Ötztal-Marathon: Benediktbeurer knackt 7-Stunden-Marke – trotz Krampf vor dem Ziel

Stand: 01.09.2026, 22:43 Uhr

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Ein Wunschtraum geht in Erfüllung: Florian Christ bewältigt den Ötztal-Marathon weit unter der magischen Marke von 7 Stunden.

Ein Wunschtraum geht in Erfüllung: Florian Christ bewältigt den Ötztal-Marathon weit unter der magischen Marke von 7 Stunden. © privat

Florian Christ aus Benediktbeuern absolviert die 227 Kilometer in 6:53:35 Stunden und wird Gesamt-14. Kurz vor dem Ziel schleudert ihn ein Krampf fast von der Rennmaschine.

Sölden/Benediktbeuern – Mehr gibt es nicht. Unter sieben Stunden beim Ötztal-Marathon? Da klappt dem Gesprächspartner in der Radsportszene der Kiefer nach unten. „Meine bisher beste Leistung“, ordnet Florian Christ deshalb auch sein Resultat beim Tiroler Radsport-Klassiker ein. Der Benediktbeurer benötigte 6:53:35,4 Stunden für die Tortur über 227 Kilometer und vier Alpenpässe mit 5500 Höhenmetern. Die letzten beiden Scharfrichter im Wettkampf, der Jaufenpass und das Timmelsjoch, würden einem Hobby-Radler locker als Tagwerk reichen. Die Ötztal-Marathonis haben bereits mehr als 3500 Hm in den Beinen, wenn sie sich über 44 Kehren und knapp 1800 Hm Anstieg am Stück auf den Weg zur Passhöhe machen. „Ich bin super zufrieden, sowohl mit den Platzierungen als auch mit der Zeit. Die ist richtig viel wert.“ Der 30-Jährige aus dem Team Velolease wurde Gesamt-14. und 7. seiner AK.

An den Auffahrten zum Jaufenpass und Timmelsjoch war „jeder mit sich selbst beschäftigt“, sagt Florian Christ.

An den Auffahrten zum Jaufenpass und Timmelsjoch war „jeder mit sich selbst beschäftigt“, sagt Florian Christ. © privat

Erstmals setzte bei Christ ein dickes Grinsen ein, als er es nach 6:23 h auf das 2474m hohe Timmelsjoch geschafft hatte. „Da wusste ich: In der Abfahrt zur Mautstation und dem Gegenanstieg bleibe ich unter sieben Stunden, da geht nicht mehr viel schief.“ Ging aber doch: Am Anstieg schleuderte ihn ein Krampf in den Beinen fast von seiner Rennmaschine. Er musste schieben, durchlief eine Achterbahn der Gefühle. Wird es doch wieder nichts? Im Vorjahr blieb er Minuten über der magischen Marke. Sollte er wieder knapp scheitern? Doch nach einer Weile hievte sich Christ zurück in den Sattel, wanderte auf dem Grat zwischen Krampf-Vermeidung und Geschwindigkeit – und schaffte es locker innerhalb seines Limits über die Linie. Jubel pur. Umarmung seiner Freundin.

Bei 115 Sachen auf der Abfahrt ohne Brille hat‘s einem ganz schön das Wasser aus den Augen getrieben.“

Doch bis dahin war es ein weiter Weg. Der Benediktbeurer fand sich in einem illustren Starterfeld mit großen Namen. Und das sprengte gleich mal auf der Abfahrt vom Start in Sölden runter nach Ötz das Feld. Allen voran Ex-Profi Anton Palzer, für den Gesamtrang fünf am Ende schon fast eine Enttäuschung war. Mit ihm Titelverteidiger Daniel Federspiel, der spätere Sieger Jack Burke (Kanada), der schon gewonnen hatte und mit 6:29:21 h einen neuen Streckenrekord aufstellte. Oder der mehrfache österreichische Mountainbike-Staatsmeister Alban Lakata, bergauf eine Macht. Oder Lokalmatador Miguel Brugger, der Gesamtdritter wurde.

Doch Christ hatte ebenfalls einen guten Tag. Er machte auf dem Anstieg hinauf nach Kühtai 100 Plätze gut, fuhr die Tagesbestzeit am Pass. „Dann wollte ich mal mutig sein und bin alleine weggefahren.“ Er war sich nicht sicher, ob er es büßen oder die illustre, zu der Zeit 15-köpfige Führungsgruppe einholen würde. Er schaffte es nach vorn. „Die haben richtig Tempo gemacht, Toni Palzer hat sich darum gekümmert, dass jeder Führungsarbeit verrichtet.“ Und so fand sich auch Christ zeitweise ganz vorn an der Spitze des Rennens. Ein erhabenes Gefühl. Das er allerdings ohne seine Brille genießen musste. Die ging verloren, als er bei einem Antritt den Blick nach hinten richtete. Ersatz gab es nicht. „Bei 115 Sachen auf der Abfahrt war das manchmal nicht so gut“, sagt der Benediktbeurer. „Da hat‘s einem ganz schön das Wasser aus den Augen getrieben.“

Zwischendrin schloss Gravel-Spezialist Sebastian Breuer nach vorn auf, brachte praktischerweise Christs Teamkameraden Quirin Raublinger mit. Das Tempo blieb bis nach Innsbruck und dann zum zweiten Pass, dem Brenner, extrem hoch. Die Stimmung an der Strecke tat ein Übriges. „Massenhaft Fans, die haben alle angefeuert, irre, das war richtig cool“, sagt Christ. In Sterzing angekommen, hatten die Favoriten noch nicht genug. Palzer und Burke legten am Anstieg zum Jaufenpass den hohen Gang ein und zogen allein davon. „Irres Tempo, die hab‘ ich ziehen lassen.“ Zumal ja mit dem Timmelsjoch noch der größte Anstieg folgen würde.

Und so langsam machten sich das hohe Tempo und die Antritte bemerkbar, auch wenn die äußeren Bedingungen „perfekt waren“: nicht kalt und nicht zu heiß. Christ, sein Ziel mit der Zeit unter sieben Stunden immer noch vor Augen, kurbelte unablässig weiter. Verlor seinen Teamkameraden Raublinger. War in einer Vierergruppe mit Breuer unterwegs. „Da hat jeder sein eigenes Tempo getreten, das hat zusammengepasst.“ Er erreichte die Jaufen-Passhöhe, warf sich in die nächste Abfahrt. Unten in St. Leonhart fuhr Christs Gruppe auf Lakata auf und ging mit dem ehemaligen MTB-Profi in die Steigung. „Aber da war jeder nur noch mit sich selbst beschäftigt.“ An der Timmelsbrücke wartete sein Vater, der ihm ein Wasser reichte. „Das war in dem Moment, nach den ganzen Gels, Gold wert.“ Und so langsam wurde dem Benediktbeurer klar: Er kann es schaffen. Überstand Krampf und Erschöpfung. Und ließ sich feiern.

Christ hatte sein Ziel erreicht. Seine Mannschaft ihres knapp verfehlt: Velolease, mit 14 Fahrern angetreten, wollte sich unbedingt den Sieg in der Teamwertung zurückholen. Doch Infinity, das Team von Brugger, war noch etwas schneller, und Velolease landete auf Rang zwei. Das trübte die Freude bei Christ nicht großartig. „Was mir auffällt: Die Leistungen haben sich brutal verbessert.“ Mit seinem Ergebnis wäre er 2024 noch Gesamt-Zweiter geworden, Burke pulverisierte den Streckenrekord um 15 Minuten. „Die Athleten, das Material, das Training sind besser geworden“, führt Christ als Erklärung an. Er selbst hat sich auch gesteigert: um 12 Minuten im Vergleich zum Vorjahr.

Für den Lenggrieser Marcus Meinecke ging es nicht um Bestzeiten. Er wollte ankommen. Und das gelang ihm: Der 45-Jährige schaffte es sehr stolz in 11:36:10,4 Stunden ins Ziel zurück in Sölden.