Vor dem Winter wächst der Druck: Burnham will Trump zu mehr Patriot-Hilfe für die Ukraine bewegen

Stand: 25.08.2026, 13:38 Uhr

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Der Ukraine fehlen Abfangraketen. Großbritanniens Premier Andy Burnham will deshalb bei US-Präsident Donald Trump für weitere Patriot-Hilfe werben.

London – Der Ukraine gehen die Abfangraketen aus. Die Bestände für die Luftverteidigung sind knapp, der Winter steht bevor – und mit ihm die Frage, wie das Land russische ballistische Raketen abwehren soll. Eine Antwort darauf gibt es bislang nicht. Der britische Premierminister Andy Burnham will das ändern.

Ukrainischer Präsident Selenskyj in Großbritannien

Der britische Premier Andy Burnham will der Ukraine weitere Unterstützung zusichern. (Archivbild) © Simon Jones/The Sun/PA Wire/dpa

Burnham gab am Montag in einem Bloomberg-Interview in Kiew bekannt, dass er im September gemeinsam mit anderen europäischen Staats- und Regierungschefs in die USA reisen will – am Rande der UN-Generalversammlung in New York. Ziel: Donald Trump persönlich davon zu überzeugen, der Ukraine Zugang zu amerikanischen Patriot-Raketen zu verschaffen.

Nach Kiew-Reise: Burnham will in Washington für mehr Patriot-Raketen für die Ukraine kämpfen

„Ich freue mich auf die Reise nach New York im September“, sagte Burnham. „Ich habe noch nicht alle Details bestätigt, aber ich werde wahrscheinlich fahren – besonders nach dem heutigen Gespräch. Ich verlasse Kiew heute mit einem völlig klaren Bild davon, was ich in den nächsten Wochen tun muss.“ Es wäre seine erste Reise in die USA seit seinem Amtsantritt als Premierminister.

Burnham reiste zuvor eigens nach Kiew, um sich ein direktes Bild der Lage zu verschaffen. Er verließ die ukrainische Hauptstadt nach eigenen Angaben mit einem Gefühl von „echtem Optimismus“ – überzeugt davon, dass die aktuellen Schwierigkeiten der Ukraine bei der Abwehr russischer Raketenangriffe „lösbar“ seien.

Der Schlüssel dazu liegt in Washington. Die Patriot-Systeme gelten als derzeit effektivste Waffe gegen ballistische Raketen – doch die USA haben bislang gezögert, der Ukraine weitere Abfangraketen zu liefern. Burnham will diesen Widerstand brechen.

Europa erhöht den Druck auf Washington: Burnham will neue Patriot-Hilfen für die Ukraine mobilisieren

Burnham setzt dabei auf Gemeinschaft: Er plant, gemeinsam mit anderen europäischen Führungspersönlichkeiten aufzutreten. Im Rahmen der UN-Generalversammlung erwägen die europäischen Partner zudem ein erneutes Treffen der sogenannten „Koalition der Willigen“ – um sowohl amerikanische Patriot-Raketen als auch Bestände anderer Länder für die Ukraine zu mobilisieren. „Es gibt andere Akteure, die helfen könnten und auf die wir Einfluss haben“, sagte Burnham – ohne konkrete Namen zu nennen. Zugleich machte er klar: „Das wird eine Entscheidung sein, die viele Ebenen und Verhandlungen erfordert.“

Bereits am Montag hatte Burnham gemeinsam mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj den Vorsitz eines Koalition-der-Willigen-Treffens in der Ukraine übernommen – am 35. Unabhängigkeitstag der Ukraine. Die Unterstützer sagten dabei eine Verstärkung der militärischen Hilfe für Kiew zu. Von den 30 Teilnehmern waren Burnham und die Staatenlenker von Luxemburg, Moldau, Estland sowie EU-Ratspräsident António Costa nach Kiew gereist. Andere, darunter Merz und Macron, schalteten sich per Video dazu.

Selenskyj hatte bei dem Treffen für zusätzliche Militärhilfen geworben. Die Ukraine benötige „viel mehr Geld“, um die Drohnenproduktion zu steigern und die Angriffe auf Russland zu verstärken, sagte Selenskyj vor den Staatenlenkern. Sein Land wolle mit Blick auf die Angriffe tief im Landesinneren Russlands „wettbewerbsfähig sein“, um „diesen Krieg auf russischen Boden zu verlagern und ihnen wirklich wehzutun“.

Großbritannien rüstet die Ukraine auf: Burnham treibt Waffen-Produktion und neue Raketenabwehr voran

Parallel dazu hat Großbritannien einen weiteren Schritt unternommen: Burnham bestätigte offiziell die Zusammenarbeit mit der Ukraine zur Übertragung von Technologien für die Produktion von Marschflugkörpern des Typs Storm Shadow/Scalp. Darüber hinaus wirbt Burnham bei der britischen Industrie für Unterstützung des europäischen Raketenabwehrprojekts FREYJA – einer potenziell günstigeren Alternative zum amerikanischen Patriot-System.

Die Ukraine kämpft mit einem niedrigen Bestand an Abfangraketen. Selenskyj hatte zuvor vor Journalisten erklärt, das ukrainische Verteidigungsministerium habe ein Haushaltsdefizit von rund 23 Milliarden Euro, weil Mittel, die ursprünglich für das zweite Halbjahr 2026 vorgesehen waren, vorzeitig in Anspruch genommen werden mussten. Im Vorfeld der Konferenz gab die EU weitere 6,1 Milliarden Euro aus einem 90-Milliarden-Euro-Darlehen frei – bestimmt für Luftabwehrsysteme, Lenkwaffen, Munition und Radarsysteme. Insgesamt hat die Ukraine seit 2022 mehr als 230 Milliarden Euro von europäischen Ländern und 115 Milliarden von den USA erhalten.

Russland greift die Ukraine seit Beginn seines Angriffskriegs im Februar 2022 fast täglich mit Drohnen und Raketen an. Der vergangene Monat war nach UN-Angaben der folgenschwerste für Zivilisten in der Ukraine seit Mai 2022.

Wadephul fordert mehr Unterstützung für Kiew – und mahnt: „Wir müssen auch ins Risiko gehen“

Auch Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) hat nach seinem Besuch in der Ukraine auf eine weitere Unterstützung des von Russland angegriffenen Landes gepocht. „Wir müssen auch ins Risiko gehen“, sagte Wadephul im Deutschlandfunk angesichts der Skepsis mancher Länder, der Ukraine dringend benötigte Munition für das Raketenabwehrsystem Patriot zu liefern, die diese Länder selbst benötigen könnten. „Deutschland hat es ja auch getan.“

„Ich meine, was die Bundeswehr zur Verfügung gestellt hat, das ging wirklich an die Grenzen des Verantwortbaren“, fuhr Wadephul fort. Er sei Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) dafür „außerordentlich dankbar“. Dieser habe „wirklich alles eingesetzt, was irgendwie verantwortbar war“.

Zugleich ermunterte Wadephul auch deutsche Städte und Gemeinden, die Ukraine stärker zu unterstützen. Diese sollten Partnerschaften mit der Ukraine nutzen und schauen, was sie „noch zur Verfügung stellen“ könnten. „Wir haben manches Gerät, manchen Stromerzeuger, vielleicht auch manchen Wasserbehälter in Deutschland, den wir zur Verfügung stellen können, und der einfach helfen kann, dass die Menschen gut durch den Winter kommen“, sagte der Bundesaußenminister. Wadephul war am Samstag zu einem Solidaritätsbesuch in die Ukraine gereist. Dabei sagte er der Ukraine weitere 50 Millionen Euro humanitäre Hilfe zu. (Quellen: Bloomberg, dpa, afp, Deutschlandfunk) (jal)