Pakistans Drahtseilakt zwischen Saudi-Arabien und dem Iran

Die Huthi-Miliz hat zwei saudi-arabische Öltanker in der Meerenge Bab al-Mandab im Roten Meer attackiert und fordert damit die Friedensbemühungen Pakistans in der Region heraus.

Die schiitische Huthi-Miliz gilt als der verlängerte Arm des iranischen Regimes. Jahrzehnte lang wurde sie vom Iran, ebenfalls schiitisch, aufgerüstet und ausgebildet und kontrolliert im Jemen die Hauptstadt Sanaa und große Gebiete am Roten Meer.

Saudi-Arabien, mehrheitlich sunnitisch, gilt als US-Verbündeter in der Golfregion. Noch letzte Woche wurde bekannt, dass die USA und die Herrscherfamilie in Riad ein Abkommen geschlossen hatten, um damit ein ziviles Atomprogramm für den Golfstaat zu entwickeln.

Pakistan ist der Nachbar des Iran und versteht sich gleichzeitig als Vermittler zwischen Teheran und Washington im Iran-Krieg. Im April war Islamabad Gastgeber eines Spitzentreffens zwischen den beiden Regierungen, das allerdings ohne konkrete Ergebnisse zu Ende ging.

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Balanceakt in der Diplomatie

Nun verurteilte die Regierung in Islamabad nachdrücklich die anhaltenden Bedrohungen der maritimen Sicherheit und bekräftigte seine strategische Partnerschaft und Zusammenarbeit mit Riad.

Jede militärische Aktion gegen die Huthis im Jemen würde Islamabad aber in eine komplizierte Situation bringen. Pakistan befindet sich im Spannungsfeld zwischen Saudi-Arabien und dem Iran und will konkurrierende regionale Interessen ausgleichen und vermeiden, in einen weiteren Nahostkonflikt verwickelt zu werden.

Historisch gesehen pflegen Saudi-Arabien und Pakistan seit Langem enge militärische und strategische Beziehungen. Pakistanische Generäle und Militärberater unterstützen das Königreich seit Jahrzehnten. Beide Länder haben kürzlich ein Verteidigungsabkommen unterzeichnet.

Saudi-Arabien Riad 2025 | Mohammed bin Salman und Shehbaz Sharif bei Unterzeichnung des Verteidigungsabkommens
Saudischer Kronprinz Mohammed bin Salman und Pakistans Premier Shehbaz Sharif bei Unterzeichnung des Verteidigungsabkommens am 17.09.2025Bild: Saudi Press Agency/REUTERS

"Pakistanische Truppen befinden sich bereits im Jemen, um den Verbündeten Saudi-Arabien zu unterstützen. Militärberater und eine kleine Anzahl pakistanischer Soldaten sind im Hadramaut präsent, wo sie gemeinsam mit saudischen Streitkräften Sicherheits- und Ausbildungsaufgaben wahrnehmen", sagt Farea Al-Muslimi, Jemen-Experte der britischen Denkfabrik Chatham House. Der Hadramaut ist eine große Region im Osten des Jemen. Allerdings bestreitet Pakistan seine Militärpräsenz im Jemen.

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"Defensive Unterstützung"

"Anscheinend wurden schon Truppenbewegungen in der Grenzregion registriert. Es dürfte sich hauptsächlich um Luftangriffe oder Unterstützung auf dem Meer handeln. Das wird für Pakistan schwierig werden", sagt Ayesha Siddiqa, eine pakistanische Militäranalystin am King's College London, im DW-Interview.

Angesichts der Angriffe der Huthis auf Öltanker und andere Handelsschiffe könnte Saudi-Arabien, das nördlich des Jemen liegt, um umfangreiche Unterstützung von Pakistan bitten. Trotz der engen Verteidigungsbeziehungen halten es Analysten aber für unwahrscheinlich, dass Islamabad Kampftruppen gegen die Huthis einsetzen werde. Seine Unterstützung werde lediglich auf defensive Zusammenarbeit beschränken.

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"Pakistan würde defensive militärische Aktionen bevorzugen, da sich eine Ausweitung der Operationen im Roten Meer als zu riskant für die Region und die Welt erweisen könnte", sagt Siddiqa. Vorstellbar seien Austausch von Geheimdienstinformationen, Zusammenarbeit bei der Luftverteidigung, Seeüberwachung und Schutz kritischer saudischer Infrastruktur. Solche Aktionen schließen die Offensivoperationen aus.

Starke Verbindung zu Teheran

Es sei denkbar, dass Saudi-Arabien um pakistanische Hilfe bittet, sollten die Angriffe durch die Huthi-Miliz zunehmen, sagt Michael Kugelaman, Senior Fellow für Südasien beim Atlantic Council in Washington. "Pakistan ist einer der engsten Verteidigungspartner Riads. Der Verteidigungspakt macht eine solche Bitte plausibel."

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Die Frage steht dabei im Raum, wie Pakistan auf ein solches Ersuchen von Saudi-Arabien reagieren würde. Setzt Islamabad sein neues Image als Friedensstifter im Iran-Krieg aufs Spiel?

"Pakistan könnte zum Beispiel argumentieren, es kämpfe nicht direkt gegen den Iran, sondern gegen die Huthi-Miliz", sagt Analystin Siddiqa. "Auf jeden Fall hat Pakistan den Iran mehrfach gewarnt, dass es im Falle eines Konflikts Saudi-Arabien unterstützen wird. Pakistan und der Iran pflegen ein kompliziertes Verhältnis, das auf der Abwägung taktischer Vorteile beider Seiten beruht. "

So eskalierte 2024 ein bewaffneter Kampf zwischen dem Iran und Pakistan. Beide Länder hatten sich gegenseitig mit Raketen beschossen und gaben an, Extremisten töten zu wollen. Insgesamt ist die gemeinsame Grenze 909 Kilometer lang. In der Grenzregion Belutschistan sind Gruppen militanter Separatisten aktiv. Sie ist auch Versteck weiterer terroristischer Organisationen. Gleichzeitig ist die pakistanische Provinz Belutschistan wirtschaftlich vom Billigölexport aus dem Iran abhängig.

"Eine begrenzte militärische Unterstützung für Saudi-Arabien würde Pakistans Beziehungen zum Iran nicht zwangsläufig zerstören. Doch in einer Zeit, in der Islamabad versucht, sich als neutraler Vermittler zu präsentieren, könnte eine Ausweitung der Waffenlieferungen an Riad das Misstrauen Teherans vertiefen und Pakistans diplomatische Rolle untergraben", kommentiert Kugelman. Jede militärische Unterstützung für Riad sei politisch riskant und potenziell schädlich für seine Beziehungen zu Teheran.

Riad am Ende der Geduld

Saudi-Arabien blieb bisher trotz wiederholter Angriffe durch die Huthi-Miliz zurückhaltend. Ein Ausufern der Waffengewalt und Attacken auf die Ölinfrastruktur und Handelsschiffe könnte Riad jedoch letztendlich dazu zwingen, aggressiver zu reagieren, sagt Al-Muslimi.

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Saudi-Arabien habe die militärische Fähigkeit, einen langwierigen Krieg gegen die Huthis zu führen. "Es könnte die Luftangriffe intensivieren. Doch ist es unwahrscheinlich, dass mehr Bombardements allein das Ziel erreichen, das Königreich sicherer zu machen", sagt Siddiqa.

Wie Saudi-Arabien mit den Huthis umgehe, hänge vom weiteren Verlauf des Iran-Kriegs ab, glaubt Michael Kugelman. "Sollte die derzeitige Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran anhalten, wird sich Riad mit Angriffen zurückhalten, damit die Situation nicht weiter eskaliert. Saudi-Arabien wird Pakistan jedoch weiterhin als wichtigen Sicherheitspartner betrachten, da die Angriffe der Huthi-Miliz wahrscheinlich nicht aufhören werden, selbst wenn der Konflikt mit dem Iran endet", so Kugelman.

Aus dem Englischen adaptiert von Dang Yuan