Nahversorgung: Ortsgröße entscheidet über Wohl und Wehe
Nahversorgung
Kaum wo gibt es derart viele Lebensmittelnahversorger wie in Österreichs Städten – und laufend werden es mehr. Anders ist die Lage im ländlichen Raum: 2024 verfügten 401 von 2.114 Gemeinden über kein eigenes Lebensmittelgeschäft, betroffen davon waren fünf Prozent der Bevölkerung. Die Nahversorgerstudie der KMU Forschung Austria hebt allerdings auch hervor: „Ländlich“ bedeutet nicht automatisch „unterversorgt“.
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Der Anteil der Gemeinden ohne Nahversorger unterscheidet sich nach Bundesländern deutlich, von zehn Prozent in Salzburg und elf Prozent in Kärnten bis 24 Prozent in Oberösterreich und 28 Prozent im Burgenland. „Österreich verfügt weiterhin über ein sehr dichtes Nahversorgungsnetz“, sagte am Dienstag Christian Prauchner, Obmann des Bundesgremiums Lebensmittelhandel der Wirtschafskammer, das die Studie in Auftrag gegeben hatte. Man müsse „aber Anstrengungen dort verstärken, wo Standorte in kleinen und peripheren Gemeinden unter Druck geraten“.
Für Prauchner ist die Sicherung bestehender Standorte zentral: „Nahversorgung ist weit mehr als Einkaufsmöglichkeit. Sie schafft kurze Wege, regionale Wertschöpfung und ist wichtig für ein lebendiges Gemeindeleben.“ Notwendig seien daher flexiblere und wirtschaftlich tragfähige Modelle. Dazu zählen hybride Standorte mit und ohne Personal, Postpartnerschaften sowie zusätzliche Ertragsmöglichkeiten.
Gefälle wird größer
Zwischen 2021 und 2024 hat sich das Stadt-Land-Gefälle noch verschärft: In dicht besiedelten Gebieten nahm die Zahl der Standorte um rund 14 Prozent zu, in dünn besiedelten ging sie um rund drei Prozent zurück. Österreichweit stieg die Zahl der Standorte um 3,6 Prozent. Auffällig ist die Zahl der nahversorgungslosen Gemeinden im Umland von Zentren, heißt es in der Studie. „Dabei handelt es sich meist um kleinere Ortschaften mit guter Erreichbarkeit und pendlergeprägter Kaufkraft in der Nähe von Zentren.“
Frage der Größe
Allerdings zeigt die Untersuchung, dass nicht einzig der Raumtyp, sondern vielmehr die Gemeindegröße von entscheidender Bedeutung ist. Kleine Gemeinden bis 1.500 Einwohnerinnen und Einwohner sind unter den versorgungslosen Gemeinden klar überrepräsentiert, wohingegen ab einer Einwohnerzahl von 2.000 das Fehlen eines Nahversorgers zur Ausnahme wird und ab 5.000 gar nicht vorkommt.
„Für ländliche Räume bedeutet dies allerdings, dass die Erreichbarkeit (der Lebensmittelnahversorger, Anm.) zunehmend erschwert und die Versorgung nur selektiv gesichert ist, womit sie stärker von einer guten Verkehrsanbindung und Zentren abhängig sind“, heißt es in der Studie.
Österreichweit fielen 2023 im Schnitt 99 Standorte auf je 100.000 Einwohner – auch hier gab es deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern. In Oberösterreich waren es nur 88, in Tirol 120.
Enorme Konzentration
Beispiellos ist jedenfalls die Konzentration im österreichischen Lebensmittelhandel: Vier Unternehmen dominieren über 90 Prozent des Marktes. Die Supermarktketten Spar, REWE (Billa, BillaPlus, Penny), Hofer und Lidl kamen 2025 zusammen auf einen Marktanteil von 94,3 Prozent, wie Daten des Marktforschers NielsenIQ zeigen.
Tirol ist dabei ein Sonderfall, wie die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) in ihrer Branchenuntersuchung im Jahr 2023 festhielt. Die „Big Four“ im österreichischen Lebensmitteleinzelhandel würden in Tirol aufgrund der Dominanz von MPreis zu den „Big Five“ werden. Das könnte sich mit einem möglichen Einstieg von REWE bei MPreis ändern – mehr dazu in tirol.ORF.at.