Ozempic und Wegovy: Abnehmspritze könnte Sehkraft beeinflussen

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Sie haben die Behandlung von Erkrankungen wie Adipositas (Fettleibigkeit) und Typ-2-Diabetes grundlegend verändert: GLP-1-Medikamente wie Wegovy oder Ozempic. In erster Linie werden sie von Ärzten und Ärztinnen verschrieben, um den Blutzucker zu senken und den Appetit zu zügeln. Doch schon länger testen Wissenschaftler in Studien aus, welche unerwarteten Wirkungen auf die Gesundheit die aus der Abnehmspritze bekannten Medikamente außerdem noch erzielen.

Eine neue Untersuchung hat nun einen weiteren unbeabsichtigten Effekt der GLP-1-Rezeptoragonisten (GLP-1-RA) auf den Körper aufgedeckt. In einer Studie, veröffentlicht in der Fachzeitschrift „Diabetes, Obesity and Metabolism“, stellten Forscher fest, dass GLP-1-Medikamente mit einem geringeren Risiko für altersbedingte Makuladegeneration (AMD) verbunden sind. Dahinter verbirgt sich eine häufige Krankheit der Augen, bei der die Stelle des schärfsten Sehens langsam abstirbt. Sie stellt die Hauptursache für irreversiblen Sehverlust bei älteren Erwachsenen dar. Allein deutschlandweit sind Schätzungen zufolge knapp sieben Millionen Menschen betroffen.

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In der Studie analysierte ein Team unter der Leitung des klinischen Pharmakologen Cheng-Hsien Hung von der Chung Shan Medical University in Taiwan Patientendaten von mehr als 157.000 Patienten. Alle Patienten waren 60 Jahre oder älter. Zudem waren alle übergewichtig, aber niemand hatte Diabetes.

Die Forscher teilten die Teilnehmenden in zwei Gruppen ein: Die eine Gruppe hatte mit der Einnahme von GLP-1-Medikamenten zur Gewichtskontrolle begonnen (entweder Liraglutid, Semaglutid oder Tirzepatid, die auch in den Abnehmspritzen verwendet werden). Die zweite Gruppe hatte begonnen, andere Arten von Nicht-GLP-1-Medikamenten zum Gewichtsverlust einzusetzen.

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Im Ergebnis zeigte sich über mehrere Jahre hinweg: Wer GLP-1-Medikamente nahm, bekam signifikant seltener eine altersbedingte Makuladegeneration (AMD). Patienten, die andere Abnehmmittel einnahmen, erkrankten häufiger. Insgesamt war die Anwendung von GLP 1 mit einem geschätzten um 18 Prozent geringeren Risiko einer AMD-Erkrankung im Nachbeobachtungszeitraum verbunden. Dieses Risiko erhöhte sich auf 30 Prozent, wenn die Art der AMD in den Daten nicht spezifiziert war.

Für die „feuchte“ Form der AMD (exsudative AMD) war kein Zusammenhang erkennbar. Ein Trend zu einem verringerten Risiko zeigte sich dagegen für die „trockene“ AMD (auch nicht exsudative AMD genannt, die häufigste Form der Erkrankung) durch die Anwendung von GLP 1, dieser war jedoch statistisch nicht signifikant .

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Frühere Forschungen hatten Hinweise auf eine ähnliche Schutzwirkung von GLP-1-Medikamenten gegen AMD ergeben. Die Forscher dieser Studie haben sich aber gezielt auf Patienten ohne Typ-2-Diabetes konzentriert, um glykämische und diabetische Faktoren auszuschließen, die die Ergebnisse verfälschen könnten.

Warum GLP-1-Medikamente ältere Erwachsene vor Sehverlust schützen könnten, kann die Wissenschaft bisher nicht mit Sicherheit sagen. Die Forscher der Studie aus Taiwan sagen, dass GLP 1 eine neuroprotektive Wirkung haben könnte, indem es Entzündungen in der Netzhaut reduziert. Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass Menschen mit Adipositas, die GLP-1-Medikamente einnehmen, einen größeren Gewichtsverlust erzielen als diejenigen, die andere Arten von Abnehmmedikamenten verwenden. Dies könnte ebenfalls zu einer Senkung des AMD-Risikos beitragen.

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„Gewichtsverlust an sich reduziert systemische Entzündungen und oxidativen Stress, was unabhängig davon das AMD-Risiko verringern kann“, erklären die Forscher in ihrer Studie. Wie das Team erklärt, sind weitere Untersuchungen nötig, um herauszufinden, woher der mögliche Effekt kommt. Zudem war die Nachbeobachtungszeit der Studie relativ kurz, mit einem Jahr (GLP-1-Anwender) beziehungsweise 2,5 Jahren (Vergleichsgruppe), und es waren neue Nutzer. Anders gesagt: Die beobachteten Effekte sind möglicherweise nicht von Dauer.

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„Ob der beobachtete Nutzen auf eine direkte neuroprotektive Wirkung von GLP-1-RA auf die Netzhaut, auf einen größeren Gewichtsverlust oder auf beides zurückzuführen ist, lässt sich anhand der vorliegenden Beobachtungsdaten nicht feststellen“, fassen die Studienautoren zusammen.