Nick-Lädchen in Rainrod hat eine Chance, wenn Bürger Genossenschaftsanteile kaufen
Stand: 03.10.2026, 18:00 Uhr
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Die Handelskette Tante Enso soll neuer Partner des Nick-Lädchens in Rainrod werden. Der Einstieg hängt davon ab, wie viele Bürger Genossenschaftsanteile erwerben.
Rainrod – „Die Zukunft des Nick-Lädchens in Rainrod liegt jetzt in den Händen der Bürger.“ Das teilte Oliver Hampel, Geschäftsführer der Schottener Sozialen Dienste und ihres Tochterunternehmens Nick gGmbH, mit. Nachdem der bisherige Partner, die Tegut-Handelskette, verkauft worden ist, habe als neuer Handelspartner die Kette „Tante Enso“ aus Bremen gewonnen werden können.
„Wir haben eine vertragliche Vereinbarung ausgearbeitet, die jetzt noch unterschrieben werden muss“, so Hampel. Bedingung sei allerdings, dass sich genügend Menschen aus Rainrod und Umgebung finden, die Genossenschaftsanteile von „Tante Enso“ erwerben würden. „Das ist Voraussetzung, damit das Unternehmen bei uns als Kooperationspartner einsteigt.“
Bürgerversammlung am 14. Oktober
„Tante Enso“ passe mit seinem genossenschaftlichen Versorgungsmodell und der gemeinschaftlich ausgerichteten Struktur zum Nick-Lädchen, so Hampel weiter. Die Nick gGmbH bleibe weiterhin Betreiber des Lädchens in Rainrod, und „Tante Enso“ werde Partner für die Lieferung von Lebensmitteln und anderen Produkten.
Ob die Vereinbarung zum Tragen kommt, sei allerdings davon abhängig, dass sich möglichst viele neue Genossen finden, die Anteile an „Tante Enso“ erwerben, betont der Nick-Geschäftsführer. Um das Interesse dafür zu stärken und ausführlich über die neue Situation zu informieren, findet am Mittwoch, 14. Oktober, im Dorfgemeinschaftshaus in Rainrod eine Bürgerversammlung statt. Beginn ist um 19 Uhr.
Der Erwerb von Genossenschaftsanteilen sei neben der Bestandssicherung des Ladens auch mit individuellen Vorteilen verbunden. So erhielten die Anteilseigner unter anderem ein Mitspracherecht bei der Gestaltung des Warenangebotes.
Weitere Vorteile sind ein Einkaufsguthaben von fünf Euro jährlich pro Anteil, zwei bis vier Prozent Rückvergütung nach jedem Einkauf – in Abhängigkeit von der Anzahl der Anteile – sowie die Teilnahme an exklusiven Aktionen. Auch bei der Gestaltung des Ladens könnten die Anteilseigner mitreden.
Für die Zukunft angedacht sei außerdem ein 24/7-Konzept für eine Öffnung des Lädchens rund um die Uhr. Das Mitarbeiterteam, zu dem auch Menschen mit Handicap gehören, bleibt unverändert bestehen.
Der Geschäftsführer teilte in diesem Zusammenhang weiter mit, dass die Suche nach anderen Partnern ergebnislos verlaufen sei, weil die Anforderungen von seinem Unternehmen aus wirtschaftlicher Sicht nicht hätten erfüllt werden können. „Die angebotenen Konditionen waren für uns nicht tragbar.“ Wie in Rainrod würden auch die Bewohner von Hungen-Villingen zur Zusammenarbeit mit „Tante Enso“ über ein persönliches Engagement aufgefordert.
Das „Lädchen für alles“ wurde auf ausdrücklichen Wunsch der Rainröder Bevölkerung im Sommer 2012 im Rahmen der Ikek-Dorferneuerung auf den Weg gebracht und von der Nick gGmbH betrieben.
Für die Lieferung der Lebensmittel wurde das damals in Fulda angesiedelte Unternehmen Tegut vertraglich eingebunden. Zusätzlich wurden im Laufe der Zeit immer mehr Artikel von regionalen Erzeugern angeboten.
Kundenfrequenz nicht wie erwartet
Mit der Einrichtung des Ladens sollte vor allem älteren und nicht mehr so mobilen Menschen in Rainrod ein Angebot für den Einkauf von Artikeln des täglichen Bedarfs gemacht werden. Aber auch junge Familien vor Ort waren als Zielgruppe im Blick.
Angeboten werden über 4000 Artikel, von lang haltbaren Lebensmitteln über Frischeprodukte bis hin zu Obst und Gemüse sowie hochwertigen Bioartikeln. Das Projekt hatte auch überregional Beachtung gefunden.
Die Hessische Landesregierung zeichnete das „Lädchen“ 2016 mit dem Demografiepreis des Bundeslandes aus. Immer wieder wurde in die Ladenstruktur investiert. So wurde vor gut sieben Jahren mit Fördergeldern der Einbau einer automatischen Eingangstür und moderner Kühlregale vorgenommen.
Allerdings blieben die Kundenfrequenz und das Kaufverhalten in jüngster Zeit hinter den Erwartungen zurück, was zu roten Zahlen führte. In einer Krisensitzung wurden am Jahresbeginn 2024 die Bürger Rainrods im Rahmen einer sehr gut besuchten Bürgerversammlung aufgefordert, eigene Ideen einzubringen, um die wirtschaftliche Situation zu verbessern.