Parlament prüft Arbeitszeit-Deckel für Ärzte
Obergrenze für Tardoc Die Arbeitszeiten für Ärzte sorgen für Diskussionsstoff
Ab Januar sollen Ärztinnen und Ärzte nur noch durchschnittlich zwölf Stunden pro Tag zulasten der Grundversicherung abrechnen können. Nach Protesten diskutiert die Ständeratskommission die Obergrenze erneut.
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16.08.2026, 19:18
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Um die Krankenkassenprämien zu dämpfen, hatte das Parlament ursprünglich beschlossen, dass es eine Obergrenze geben soll für ärztliche Leistungen, die in der Grundversicherung abgerechnet werden. Die Tarifpartner haben sich auf einen Deckel von durchschnittlich zwölf Stunden pro Tag geeinigt, der Vorschlag liegt nun beim Bundesrat. Doch unterdessen haben rund 42'000 Personen eine Petition gegen diese Obergrenze unterzeichnet.
Wir haben den Hilfeschrei der Ärzteschaft gehört, das muss unbedingt noch einmal angeschaut werden
Beim Präsidenten der ständerätlichen Gesundheitskommission stossen sie damit auf offene Ohren. Der Schaffhauser SVP-Ständerat Hannes Germann bestätigt SRF: «Wir haben den Hilfeschrei der Ärzteschaft gehört, das muss unbedingt noch einmal angeschaut werden.» Er hat das Thema für die nächste Sitzung der Gesundheitskommission traktandiert, auch die zuständige Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider werde kommen.
Der Ärztetarif Tardoc sieht für eine Ultraschalluntersuchung einen Zeitaufwand von 30 Minuten vor. Dies dürfen Ärzte abrechnen, auch wenn die Untersuchung kürzer dauerte.
Keystone/CHRISTIAN BEUTLER
Germann möchte Druck machen auf den Bundesrat, damit dieser den Deckel mindestens um ein paar Jahre verschiebt. Er fürchtet, Ärztinnen und Ärzte könnten wegen der Obergrenze ihre Praxis schliessen oder weniger Patienten behandeln. Der Hintergrund: Einige Fach-Ärzte sagen, sie erreichten heute die zwölf Stunden beispielsweise schon am Mittag.
Das bedeutet, wir als Patienten zahlen diesen Ärzten zwölf Stunden für effektiv fünf oder sechs Stunden.
Möglich ist das, weil beim Ärztetarif Tardoc nicht nur ein Preis, sondern auch eine Zeit hinterlegt ist. Zum Beispiel 30 Minuten für eine bestimmte Ultraschalluntersuchung. Soviel darf abgerechnet werden, auch falls sie effektiv nur halb so lange dauert, etwa wegen neuer Technik. Dadurch könnte die neue Obergrenze von zwölf Stunden im Monatsschnitt also zum Beispiel schon bis am Mittag erreicht sein, vor allem bei technikintensiven Behandlungen.
Tardoc soll realistischere Zeiten für Behandlungen hinterlegen
«Das bedeutet, wir als Patienten zahlen diesen Ärzten zwölf Stunden für effektiv fünf oder sechs Stunden», ärgert sich der Neuenburger SP-Ständerat Baptiste Hurni. «Das Problem sind die zu hohen Tarife, nicht der Deckel.» Er wird sich in der Kommission dafür einsetzen, den Deckel wie geplant im Januar einzuführen. Auch um Druck zu machen, damit im Tardoc realistischere Zeiten für die einzelnen Behandlungen hinterlegt würden.
Die Diskussion über diese Obergrenze ist auch eine Chance. Nämlich dafür, dass die Tariforganisation bessere Datengrundlagen von den entsprechenden Fachgesellschaften erhält.
Auf präzisere, aktualisierte Daten hofft auch die Direktorin des Krankenkassenverbandes, Saskia Schenker. «Die Diskussion über diese Obergrenze ist auch eine Chance», sagt sie. «Nämlich dafür, dass die Tariforganisation bessere Datengrundlagen von den entsprechenden Fachgesellschaften erhält und wir damit als Tarifpartner gemeinsam mit FMH und H plus die Tarifstruktur optimieren und den effektiven Gegebenheiten anpassen können.»
Tageschau, 16.08.2025, 19:30 Uhr