OB-Wahl in Coswig: Amtsinhaber ohne Gegenkandidat

Thomas Schubert, Oberbürgermeister Coswig

AUDIO: OB-Wahl in Coswig: Nur ein Kandidat auf dem Wahlzettel (3 Min)

Demokratie

OB-Wahl in Coswig: Nur ein Kandidat auf dem Wahlzettel

Stand: 03.10.2026 18:00 Uhr

Nur ein Kandidat, aber keine reine Formsache: Bei der Oberbürgermeisterwahl in Coswig tritt Amtsinhaber Thomas Schubert als einziger Bewerber an. Die Wähler haben dennoch die Möglichkeit, auf dem Stimmzettel einen anderen Namen vorzuschlagen.

von MDR SACHSEN

Die Stadt Coswig wählt am Sonntag einen neuen Oberbürgermeister. Die Ausgangslage ist dabei ungewöhnlich: Mit dem amtierenden Oberbürgermeister Thomas Schubert (parteilos) tritt lediglich ein Kandidat zur Wahl an. Der Gemeindewahlausschuss ließ Anfang August den einzigen eingereichten Wahlvorschlag zu. Schubert, der seit dem 1. Januar 2020 Oberbürgermeister der Stadt ist, bewirbt sich damit um eine weitere Amtszeit von sieben Jahren. Unterstützt wird er von der CDU, die von einem "Glücksfall" für Coswig spricht.

Leerzeile auf Wahlzettel

Auf dem Wahlzettel ist zudem eine freie Leerzeile. Dort können die Wahlberechtigten auch eine andere wählbare Person benennen. Das schreibt das Kommunalwahlgesetz vor, wenn es nur einen Bewerber gibt. Sollte am 4. Oktober kein Bewerber die erforderliche Mehrheit erreichen, wäre am 1. November 2026 ein zweiter Wahlgang vorgesehen.

Politikwissenschaftler: Kommunale Parteienlandschaft verändert sich

Dass es in einer Stadt mit mehr als 20.000 Einwohnern keinen Gegenkandidaten gibt, ist aus Sicht des Dresdner Politikwissenschaftler Janek Treiber bemerkenswert. Er sieht darin einen Hinweis auf die Veränderungen der kommunalen Parteienlandschaft. Gegenüber der "Sächsischen Zeitung" verweist er darauf, dass Parteien auf kommunaler Ebene zunehmend Schwierigkeiten hätten, genügend engagierte Mitglieder und geeignete Kandidaten für politische Ämter zu gewinnen. Dabei erfüllten Parteien eine wichtige Funktion, indem sie politische Interessen bündeln, Programme entwickeln und Bürgern Orientierung bei Wahlen geben.

OB Schubert: Fehlende Konkurrenz auch Anerkennung

Schubert selbst bewertet die Situation differenziert. Einerseits empfinde er die fehlende Konkurrenz als Anerkennung seiner bisherigen Arbeit. "Ich fühle mich geehrt, dass keine der Parteien und Wählervereinigungen einen eigenen Kandidaten nominiert hat", sagte er MDR SACHSEN. Viele Fraktionen hätten bereits früh signalisiert, dass sie mit seiner Amtsführung zufrieden seien.

Eingangschild Adventure-Golf Coswig

Das schuldenfreie Coswig kann sich viel leisten, wie etwa diese Adventure-Golfanlage direkt am Badesee Kötitz in diesem Jahr.

Andererseits sieht auch er darin ein gesellschaftliches Signal. Es sei durchaus bemerkenswert, dass sich offenbar niemand bereit gefunden habe, die Herausforderungen und persönlichen Belastungen eines solchen Amtes auf sich zu nehmen. "Insofern stehe ich jetzt ein bisschen allein auf weiter Flur", sagt Schubert, betont jedoch, dass er die Situation eher als Ausdruck von Vertrauen denn als demokratisches Defizit verstehe.

Ich habe meine Überzeugungen, für die trete ich ein. Deswegen ist parteilos wahrscheinlich die bessere Heimat. Thomas Schubert tritt zur Wiederwahl als Oberbürgermeister von Coswig an

Dass er als Parteiloser antritt, sieht Schubert dabei als Vorteil. Kommunalpolitik sei vor allem Sachpolitik. "Im Stadtrat geht es um konkrete Themen und weniger um große parteipolitische Streitfragen", sagt er. Zwar werde er insbesondere von der CDU unterstützt und sei auch über deren Liste in den Kreistag gewählt worden. Mitglied einer Partei war er jedoch nie. "Ich habe meine Überzeugungen, für die trete ich ein. Deswegen ist parteilos wahrscheinlich die bessere Heimat."

Mehr zum Thema Wahlen

Fakt ist! - Nach den Wahlen: Was muss anders werden? Der Amtsinhaber Knöfel will wieder Bürgermeister von klipphausen im Kreis Meißen werden.

MDR (kbe)