„Europaweit bekämpfen“: EU-Gipfel folgt auf Ceuta-Krise – SPD warnt und stellt vier Forderungen
„Notfall“-Gipfel nach Ceuta: SPD-Experte warnt – und fordert vier konkrete Ergebnisse
Stand: 04.08.2026, 07:59 Uhr
Kommentare
Der Schreck über Ceuta hallt nach. Der SPD-Abgeordnete Serdar Yüksel sieht eine Bewährungsprobe für Europa – und das schon beim Gipfel am Dienstag.
Berlin – Die Ereignisse von Ceuta haben die EU-Staaten aufgeschreckt: Am Dienstag treffen sich die Innenminister, um Schlussfolgerungen zu debattieren – in einer „informellen Videokonferenz“, wie der EU-Ministerrat schreibt. Die britische BBC schreibt gar von einer „Notfallsitzung“. Denn so einig sich die Staaten bei der Einberufung des Treffens waren, so uneinig waren sie sich bei der Bewertung der Krise in Ceuta. Gerade Spanien fühlt sich ungerecht behandelt. Der SPD-Abgeordnete Serdar Yüksel hofft dennoch auf „konkrete Maßnahmen“, wie er der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media sagt.

Yüksels erste Forderung: Aufklärung. Zunächst war unklar geblieben, warum sich eine so große Zahl von Menschen auf den Weg in die spanische Exklave gemacht hatte. Im Raum steht auch die These, dass Russland an der Verbreitung von Fake-News mitgewirkt hat. SPD-Fachpolitiker Yüksel fordert eine Untersuchung darüber, ob „organisierte Schleusernetzwerke oder andere koordinierte Strukturen die Situation gezielt ausgenutzt haben“. Kriminelle Netzwerke, die Menschen in Lebensgefahr und staatliche Strukturen herausforderten, müssten „europaweit bekämpft werden“. Spanien vermisste laut einem Bericht des Guardian europäische Solidarität – wie sie etwa bei (kleineren) Migrationsbewegungen an den Grenzen des Baltikums oder Finnlands zu erkennen war. Diesmal gab es Rufe nach einem Ausschluss Spaniens aus dem Schengen-Raum.
Minister-Gipfel nach Ceuta: SPD mahnt – EU „nur gemeinsam handlungsfähig“
„Europa braucht jetzt keine gegenseitigen Schuldzuweisungen, sondern entschlossenes Handeln“, betonte Yüksel gegenüber unserer Redaktion. Einerseits sei der Schutz der europäischen Außengrenzen unabdingbar. Andererseits dürfe aber auch eine humanitäre Flüchtlingspolitik nicht auf der Strecke bleiben. Konkret erwartet sich der für Krisenprävention und EU-Angelegenheiten zuständige SPD-Politiker: engere Zusammenarbeit beim Grenzschutz, stärkere Unterstützung für betroffene Mitgliedsstaaten, entschlossenes Vorgehen gegen Schleuser – und eine Strategie für „Sicherheit, Humanität und Solidarität“. „Europa muss seine Außengrenzen wirksam schützen und zugleich seiner humanitären Verantwortung gegenüber Menschen gerecht werden, die vor Krieg, Verfolgung und existenzieller Not fliehen“, sagte Yüksel.
Ähnlich hatte sich der Migrationsexperte Marcus Engler auf Anfrage der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media zur Lage in Lettland geäußert – dort vermuten die Behörden aktuell einmal mehr gelenkte Migrationsbewegungen aus Alexander Lukaschenkos Belarus. Motivationen und persönliche Lage der Ankommenden seien kein Thema mehr, unter anderem, weil die Arbeit von zivilgesellschaftlichen Akteuren teils kriminalisiert sei, rügte Engler. „Abschottungspraktiken und gewaltsamer Umgang mit Migrantinnen und Migranten werden in diesem Umfeld nicht mehr kritisch hinterfragt“, warnte er.
Yüksel mahnte indes: „Nur mit einer gemeinsamen europäischen Antwort werden wir die Sicherheit unserer Bürgerinnen und Bürger gewährleisten, den Schengen-Raum schützen und zugleich unseren humanitären Werten gerecht werden.“ Tatsächlich dürften die Gegner einer starken EU die Reaktion der Staaten mit Interesse beobachten – unabhängig davon, wo die Krise in Ceuta ihren Ursprung hatte. Streit, Spaltung oder eine Blockade einer klaren Reaktion würden einen weiteren Hebel gegen die Staaten aufzeigen.
„Die morgige Dringlichkeitssitzung der EU-Innenminister muss ein klares Signal senden: Europa ist nur dann handlungsfähig, wenn es gemeinsam handelt“, betonte Yüksel. Ähnlich äußerten sich Fraktionsgenossen. Kanzler Friedrich Merz (CDU) zählte zu 22 Regierungs- und Staatschefs, die in einem Brief scharfe Kritik an der spanischen Migrationspolitik übten. Das Land hatte einen legalen Aufenthalt für rund eine halbe Million Menschen auf den Weg gebracht – allerdings nur für vor Ende 2025 angekommene Asylsuchende.
In den vergangenen Tagen hatte es einen regelrechten Ansturm auf die spanische Stadt Ceuta in Nordafrika gegeben. Marokkanische Behörden gingen von 40.000 Ankommenden aus, spanische von 50.000 bis 60.000 – zudem von mindestens 72 Menschen, die – etwa beim Versuch, Ceuta schwimmend zu erreichen – ums Leben kamen. Marokko verwies auf Falschinformationen im Internet als einen Grund für die plötzliche Bewegung. Ein Sprecher des Innenministeriums nannte als weitere Faktoren Schleuseraktivitäten und ein spanisches Gerichtsurteil, das als vorteilhaft für Bleibechancen gelesen wurde. Klar scheint aber auch, dass die marokkanischen Behörden bei den massenhaften Ankünften zumindest geflissentlich wegsahen. (Quellen: Serdar Yüksel, BBC, Guardian, Marcus Engler, dpa, eigene Recherchen)