Nüchtern statt prunkvoll: So soll das neue Interieur im Schloss Bellevue aussehen
Ein Schloss ohne Kronleuchter? Das wäre zu viel der nüchternen Sachlichkeit – auch in Schloss Bellevue, dem Amtssitz des Bundespräsidenten. Während Frank-Walter Steinmeier in einer feierlichen Zeremonie am Montag den Schlüssel zum eigens errichteten Interimsgebäude an der Elisabeth-Abegg-Straße im Berliner Bezirk Mitte entgegennimmt, starten im Schloss Bellevue die dringend notwendigen Sanierungsarbeiten. Auch das Innendesign bekommt eine Frischekur verpasst – doch die Kronleuchter dürfen bleiben.

Im Wettbewerb um die Inneneinrichtung der repräsentativen Räume von Schloss Bellevue hat sich das Berliner Büro Henn durchgesetzt. „Die Kombination vorhandener und neu ausgewählter Ausstattungsstücke gelingt durchgängig auf hohem Niveau“, begründet die Jury ihre Entscheidung. Insgesamt wurden aus 76 eingereichten Bewerbungen zwölf Büros zur Teilnahme am Planungswettbewerb ausgewählt, von denen elf einen Beitrag einreichten.
Schloss Bellevue erhält neues Innenraum-Konzept
Schloss Bellevue, seit 1994 erster Amtssitz des Bundespräsidenten, wird umfangreich saniert. Dauern soll dies insgesamt fünf Jahre. Für die in diesem Zuge geplante innenarchitektonische Neugestaltung der repräsentativen Räume wurde im Mai ein bundesweiter Wettbewerb ausgelobt. Gesucht wurde ein Entwurfskonzept für eine zeitgemäße und dem Staatsoberhaupt der Bundesrepublik angemessene Innenraumgestaltung.

Der Große Saal im Obergeschoss wird – wie hier im Entwurf – für Staatsbankette, aber auch für andere Veranstaltungsformate genutzt.© Henn GmbH, Berlin | Henn GmbH, Berlin
Hersteller und Designer aus Deutschland bevorzugt
Möbel, Fensterdekorationen, Teppiche und Leuchten sowie die Gestaltung der Decken, Wände und Türen in den repräsentativen Räumen des Schlosses sollten daher „zurückgenommen repräsentativ, zeitgemäß, qualitativ hochwertig und für festliche Veranstaltungen geeignet sein“, schreibt das Bundesamt für Bauordnung und Raumwesen (BBR), das mit der Durchführung des Wettbewerbs betraut war. Nachhaltigkeit sei ein wichtiges Auswahlkriterium gewesen. Und: „Grundsätzlich sollten Produkte deutscher Hersteller und Designer ausgewählt werden, in Ausnahmefällen durfte auf Produzenten aus der Europäischen Union zurückgegriffen werden“, nannte das BBR die Vorgaben.

In der in hellen Tönen gehaltenen Galerie finden unter anderem Pressekonferenzen statt.© Henn GmbH, Berlin | Henn GmbH, Berlin
Die Jury hob bei den Henn-Entwürfen besonders die Farbwahl und die Ausstattung hervor, die „dem Anspruch an Repräsentation und Funktionalität gerecht“ würden. Die Kombinationen von historischem und modernem Mobiliar sowie die Idee der Teppichinseln wurden ebenfalls lobend erwähnt.
Gropius-Sessel im Amtszimmer des Bundespräsidenten
Und das Architekturbüro Henn selbst erklärt zu seiner Entwurfsidee, etwa für das Amtszimmer des Bundespräsidenten, dieses vermittele „mit seiner Gestaltung in Grüntönen Ruhe und Ausgeglichenheit, während vier Gropius-Sessel in unterschiedlichen Materialien Pluralität verkörpern“. Dagegen habe man den Richard-von-Weizsäcker-Salon (aktuell Salon Ferdinand), der dem Thema Erinnerung gewidmet sei, in warmen Sepia-Tönen gehalten. „Reflektierende Tische und Wandspiegel sowie Objekte aus unterschiedlichen Epochen – darunter DDR-Wandleuchten und ein Konsoltisch von 1820 – interpretieren Erinnerung räumlich“, so die Berliner Architekten.

Der Richard-von-Weizsäcker-Salon ist in warmen Sepia-Tönen gehalten.© Henn GmbH, Berlin | Henn GmbH, Berlin
Die grundlegende Sanierung von Schloss Bellevue kostet nach Angaben des Bundespräsidialamts mindestens 146 Millionen Euro. Für das Interieur ist nur ein Bruchteil der Summe kalkuliert: Die Gesamtkosten dafür werden vom Bundesamt für Bauordnung und Raumwesen (BBR) auf rund 6,5 Millionen Euro netto geschätzt. Zum Vergleich: US-Präsident Donald Trump lässt den gesamten Ostflügel des Weißen Hauses abreißen, um dort einen gigantischen Prunk-Ballsaal à la Versailles zu errichten. Kosten: Geschätzt 400 Millionen Dollar.

Der Robert-Blum-Saal im ersten Obergeschoss ist in kühlen Blautönen gehalten. © Henn GmbH, Berlin | Henn GmbH, Berlin
Zalando-Headquarter, Bendlerblock und weitere: Henn prägt Berlins moderne Architektur
In Berlin ist das Büro Henn längst eine feste Größe. Zu ihren Projekten in der Hauptstadt zählt etwa das Zalando-Headquarter in Friedrichshain. Gerade erst hat das Büro den Wettbewerb zur Erweiterung des
Bendlerblocks in Tiergarten für das Bundesverteidigungsministerium gewonnen. Aber auch riesige Gebäudekomplexe wie die Autostadt in Wolfsburg oder das Audi-Museum in Ingolstadt hat das Büro realisiert.
Angesichts der langen Sanierungsphase ist sicher, dass Frank-Walter Steinmeier nicht mehr in den Genuss des rundum erneuerten Schlosses kommen wird. Seine zweite Amtszeit als Bundespräsident läuft im März 2027 aus. Die Neuwahl soll am 30. Januar stattfinden. Über die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier wird aktuell in der Regierungskoalition heftig gestritten. Die Union kann sich inzwischen wieder einen Mann vorstellen – während die SPD auf einer Frau besteht.
Die Ausstellung der Wettbewerbsergebnisse ist bis zum 2. September 2026, jeweils montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr, im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, Ernst-Reuter-Haus, Straße des 17. Juni 112, 10623 Berlin, kostenfrei zu besichtigen.