Ostsee-Urlauber wollen Robbe reiten: Seehundjäger schlägt Alarm – „das größte Raubtier in Deutschland“

Stand: 07.08.2026, 06:30 Uhr

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Robbe in der Ostsee Greifswalder Bodden

Eine Robbe war sehr nah an den Strand der Ostsee geschwommen. Urlauber bedrängten das Tier. (Symbolbild) © dpa/Jens Büttner

Ein Vorfall am Ostsee-Strand sorgt jüngst für Entsetzen: Urlauber bedrängten eine Robbe, wollen sie sogar reiten. Für Seehundjäger Peter Klink ist das kein Einzelfall.

Ostsee-Urlauber bedrängen eine Robbe am Strand. Einige filmen oder fotografieren das Wildtier, andere streicheln es. Nach Angaben von Zeugen wird sogar darüber gesprochen, Kinder auf die Robbe zu setzen. Es sind Videoaufnahmen, die Seehundjäger Peter Klink kürzlich auf Facebook geteilt hat. Klink alarmiert unmittelbar, nachdem ihn diese Aufnahmen einer Freundin erreichen, den zuständigen Kollegen. Für ihn ist das Ereignis in Scharbeutz-Haffkrug kein Einzelfall.

Ostsee-Urlauber bedrängen Robbe – Seehundjäger warnt vor großer Gefahr

„Das sehe ich jeden Tag eigentlich. Das ist das Schlimme hier“, sagt Klink im Interview mit kreiszeitung.de. Zum einen lassen Urlauber Meerestiere aller Art in Ufernähe nicht in Ruhe. Zum anderen fassen sie die Tiere an, wenn sie können. Im Falle der Robbe standen Kinder nicht nur in unmittelbarer Nähe der Robbe – sie streichelten sie zudem und befanden sich direkt vor dem Maul. Das bedeutet nicht nur Stress für das Tier, sondern auch ein erhebliches Risiko für die Kinder.

Auch an Land werden Tiere von Urlaubern oftmals nicht in Ruhe gelassen. Kürzlich sollen Kinder eine Ente mit Steinen beworfen haben, bis sie starb.

Seehundjäger Peter Klink mit einer Robbe

Peter Klink ist seit 15 Jahren Seehundjäger an der Ostsee und kümmert sich unter anderem um kranke Robben. © Klink

„Das ist das größte Raubtier in Deutschland“, sagt Klink. Viele halten die Tiere für niedlich und denken, sie seien harmlos. Das sei ein gefährlicher Irrtum. „Kegelrollen haben ein Gewicht von etwa 250 Kilo – eine Vierteltonne ist das – und die sind ganz schön schnell.“ Zudem haben sie spitze Zähne und einen starken Kiefer, so Klink. „Seehundjäger tragen aus dem Grund bei ihrer Arbeit spezielle Schutzhandschuhe.“ Gegenüber unserer Redaktion berichtet Klink, dass Robbenbisse außerdem besondere Keime übertragen können. Deshalb führen Seehundjäger nach seinen Angaben sogar einen Begleitzettel für Ärzte mit, damit Betroffene bei einem Biss die richtige Behandlung erhalten.

Auch das Verhalten der Robbe in den Aufnahmen ordnet der Experte ein: Es sei ein Irrtum, dass Robben, die in die Nähe des Menschen kommen, diese bewusst suchen. Gesunde Tiere hielten normalerweise Abstand, so Klink. „Wenn die einen nah heranlassen und sich zum Beispiel anfassen lassen, dann haben die Tiere etwas – zum Beispiel eine Krankheit.“ Insbesondere deshalb sollten Touristen möglichst einen Abstand von 300 Metern zu den Robben halten.

Dennoch komme es immer wieder vor, dass sich Schaulustige nicht an diese Regel halten. Dann wird Klink zu dem Strandabschnitt gerufen. „Mein Bereich geht von Schleimündel bis in die Innenstadt von Kiel.“ Peter Klink sorgt – wie alle anderen Seehundjäger – unter anderem dafür, dass schaulustige Touristen die Tiere in Ruhe lassen. „Wenn sie nicht wollen, rufe ich zur Not die Polizei. Ganz einfach.“ Die Beamten sorgen dann dafür, dass der Einsatz sicher abläuft, erklärt Klink. Er beobachtet allerdings eine besorgniserregende Entwicklung.

Zwischen Aufklärung über Robben und Schaulust: Dilemma der sozialen Medien an der Ostsee

Seit Jahren verirren sich immer mehr Robben in die Ostsee. Gleichzeitig fehle es Urlaubern, aber auch Einheimischen an Wissen über die Tiere. Mit Sorge blickt Peter Klink insbesondere auf die Rolle sozialer Medien und die Berichterstattung über Begegnungen mit Meerestieren. „Auf der einen Seite ist Aufklärung notwendig. Allerdings kann es aber auch genau in eine andere Richtung umschwenken.“ Wird über Sichtungen von Walen, Delfinen oder Robben in der Ostsee berichtet, fahren oft „massenhaft“ Schaulustige dorthin, um Ausschau nach den Tieren zu halten – „obwohl jedes Mal appelliert wird, dies nicht zu tun“. Auch im Falle eines Buckelwals, der in den vergangenen Wochen für Aufsehen sorgte, traf dies zu. Für Strandbesucher hat Klink eine eindringliche Botschaft: „Sie sollen die Tiere lassen. Sie können sich die von Ferne angucken.“