Drohnenangriff trifft Europa hart: Saudi Aramco stoppt Öl – Heizkosten im Winter völlig offen

Öl-Hahn in Saudi-Arabien zugedreht: Wie teuer wird Heizen im Winter?

Stand: 19.09.2026, 13:34 Uhr

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Saudi Aramco stoppt Öllieferungen nach Europa. Auslöser ist ein Drohnenangriff auf eine Pipeline. Für Verbraucher könnte das im Winter spürbar werden.

Riad/Berlin – Saudi-Arabiens staatlicher Ölkonzern Saudi Aramco hat die Öllieferungen nach Europa gestoppt. Hintergrund ist ein schwerer Drohnenangriff auf die wichtige Ost-West-Pipeline des Königreichs. Für deutsche Verbraucher könnte das spürbare Folgen haben – gerade mit Blick auf den nahenden Winter.

Satellitenaufnahme einer großen Industrieanlage in der Wüste, bei der mehrere Gebäudekomplexe durch Feuer schwarz verkohlt und teilweise zerstört sind.

Satellitenaufnahme vom 13. September 2026 zeigt die Schäden an der East-West-Pipeline in Saudi-Arabien nach dem Drohnenangriff. © picture alliance / Satellite image ©2026 Vantor via AP

Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg hat Saudi Aramco mindestens zwei europäischen Raffineriekunden mitgeteilt, dass sie im Oktober kein Rohöl erhalten werden. Die Maßnahme soll für alle europäischen Abnehmer gelten. Eine offizielle Stellungnahme des Konzerns gibt es bislang nicht. Die europäischen OECD-Länder importierten zuletzt täglich 577.000 Barrel Rohöl aus Saudi-Arabien.

Ölmarkt unter Druck: Eine Pipeline fehlt Europa jetzt

Am 11. September wurde die Ost-West-Pipeline Saudi-Arabiens angegriffen. Das saudiarabische Außenministerium erklärte, die Pipeline sei in den Regionen Riad und Medina mit „mehreren aus dem Irak kommenden Drohnen“ getroffen worden. Es habe Verletzte und materielle Schäden gegeben. Dabei wurden nach Angaben aus der Ölbranche drei Pumpstationen beschädigt. Wie schnell die rund 1200 Kilometer lange Leitung wieder vollständig in Betrieb gehen kann, ist noch unklar. In Schätzungen ist von mehreren Wochen die Rede.

„Die Pipeline wurde vorsorglich geschlossen“, sagte ein Vertreter des saudiarabischen Energieministeriums der Nachrichtenagentur SPA. Die Ost-West-Pipeline verbindet die Ölfelder im Osten des Königreichs mit dem Rotmeer-Hafen Yanbu. Seit Beginn des Iran-Kriegs hat Riad die Nutzung dieser Pipeline ausgeweitet. Sie dient als Ausweichroute, um die durch Teheran im Iran-Krieg blockierte Straße von Hormus zu umgehen. Saudi-Arabien behält sich laut Außenministerium das Recht vor, alle erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um „seine Souveränität, seine Sicherheit, seine Einrichtungen“ und seine Bevölkerung zu schützen. Die irakische Regierung verurteilte die Angriffe und kündigte Ermittlungen an.

Öllieferstopp aus Saudi-Arabien – Europa sucht fieberhaft nach Ersatz

Für europäische Raffinerien ist der Lieferstopp besonders problematisch. Sie beziehen saudisches Rohöl normalerweise über den ägyptischen Mittelmeerhafen Sidi Kerir. Das Öl gelangt dorthin über den Rotmeer-Hafen Yanbu. Dieser Weg ist nun unterbrochen. Um Öl nach Europa zu bringen, müsste Saudi Aramco seine Schiffe entweder durch das Rote Meer und den Suezkanal schicken oder um das Horn von Afrika fahren lassen. Letzteres dauert etwa fünf Wochen. Seit die Huthi-Rebellen die Meerenge Bab al-Mandab kontrollieren, hat sich die Lage im Roten Meer weiter verschärft.

Der polnische Ölkonzern Orlen hat laut Bild bereits damit begonnen, sich Ersatzlieferungen zu sichern. Seit dem Angriff hat der Konzern zahlreiche Ausschreibungen gestartet und zusätzliche Lieferungen aus anderen Ländern organisiert. Derweil hat die EU-Marinemission Aspides zum Schutz von Schiffen im Roten Meer ihre Alarmbereitschaft erhöht. EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas schrieb nach einem Gespräch mit dem saudiarabischen Außenminister Faisal bin Farhan: „Europa hilft, die Schifffahrt im Roten Meer vor Huthi-Angriffen zu schützen.“ Italiens Regierung prüft zudem eine eigene Militärmission im Roten Meer. Saudi Aramco versucht unterdessen, einen Teil der wegfallenden Exporte über andere Wege auszugleichen. Händler berichten von zusätzlichen Lieferungen aus dem Golf.

Wie teuer wird Heizen im Winter? Fachleute sind ratlos

Auch der Ölpreis reagierte auf die Entwicklungen: Der Referenzpreis für Brent-Öl stieg kurzzeitig auf 130 US-Dollar. Am Freitag (18. September) lag er bei rund 104 US-Dollar. Dass der Ölpreis trotz der massiven Angebotsausfälle von schätzungsweise zehn Millionen Barrel pro Tag nicht so stark gestiegen ist wie ⁠erwartet, liegt Analysten von J.P. Morgan zufolge an einem weltweiten Nachfragerückgang.

Zugleich warnte die US-Großbank in einer Studie aber, dass die Preise im weiteren Jahresverlauf ⁠steigen könnten, falls die Lieferunterbrechungen im Nahen Osten andauerten. Derzeit gebe es zwar noch ausreichend Lagerbestände, besonders in China, Europa und Japan, ⁠die als Puffer dienten. Diese könnten ‌jedoch zur Neige gehen. Genaueres können auch die Fachleute nicht mehr sagen. Denn: Zum ersten Mal seit Beginn des Iran-Krieges hat die Bank keine klare Prognose mehr für die ‌Ölmärkte. „Wir wissen einfach nicht, wie wir den Ausgang modellieren sollen“, hieß es in einer am 17. September veröffentlichten Studie. Mit anderen Worten: Es ist offen, wie teuer das Heizen im Winter wird. (Quellen: Bloomberg, AFP, Reuters, Bild) (cs)