Highfield-Festival am Störmthaler See: Fans feiern womöglich zum letzten Mal
AUDIO: One Last Dance - Das Ende des Highfield-Festivals (6 Min)
Ungewisse Zukunft
"Noch gar nicht realisiert, dass es irgendwie vorbei ist": Highfield-Fans feiern mit Abschiedsstimmung
Stand: 14.08.2026 19:41 Uhr
Bei hochsommerlichen Temperaturen hat das Highfield-Festival am Störmthaler See begonnen. Die Veranstalter sehen das Festival jedoch wirtschaftlich an seiner Grenze. Beschäftigte, Fans und Unternehmen in der Region blicken deshalb mit eine Mischung auf Vorfreude und Wehmut aufs Festivalwochenende.
von MDR SACHSEN
Etwa 28.000 Menschen feiern bis Sonntag am Störmthaler See. Bei Temperaturen von deutlich über 30 Grad zeigte sich das Festivalgelände zum Auftakt ungewohnt entspannt. Statt ausgelassener Partystimmung prägten zunächst lange Schlangen an Wasser- und Eisständen das Bild. Viele suchen zunächst Abkühlung am See.
Wasserstellen waren im Vergleich zu den Bierständen am Freitag besonders gefragt.
Parallelwelt Festivalgefühl
Für viele Besucher gehört das Highfield inzwischen fest zum Festival-Sommer. Ein Gast aus Leipzig sagte: "Das Festival muss man halt auch mitnehmen. Das lohnt sich." Ein anderer schwärmte vom besonderen Festivalgefühl, einer "Parallelwelt", in der für ein Wochenende der Alltag in den Hintergrund rücke.
Für viele Festivalgäste könnte es das letzte Mal sein, dass sie ihre Zelte beim Highfield am Störmthaler See aufschlagen.
Wie regional das Festival verwurzelt ist, zeigt eine Anekdote von zwei Leipziger Lehrern. Eine Kollegin habe auf dem Campingplatz bereits Schüler getroffen, erzählten sie. Besonders groß ist die Vorfreude vieler Besucher auf Kraftklub. Die Band wurde in mehreren Gesprächen mit MDR SACHSEN als Höhepunkt des Wochenendes genannt.
Für viele aus der Region gehört das Festival zum Sommer dazu.
Kraftklub, Beatsteaks und Marteria als Publikumsmagneten
Musikalisch setzt das Festival auch in diesem Jahr auf bekannte Namen der deutschen Rock- und Indie-Szene. Zu den Hauptacts gehören die Beatsteaks, Marteria und Feine Sahne Fischfilet. Das Programm folgt damit auch 2026 vor allem einer bewährten Festivalformel mit bekannten, überwiegend männlich besetzten Acts. Künstlerinnen wie Nura, Dilla, Deine Cousine oder Vicky stehen zwar ebenfalls auf dem Spielplan, sind jedoch überwiegend früher am Tag oder auf kleineren Bühnen zu erleben.
Das Highfield-Festival zieht auch in diesem Jahr wieder zehntausende Gäste an. (Archivbild)
Abschiedsstimmung spürbar
Für viele Gäste geht es an diesem Wochenende um mehr als nur die Musik. Über dem Festivalgelände liegt auch ein Gefühl des Abschieds. Schließlich soll das Highfield nach den bisherigen Plänen der Veranstalter im kommenden Jahr pausieren.
"Wir haben noch gar nicht realisiert, dass es jetzt dann irgendwie vorbei ist", sagte ein Festivalbesucher. Ein anderer ergänzte: "Fühlt sich noch nicht so an, als würde es nächstes Jahr nicht einfach weitergehen." Die angekündigte Pause wirkt auf viele Besucher noch unwirklich.
Festivalsprecher Jonas Bode zufolge sind die Kosten für ein Festival wie das Highfield stark gestiegen.
Veranstalter verweist auf stark gestiegene Kosten
Beim Veranstalter FKP Scorpio ist die Wehmut ebenfalls spürbar. Pressesprecher Jonas Bode spricht von keiner leichten Entscheidung. Die Produktionskosten seien seit der Corona-Pandemie um rund 45 Prozent gestiegen. Betroffen seien unter anderem Material, Personal, Energie und Künstlergagen. Zudem liegen die Besucherzahlen derzeit unter früheren Spitzenwerten. Während in diesem Jahr rund 28.000 Menschen erwartet werden, kamen in den erfolgreichsten Jahren nach Veranstalterangaben bis zu 35.000 Besucher.
"Die Produktionskosten sind so stark gestiegen, dass sich das Format in dieser Form nicht mehr rechnet", sagte Bode MDR SACHSEN. Die Ticketpreise könnten nicht in gleichem Maße angehoben werden. "Wir haben das Limit erreicht, wo es vertretbar ist für die Leute."
Anfang der Woche sagte Semmel-Concerts-Geschäftsführer Dieter Semmelmann: "Wir hoffen, in den kommenden Monaten ein neues Konzept entwickeln zu können, das wirtschaftlich tragfähig ist und die Zukunft des Festivals sichert." Wie es mit dem Festival nach der angekündigten Pause weitergeht, lässt der Veranstalter offen. "Wir konzentrieren uns jetzt erstmal voll auf dieses Wochenende und danach müssen wir mal ganz in Ruhe weitersehen", sagte Bode.
Das Highfield-Festival am Störmthaler See könnte 2026 vorerst zum letzten Mal stattfinden.
Rund 5.000 Menschen arbeiten für das Festival
Für viele Beteiligte ist das Wochenende deshalb auch emotional. Nach Angaben des Veranstalters arbeiten jedes Jahr rund 5.000 Menschen auf und hinter dem Festivalgelände für das Highfield. "Es tut uns mega leid", sagte Bode. Die Entscheidung habe man sich nicht leicht gemacht.
Gleichzeitig habe das Team das Festival bis zuletzt weiterentwickelt. Neu sind in diesem Jahr unter anderem bargeldloses Bezahlen sowie der sogenannte "Electric Beach" mit zusätzlicher Bühne und elektronischer Musik am Strand des Störmthaler Sees.
Lona und Fabian arbeiten auf dem Festival und scannen beispielsweise die Tickets oder geben die Bändchen aus. Dass es das letzte Highfield-Festival sein könnte, macht sie traurig. "Wir kommen aus Leipzig. Da war es natürlich auch praktisch, dass man hier arbeiten konnte." Es sei das größe Festival in der Region und habe immer viel Spaß gemacht", sagen die beiden.
Das Highfieldfestival sei wirtschaftlich nicht mehr zu stemmen, sagen die Veranstalter.
Festival ist Import aus Thüringen
1998 war das Highfield-Festival in Hohenfelden in Thüringen - daher der Name - gegründet worden. Ab 2010 fand es auf der Magdeborner Halbinsel im Leipziger Neuseenland ein neues Zuhause.
Video: Aus für Highfield: So begann das Festival in Thüringen (1 Min)
Kondome, Snacks und gute Umsätze
Auch auf der anderen Seite des Störmthaler Sees, im "Pösnapark - Neuseenland-Center" hat das Highfield-Festival für Freude gesorgt. Und richtig gute Umsätze, erzählt Centermanagerin Susann Kreißig. Die Besucher bräuchten Essen und Getränke und vielleicht auch mal ein Kondom. "Da sind wir die erste Anlaufstelle hier", sagt Kreißig.
Video: Nie wieder Highfield? – Was das für die Region bedeutet (12 Min)
Mit den Schwierigkeiten steht das Highfield nicht allein. Nach Angaben des Veranstalters betrifft die Entwicklung nicht nur das Highfield. Viele Festivals, Clubs und Konzertveranstalter kämpfen derzeit mit gestiegenen Kosten. Besonders kleinere Veranstaltungen stünden dadurch unter Druck.
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MDR (kav/sthr/rkü)/dpa