Fast 50 Cent Unterschied pro Liter: Warum Österreich beim Sprit so viel günstiger ist als Deutschland
Österreich macht Sprit noch billiger – warum deutsche Autofahrer trotzdem draufzahlen
Stand: 24.09.2026, 07:53 Uhr
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Österreich drückt den Spritpreis auf 1,85 Euro – fast 50 Cent unter deutschem Niveau. Jetzt reagiert auch Berlin mit einem Tankrabatt. Doch reicht das wirklich?
München – Wer aktuell in Bayern oder Salzburg über die Grenze schaut, reibt sich die Augen. Während deutsche Autofahrer für einen Liter Super-Benzin rund 2,34 Euro hinlegen müssen, zahlen die Österreicher nur 1,85 Euro – fast 50 Cent weniger pro Liter. Wien will jetzt sogar noch einmal nachlegen, auch in anderen EU-Ländern ist Sprit deutlich günstiger.

Österreichs Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) hat eine neue Spritpreisbremse angekündigt, die den Literpreis nochmals um 12 Cent drückt. Als Begründung nennt er den eskalierenden Iran-Konflikt und die damit verbundenen Preissteigerungen: „Wir steuern entgegen und bringen eine neue Spritpreisbremse auf den Weg. Dadurch sinken die Preise an der Zapfsäule und die Autofahrerinnen und Autofahrer werden spürbar entlastet“, sagte Stocker gegenüber BILD.
Tankrabatt in Deutschland kommt ab Oktober
Auch Deutschland reagiert: Ab dem 1. Oktober senkt die Bundesregierung die Energiesteuer auf Benzin und Diesel um 14 Cent pro Liter. Inklusive der wegfallenden Mehrwertsteuer sollen Fahrer insgesamt rund 17 Cent pro Liter sparen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nannte den Tankrabatt ein „starkes Signal“ und verwies auf eine Entlastung von 2,5 Milliarden Euro – „kein Pappenstiel“, so Merz. Der Rabatt gilt bis Ende Dezember. Ein möglicher Spritpreisdeckel nach belgischem Vorbild könnte zum 1. Januar folgen – ist aber noch nicht beschlossen.
Dabei würde der Staat einen maximalen Verkaufspreis für Kraftstoff festlegen, den Tankstellen nicht überschreiten dürfen. Dieser Höchstpreis wird nicht willkürlich bestimmt, sondern anhand einer Formel berechnet, die sich an den internationalen Rohölpreisen und weiteren Faktoren orientiert. Der Preis passt sich somit automatisch an die Einkaufskosten an. Dadurch können Tankstellen Sprit günstiger anbieten, aber nicht teurer.
Benzin und Diesel wohl auch nach deutschem Tankrabatt günstiger
Selbst nach dem deutschen Eingriff dürfte Österreich günstiger bleiben, schätzt Johannes Mayer, Energiemarkt-Experte der österreichischen Regulierungsbehörde E-Control, gegenüber der APA. Der Grund: Österreich erhebt strukturell knapp 27 Cent weniger Steuern auf Kraftstoffe als Deutschland. Dazu kommt ein günstigerer Einkaufspreis – Österreich bezieht Öl über Pipelines aus Italien und profitiert so von nordafrikanischen Quellen, erklärt Thomas Puls, Senior Economist im Institut der deutschen Wirtschaft, gegenüber BILD.
Tankrabatt wird in Deutschland kritisiert – „keine Medizin“
Nicht alle sehen den deutschen Rabatt als die richtige Lösung. Schleswig-Holsteins Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grüne) hält die Maßnahme für unzureichend: „Tankrabatte sind Beruhigungspillen gegen die fossile Inflation, keine Medizin“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Er kritisiert, dass der Rabatt allen zugute komme – auch Gutverdienern – und damit Steuergelder in fossile Antriebe fließen, die anderswo fehlen. Stattdessen plädiert er für eine Senkung der Stromsteuer um 2 Cent pro Kilowattstunde.
Auch der geplante Spritpreisdeckel steht in der Kritik. Tomaso Duso, Vorsitzender der Monopolkommission, warnt gegenüber der Süddeutschen Zeitung vor einem unerwünschten Effekt: „In der Praxis wird ein Deckel oft zum Zielpreis, an dem sich auch günstigere Tankstellen orientieren.“ In einem konzentrierten Markt könne das Preisniveau dadurch sogar steigen statt sinken. (Quellen: DPA, APA, BILD, Süddeutsche Zeitung) (rd)