Oberhone dient als gutes Beispiel für Hessens Wärmewende
Stand: 03.10.2026, 16:03 Uhr
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Im Oktober beginnt in Oberhone der Bau eines Nahwärmenetzes, das bis 2028 fertig sein soll. Eine Grünen-Abgeordnete besuchte das Projekt – und will die Erkenntnisse nach Wiesbaden mitnehmen.
Oberhone – Zusammen mit der Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion für Energie und Wirtschaft, Kaya Kinkel, haben sich Eschweger Kommunalpolitiker der Stadtverordnetenversammlung über Alternativen zur fossilen Energie in Eschwege informiert. Sie besuchten das Energiedorf Oberhone, wo im Oktober der Bau eines Nahwärmesystems beginnen wird (wir berichteten), und die Stadtwerke Eschwege, die eine Umsetzung in der Kernstadt und anderen Stadtteilen vorantreiben.
In Oberhone berichteten Vorstand und Aufsichtsrat der Genossenschaft sowie Ortsvorsteher Ralf Müller, wie ein engagiertes Team von ehrenamtlichen Aktiven in vier Jahren aus der Vision ein handfestes Projekt entwickelt hat. Für eine Vielzahl von Problemen mussten Lösungen entwickelt werden. So sei durch bürgerschaftliches Engagement ein praxistaugliches, gemeinwesenorientiertes Unternehmen entstanden. 120 Haushalte wurden als Wärmeabnehmer gewonnen und ebenso zahlreiche Genossenschaftsmitglieder eingeworben. Die Heizzentrale und ein rund sieben Kilometer langes Leitungsnetz sind geplant und die erforderlichen Genehmigungen eingeholt worden.
Der Startschuss zum Baubeginn auf dem Gelände der zukünftigen Heizzentrale am Ortsrand von Oberhone fällt am 2. Oktober. Dort entsteht eine Photovoltaikanlage mit 600 kWp für den Eigenstromverbrauch. Zwei Wärmepumpen werden von zwei Holzhackschnitzelkesseln ergänzt. Ein großer Wärmespeicher und 2 Gaskessel sichern die notwendige Reserve. Voraussichtlich 2028 werden die Bauarbeiten abgeschlossen sein.
Viel ehrenamtlicher Einsatz, Überzeugungsarbeit und Geduld sowie Hartnäckigkeit in Verhandlungen mit Behörden, Banken und Bürgern waren notwendig und werden weiterhin gebraucht, berichtete der Vorstand der Genossenschaft. „Dieses Projekt kann nur gelingen, weil neben einer engagierten Genossenschaft auch die Zusammenarbeit mit Stadtwerken, Stadtverwaltung und Kreisverwaltung reibungslos verlaufen ist“, sagt Bernd Hirschfelder, Sprecher der Eschweger Grünen. Das Energiedorf Oberhone sei ein gelungenes Beispiel für regionale Wertschöpfung und engagiertes bürgerschaftliches Engagement. „Das Land Hessen kann optimal von dem Vorreiterprojekt Oberhone lernen und solche Projekte dabei unterstützen, damit sie leichter zu realisieren sind“, sagt Kinkel. Genossenschaften könnten ein wichtiger Baustein der Wärmewende sein.
Bei den Stadtwerken Eschwege sprachen die Besucher neben dem Nahwärmenetz, das hier bis spätestens 2045 realisiert werden soll, über die aktuellen Herausforderungen von Stadtwerken. Die Zunahme an Eigenstromeinspeisung durch private PV-Anlagen (rund 3300 im Versorgungsgebiet mit durchschnittlich 10.000 kWh pro Jahr) müsste in der Planung genauso berücksichtigt werden wie der rasante Verbrauchsanstieg durch Wärmepumpen und Elektroautos.
Neue Trafos und Messeinrichtungen werden bereits jetzt installiert, um das vorhandene Netz optimal auszulasten. Dazu gehöre nach Angaben von Hirschfelder auch der Plan, einen eigenen Stromspeicher zu bauen und die Freiflächen-Fotovoltaikanlage der Stadtwerke Union Nordhessen (SUN) auf dem Gebiet der Gemeinde Meinhard in die Strategie einzubeziehen. Eine der großen Schwierigkeiten sind wechselnde politische Vorgaben, die gesicherte Prognosen unmöglich machen. „Ich nehme mit, dass die Stadtwerke Eschwege für die Zukunft gut aufgestellt sind und zu den Vorreitern bei den notwendigen Veränderungen gehören“, sagt Kinkel, die zusammen mit ihrem Eschweger Landtagskollegen und Stadtwerke-Aufsichtsratsmitglied Stefan Schneider die Probleme mit nach Wiesbaden nehme und sich für Lösungen einsetzen werde.