Pamela Anderson oder wie man Hollywood überlebt | Kleine Zeitung

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Pamela Anderson wurde in Venedig für ihren Kampf gegen AIDS ausgezeichnet. Über eine Schauspielerin, die sich neu erfinden musste, um in Hollywood wieder Fuß zu fassen.

Pamela Anderson bei den Filmfestspielen von Venedig

© AFP

Pamela Anderson bei den Filmfestspielen von Venedig

Susanne Rakowitz

Susanne Rakowitz

vor 12 Minuten

9. September 2026 um 18:17

Beherzt könnte man natürlich schreiben: Pamela Anderson schwimmt sich frei. Das würde auf den ersten Blick ein rundes Bild ergeben. Baywatch und so, eh schon wissen. Aber es wäre eben jener erste Blick, der das Leben der 59-Jährigen viel zu lange dominiert hat und es immer noch tut. „Meine Brüste hatten eine Karriere und ich hing nur dran“, sagt sie in der Netflix-Produktion „Pamela: Eine Liebesgeschichte“, die 2023 von ihrem Sohn Brandon Thomas Lee mitproduziert wurde.

Eine „Doku“ als eine Art Gegenentwurf zur langjährigen vorherrschenden Erzählung. In dieser bleibt die Rolle der Rettungsschwimmerin Casey Jean „C. J.“ Parker an ihr kleben, die sie in den 1990ern fünf Jahre lang an der Seite von David Hasselhoff in der Serie „Baywatch“ gespielt hat. Blond und roter Badeanzug – noch Fragen? Die Sexfalle schnappte endgültig zu, als ein privates Sextape mit Anderson und ihrem damaligen Ehemann und Mötley-Crüe-Drummer Tommy Lee im noch jungen Medium Internet um die Welt ging. Pamela Anderson wurde zur Sexpuppe degradiert, Tommy Lee festigte seinen Ruf als Skandalrocker, während andere mit der rasanten Verbreitung von Raubkopien Unmengen von Geld scheffelten.

Und wieder eine neue Schublade

Über viele Jahre war die gebürtige Kanadierin Anderson mehr oder weniger präsent – nicht im oberflächlich glitzernden Hollywood, sondern mehr in Klatschblättern. Dass sie sich zunächst im Tierschutz, dann im Kampf gegen AIDS und letztlich auch politisch bis hin zur Unterstützung von Julian Assange engagierte, passte für viele nicht in das Erste-Blick-Bild vom Sexsymbol. In den letzten Jahren hat sie dieses Bild auch physisch radikal ausradiert – mit ihrem Verzicht auf aufwändige Make-up-Looks. Regelmäßig wird sie seit Jahren dafür für „ihre Natürlichkeit“ am Roten Teppich gefeiert. Dass man sie damit neuerlich in eine Schublade steckt, scheint für viele kein Problem zu sein. Die sich vom äußerlichen Hollywood-Glamour abgewendete Pamela Anderson. Das ist die Rolle, die sie nun zu spielen hat.

2024 hat sie sich jedoch auch ihr Leben als Schauspielerin zurückgeholt: Für ihre Darbietung als Tänzerin im mehrfach ausgezeichneten Film „The Last Showgirl“ wurde sie 2024 unter anderem für einen Golden Globe nominiert.

In Venedig wurde sie dieser Tage bei der amfAR-Gala mit dem „Award of Courage“ für ihr philanthropisches Engagement und ihren langjährigen Einsatz im Kampf gegen AIDS ausgezeichnet. Wofür man die zweifache Mutter längst hätte auszeichnen müssen: Für ihr Durchhaltevermögen in einer Soap-Opera namens Unterhaltungsindustrie, die dich hochjazzt, fallen lässt, auf dir herumtrampelt und dich wieder zum Liebkind erklärt. Das allein kann man schon als ziemlich große Lebensleistung verbuchen.