Nicht mehr Uhren umstellen: Diese Region macht Schluss – während die EU seit Jahren blockiert

Nicht nur in der EU wird diskutiert: Wo die Zeitumstellung jetzt endgültig abgeschafft wurde

Stand: 20.10.2026, 08:15 Uhr

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Hier wird die Zeit nicht mehr umgestellt. Die EU diskutiert seit 2018, Deutschland debattiert seit Oktober 2025. Wer handelt wirklich, wer redet nur?

München – British Columbia hat am 8. März 2026 zum letzten Mal die Uhren vorgestellt. Die kanadische Provinz steigt endgültig aus dem halbjährlichen Zeitwechsel aus, während die EU seit sieben Jahren über denselben Schritt diskutiert, ohne ihn umzusetzen.
Für Unternehmen mit Kanada-Geschäft bedeutet das: Ein Markt wird planbarer, der andere bleibt unberechenbar.

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Während die Nacht auf den 25. Oktober in Europa wieder die gewohnte Prozedur bringt, aus 3:00 Uhr wird 2:00 Uhr, die Winterzeit beginnt, wird an der kanadischen Westküste bereits sichtbar, wie eine Verwaltung aussehen kann, die eine jahrelange Debatte beendet.

Vancouver und die gesamte Provinz British Columbia stellen künftig nicht mehr um.

Hier wird die Zeit nicht mehr umgestellt. © IMAGO/Li_Bro.photo

Vancouver und die gesamte Provinz British Columbia stellen künftig nicht mehr um. Wenn Anfang November weite Teile Kanadas in die Winterzeit wechseln, bleibt die Uhr an der Westküste einfach stehen. Die Provinz begründet den Schritt laut Chip mit geringeren Belastungen für Familien und einer einfacheren Planung für Unternehmen.

Genau das ist der Punkt, der in der EU-Debatte seit Jahren fehlt: eine Verwaltung, die liefert statt nur anzukündigen. Während andernorts noch über Zuständigkeiten gestritten wird, hat British Columbia den politischen Beschluss direkt in einen Verwaltungsakt überführt, der ab sofort gilt, ohne Übergangsfrist, ohne weitere Abstimmungsrunde.

EU tritt seit 2019 auf der Stelle

Die EU-Kommission hatte bereits 2018 vorgeschlagen, den Uhrwechsel zu beenden. Das EU-Parlament stimmte dem Vorhaben 2019 zu. Seitdem ist die Reform blockiert, weil sich die Mitgliedstaaten nicht auf eine gemeinsame Zeitzone einigen können. Laut Bundestag hatten 2018 insgesamt 4,6 Millionen EU-Bürger an einer Befragung der Kommission teilgenommen, 84 Prozent davon lehnten die Zeitumstellung ab.

Trotz dieser klaren Mehrheit bleibt die EU-Dynamik in dieser Frage faktisch eingefroren, weil die Entscheidung den einzelnen Staaten überlassen wurde und keiner vorangehen will.

Die Kommission selbst war laut Bundestag im Rahmen ihrer Bewertung der bestehenden Regelungen zu dem Ergebnis gekommen, es solle den Mitgliedstaaten überlassen bleiben, ob sie an der bisherigen Praxis festhalten oder sich dauerhaft auf Sommer- oder Normalzeit festlegen. Diese Formulierung klingt nach Flexibilität, bedeutet in der Praxis aber Stillstand, denn ohne einen gemeinsamen Fahrplan verliert jeder Einzelstaat den Anreiz, als erster zu handeln.

Bundestag debattiert erneut

Auch der deutsche Bundestag hat sich am 16. Oktober 2025 erneut mit dem Thema befasst. Die AfD-Fraktion legte zwei Initiativen vor: einen Antrag zur dauerhaften Beibehaltung der Normalzeit sowie einen Gesetzentwurf zur Abschaffung der Sommerzeit. Beide Vorlagen wurden nach zwanzigminütiger Aussprache an den federführenden Ausschuss für Wirtschaft und Energie überwiesen, so Bundestag.

Für Unternehmen heißt das konkret: keine Entscheidung in Sicht, keine Planungssicherheit, keine Frist, bis zu der eine Regelung stehen müsste. Der Gesetzentwurf selbst sieht vor, dass künftig ausschließlich die mitteleuropäische Zeit gelten soll und das Umstellen im Frühjahr und Herbst entfällt, begründet unter anderem mit der Kommissionsbewertung von 2019.

Dass dieser Vorstoß nun im Ausschuss liegt, reiht sich ein in eine lange Kette parlamentarischer Initiativen auf nationaler wie europäischer Ebene, die zwar diskutiert, aber nie zu einem verbindlichen Beschluss geführt haben.

Welche Zeitzone wirklich gesünder ist

Forscher empfehlen laut Heute die dauerhafte Winterzeit als gesündere Variante, weil morgendliches Licht die innere Uhr stabilisiert. Umfragen zeigen dagegen oft eine Präferenz für die Sommerzeit, wegen der langen Abende. Dieser Widerspruch zwischen gesundheitlicher Empfehlung und öffentlicher Stimmung gilt als einer der möglichen Gründe, warum sich die Politik seit Jahren vor einer Entscheidung drückt.

Besonders im Winter könnte frühe Dunkelheit am Morgen problematisch werden, wenn man sich für die dauerhafte Sommerzeit entscheidet, so die Einschätzung aus Heute.

Die USA scheiterten 1974 bereits an einer dauerhaften Sommerzeit und kehrten nach einem Jahr zurück, Russland gab die permanente Sommerzeit 2014 nach drei Jahren auf. Island, Brasilien, Iran und Paraguay haben die Umstellung dagegen bereits erfolgreich beendet.

Diese internationalen Beispiele zeigen, dass eine einmal getroffene Entscheidung nicht zwangsläufig von Dauer sein muss, solange sie überhaupt getroffen wird. Genau an diesem ersten Schritt scheitert die EU bislang, während British Columbia als Beispiel dafür gilt, dass eine Reform auch ohne jahrelange Konsultationsrunden umsetzbar sein kann.

Business Punk Check

Eine Provinz mit rund fünf Millionen Einwohnern schafft es, binnen Monaten eine Zeitzonenreform umzusetzen, während ein Staatenbund mit über 400 Millionen Menschen seit 2019 auf einer mehrheitlich beschlossenen Reform sitzt. Das ist keine Frage der Kompetenz, sondern der Koordination.

Die EU hat die Entscheidung bewusst an die Mitgliedstaaten delegiert und damit faktisch blockiert, was als Versuch gelesen wird, eine europaweite Zeitzonen-Zersplitterung zu vermeiden. Für Unternehmen mit grenzüberschreitendem Geschäft bleibt das Risiko planbar unklar.

Wer auf feste Taktung bei Lieferketten, Handelsfenstern oder internationalen Calls angewiesen ist, muss weiterhin mit der Möglichkeit rechnen, dass einzelne EU-Staaten im Alleingang vorpreschen. Für Early Adopters unter den Mittelständlern bietet sich die kanadische Blaupause als Testfall an, bevor eigene Prozesse auf eine EU-Reform ausgerichtet werden, die seit sieben Jahren angekündigt, aber nie beschlossen wurde. Quellen: Chip, Heute, Bundestag