Niedrigwasser legt ein normalerweise verborgenes Dorf in Niedersachsen frei
Stand: 08.10.2026, 20:14 Uhr
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An der Okertalsperre sind wegen des niedrigen Wasserstands alte Siedlungsreste zu sehen. Empfohlen wird nur der Blick von offiziellen Wegen.
Unterschulenberg – Der Harz stand einmal unter Wasser. Vor Jahrmillionen war er der Grund eines tropischen Meeres. Vor rund 300 Millionen Jahren prallten im Zuge der variskischen Gebirgsbildung Kontinentalplatten aufeinander. Die Gesteinsmassen wurden zusammengeschoben, gefaltet und in die Höhe gedrückt. Die letzte Anpassung fand während der Kaltzeit vor über 10.000 Jahren statt, heißt es dazu auf Lehrbergwerk.de.
Heute ist der Harz ein beliebtes Ausflugsziel und ein wichtiges Wasserreservoir für große Teile Norddeutschlands. Der dort vermutlich bekannteste Stausee ist die Okertalsperre. Die Auswirkungen des warmen und trockenen Sommers sind auch dort sichtbar. Für Lost-Place-Fans bietet sich aktuell ein seltener Anblick, der unter anderem im Jahr 2018 von Wanderern fotografiert worden ist.
Dorf im Harz: Niedrigwasser legt Lost-Place frei
Die Okertalsperre ist momentan nur mit unter 20 Prozent gefüllt. Einen Wert, den es sonst nur bei Bauarbeiten an der Sperre gibt. Durch den niedrigen Wasserstand gibt die Okertalsperre Reste des überfluteten Ortes Alt-Schulenberg frei. Besucher können zwischen alten Mauerresten, Fundamenten, Straßen und einem Bootsanleger durch die alte Siedlung am Grund des trockengefallenen Stausees laufen. Wie Einheimische berichten, liegt der alte Ort normalerweise bis zu 20 Meter unter der Wasseroberfläche. Der Ort ist momentan ein lokaler Lost-Place.
„Wir empfehlen, die freigelegten Bereiche von den regulären Wegen und eventuellen Aussichtspunkten aus zu betrachten. Der trockengefallene Seegrund kann schlammig und schwer einschätzbar sein“, sagt eine Sprecherin des Harzer Tourismusverbands gegenüber News38. An der Talsperre steht auch eine der höchsten Brücken in Niedersachsen.
Zum Hintergrund: Unterschulenberg bildete bis zur Umsiedlung mit Mittelschulenberg und Oberschulenberg sowie Festenburg das alte Schulenberg im Oberharz im heutigen niedersächsischen Landkreis Goslar. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts war Bergbau der dominierende Bereich.
Erst Bergbau, dann Forstwirtschaft: Harz im Wandel
Mit der Aufgabe der Gruben, als letzte und ergiebigste wurde die Grube Juliane Sophia 1904 geschlossen, lag der Hauptwirtschaftszweig von Schulenberg in der Forstwirtschaft. Ab Beginn des 20. Jahrhunderts wurden Pläne verfolgt, im Okertal eine Talsperre zu errichten, was die Überflutung der Siedlung bedeutete. Seit 1928 bestand ein Bauverbot in Unterschulenberg.
Ab 1938 wurde eine Ortsumgehung gebaut, da die Talstraße wegen des späteren Okerstausees nicht mehr nutzbar sein würde. Nach dem Zweiten Weltkrieg begannen die Harzwasserwerke 1952 mit dem Bau der Staumauer. Am Sonntag, 29. August 1954, zogen die rund 300 Bewohner zusammen mit etwa 10.000 Menschen in einem Marsch von Unterschulenberg nach Neu-Schulenberg. Dort entstand das heutige Zentrum Schulenbergs, circa 60 Meter über dem Stausee gelegen. Die alten Gebäude wurden bis auf die Grundmauern abgerissen; 1956 wurde das Tal dann zum ersten Mal geflutet.