Oktoberfest brutal: Hier landen Schläger, Kokser und Vergewaltiger: „Wenn die Zelte zu sind, geht’s rund“
Stand: 25.09.2026, 20:20 Uhr
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Auf der Gefangenensammelstelle der Polizei auf der Wiesn landen alle, die es zu weit getrieben haben. Wen es alles dorthin verschlägt – und wann es für Polizisten gefährlich wird.
Den ersten schwappt’s um 17.49 Uhr rein. Recht früh für einen Mittwoch. Der Mann trägt Lederhose, aber keine Socken und keine Schuhe. Die braucht er eh nicht – er geht so schnell nirgendwohin.

Oktoberfest München: 80 Prozent der Gefangenen sind Männer
Fünf Beamte durchsuchen ihn im Hinterhof der Wiesnwache. Dann geht’s für den Mann durch eine Tür und einen engen Gang zu einem langen Pult – in die sogenannte Gefangenensammelstelle, kurz „Gesa“. Hier landen alle, die es auf dem Oktoberfest zu weit getrieben haben: Schläger, Grabscher, Vergewaltiger, Taschendiebe oder Drogenkonsumenten. Die allermeisten sind wegen Körperverletzung hier. 80 Prozent sind Männer.

Der erste Gefangene war gerade noch im Zelt, jetzt landet er in der Zelle. Ungläubig schaut er drein, als ihn zwei Beamte in Uniform in den kahlen, gefliesten Raum hineinführen. Die schwere Stahltür klackt zu. Ein Polizist sperrt sie mit einem großen silbernen Schlüssel ab. Der Gefangene sackt auf die abgewetzte Holzbank und stützt den Kopf auf die Hände. Das war’s mit dem Wiesnspaß. Gitter statt Gaudi.
Um 17.54 Uhr bringen sie den zweiten rein. Seine Schuhe und Wertsachen haben die beiden groß gewachsenen Beamten in Plastiktüten gepackt – darunter ein paar 100-Euro-Scheine. Polizeiobermeisterin Lisa Schnell (32) notiert jeden Eingang mit Kugelschreiber ins Haftbuch. Ein dicker Wälzer mit mehreren Spalten: Datum, Uhrzeit, Geburtsdatum, Geburtsort und den Grund für den Besuch. Bis Freitagmittag (25. September) hat sie an diesem Oktoberfest schon 159 Gefangene eingetragen. Am mittleren Wiesnwochenende werden noch viele dazukommen – allein am zweiten Samstag verzeichnete die Polizei in den vergangenen Jahren regelmäßig um die 65 Gefangene.

Vier Zellen gibt es in der Gesa. Drei sind Einzelzellen – etwa für Frauen oder um Streithähne zu trennen. Die vierte kann bis zu 15 Gefangene aufnehmen, sagt Sprecher Sven Müller. In dieser Zelle hat Polizeihauptkommissar Tobias Stehbeck (45) schon viel erlebt – sogar lustige Dinge. Da zusammen zu sitzen, das verbinde, sagt er. Manche fingen dann an, zusammen zu singen. Andere verbrüderten sich. In der großen Zelle gab‘s schon alles, meint Stehbeck: Von neue Freundschaften bis zu körperlicher Liebe. Hat er alles schon gesehen.
Polizist erzählt: Rippenbruch und Faustschläge in der Zelle
Meistens aber gibt‘s wenn überhaupt Scherereien, und dann wird es für die Beamten auch gefährlich. 2023 verpasste ein 120 Kilo schwerer Kickboxer Tobias Stehbeck zwei Faustschläge. Als er den Mann mit Kollegen fixieren musste, brach er sich dabei eine Rippe. Trotzdem kommt Stehbeck jedes Jahr wieder, um Dienst auf der Gesa zu machen. Seit 19 Jahren schon.

Viele Gefangene verletzen sich auch selbst, sagt Stehbeck. So mancher schlägt im Rausch seinen Kopf gegen die Wand oder gegen die Gitterstäbe. Dann stülpen ihm die Polizisten eine Art Football-Helm über. Zum Schutz der Insassen werden ihnen die Schuhe, Gürtel und gefährliche Gegenstände abgenommen. Außerdem werden alle Verletzungen der Gefangenen bei der Aufnahme fotografiert – nicht, dass es später heißt, das wären Polizisten gewesen.
Wer‘s nicht zu doll getrieben hat und kooperativ ist, darf nach der Aufnahme heim – Anzeige folgt dann auf dem Postweg. Härtere Fälle müssen mindestens über Nacht bleiben, aber nicht unbedingt in der Wiesnwache. Laut Polizeisprecher Müller werden die Gefangenen nach und nach ins Polizeipräsidium in der Ettstraße gebracht. Dafür sorgen zwei Beamte mit Gefangenentransporter im 24-Stunden-Betrieb. Im Polizeijargon werden die Fahrzeuge „Zeiserlwagen“ genannt.
Es ist 19 Uhr, die ersten Gefangenen sind verräumt. Der Mittwoch kündigt sich schon gut an. Das Gros kommt aber erfahrungsgemäß später, wenn alle nach Schankschluss raus torkeln. „Wenn die Zelte zu sind“, sagt ein Beamter, „geht‘s hier erst richtig rund.“