Möglicher Anschlag auf Umspannwerk bei Köln
Eine Störung an einem Umspannwerk in Bergheim bei Köln ist nach ersten Erkenntnissen der Polizei vorsätzlich verursacht worden. „Wir gehen nach aktuellem Ermittlungsstand nicht von einem technischen Defekt, sondern von einer vorsätzlichen Tat, einer Straftat, aus“, sagte ein Sprecher der Polizei Essen auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Ursache und Hintergründe des Vorfalls im Rhein-Erft-Kreis seien noch unklar. Die Ermittlungen liefen auf Hochtouren. Die Anlage gehört Amprion, Deutschlands zweitgrößtem Übertragungsnetzbetreiber. Das Dortmunder Unternehmen teilte mit, es sei „mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Fremdeinwirkung auszugehen“.
Der Vorfall habe den Betrieb von Kraftwerkszuleitungen gestört, hieß es weiter. Deshalb musste der Stromkonzern RWE zwei seiner drei Braunkohlekraftwerke im Rheinischen Revier vom Netz nehmen. Betroffen waren fünf Kraftwerksblöcke mit einer Kapazität von insgesamt 4200 Megawatt. Am Mittwochmorgen wurde der erste Block aber wieder angeschaltet, ein zweiter sollte im Laufe des Vormittags folgen. Bis zum Wochenende sollen alle Blöcke wieder Elektrizität erzeugen, hieß es von dem Essener Dax-Mitglied.
Die Polizei war dem Sprecher zufolge am Dienstagabend gegen 20 Uhr wegen einer technischen Störung zu dem Umspannwerk im Bergheimer Ortsteil Rheidt gerufen worden. Durch einen Kurzschluss seien mehrere Leitungen ausgefallen. Amprion betonte in seiner Mitteilung, dass die allgemeine Stromversorgung zu keinem Zeitpunkt betroffen und die Systemstabilität immer gewährleistet gewesen sei. Expertinnen und Experten des Übertragungsnetzbetreibers arbeiteten mit den zuständigen Sicherheitsbehörden daran, den Sachverhalt schnellstmöglich aufzuklären und die Auswirkungen zu bewerten. Dass die Polizei Essen zuständig ist, liegt nach Aussage des Sprechers daran, dass „wir für die Führung derartiger Einsätze und Ermittlungslagen vorbereitet sind“.
RWE, Deutschlands größter Stromerzeuger, musste am Dienstagabend die beiden Braunkohlekraftwerke Neurath und Niederaußem vom Netz nehmen, die in der Nähe des Umspannwerks liegen. Neurath hat zwei Blöcke, Niederaußem drei. Das dritte RWE-Braunkohlekraftwerk Weißweiler mit seinen zwei Blöcken war nicht betroffen, da sein Standort deutlich weiter entfernt ist. Ein Block ging schon am Mittwochmorgen wieder ans Netz, ein zweiter sollte am Vormittag folgen, ein dritter bis Tagesende. Die übrigen beiden Blöcke sollten bis zum Wochenende wieder laufen, hieß es von RWE.
Erst am Dienstagmorgen war ein Umspannwerk in Brandenburg sabotiert worden
Erst am Dienstagmorgen hatten Unbekannte nahe dem Braunkohlekraftwerk Jänschwalde in Brandenburg versucht, Kurzschlüsse an Höchstspannungsleitungen auszulösen. In zwei Fällen gelang dies nach Behördenangaben. Die Polizei ermittelt wegen Sabotage. In den vergangenen Monaten gab es weitere Vorfälle an der Strominfrastruktur. So zündeten im Januar mutmaßlich linksextreme Täter Starkstromleitungen nahe einem Kraftwerk im Südwesten Berlins an und sorgten für einen tagelangen Blackout von gut 45 000 Haushalten, Krankenhäusern, Pflegeheimen und Firmen.