzeit zurückzuversetzen“
Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz hat Iran im Fall eines Angriffs mit einer massiven Reaktion gedroht. „Wir würden die gesamte nationale militärische und zivile Infrastruktur in Iran treffen – auch die Energieinfrastruktur – und Iran tief in die Steinzeit und das Zeitalter der Finsternis zurückversetzen“, sagte Katz laut Angaben seines Büros. „Ein iranischer Angriff auf Israel würde uns von jeglichen bestehenden Beschränkungen befreien.“
Weiter erklärte er: „Wir beobachten Anzeichen dafür, dass der enorme wirtschaftliche Druck, unter dem Iran steht, sowie die Angst vor einem Aufstand und dem Zusammenbruch des Regimes das Land zu verzweifelten Maßnahmen treiben könnten.“
Am Mittwoch hatte Katz laut einem Medienbericht bereits gesagt, dass sich Israel auf die Möglichkeit eines iranischen Angriffs während der anstehenden jüdischen Feiertage vorbereite. Teheran „greift gerne an Feiertagen an“, zitierte die Nachrichtenseite ynet den israelischen Verteidigungsminister. Ab dem Abend des 11. September wird das jüdische Neujahrsfest Rosch Haschana gefeiert. Am Abend des 20. September beginnt Jom Kippur, der höchste jüdische Feiertag. Im April hatte es während des jüdischen Pessach-Festes im Zuge des Iran-Kriegs in Israel Angriffe aus Teheran gegeben.
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