Kölner Tafel ist drei Wochen dicht: Was das für Bedürftige und Lebensmittelretter bedeutet

"Was soll ich mit 20 Euro im Supermarkt schon kriegen? Das ist nichts nichts im Vergleich zu dem, was wir sonst bei der Tafel bekommen." Herr M., geht seit zwölf Jahren zur Kölner Tafel

Trotzdem hat Herr M. Verständnis für die Sommerpause der Lebensmittelausgabestelle: "Die Ehrenamtlichen möchten auch mal Pausen machen. Das verstehe ich. Pause ist gerechtfertigt.“

Rund elf Tonnen Lebensmittel pro Tag

Normalerweise verteilt die Kölner Tafel täglich rund elf Tonnen Lebensmittel. Die Waren werden über das Netzwerk der Tafel an zahlreiche Ausgabestellen weitergegeben. Während der dreiwöchigen Sommerpause bleiben die rund 60 Ausgabestellen nun aber geschlossen.

Das hat nicht nur Folgen für die Menschen, die regelmäßig Lebensmittel erhalten. Auch ehrenamtliche Lebensmittelretter, die unabhängig von der Tafel Spenden sammeln und an Wohnungslosenvereine und Flüchtlingshilfen verteilen, stehen in dieser Zeit vor einer besonderen Herausforderung. Sie kritisieren die mehrwöchige Pause der Kölner Tafel.

Lebensmittelretter durch Pause der Tafel am Limit

Christian Horsters rettet seit 13 Jahren Lebensmittel in Köln. Die überschüssigen Mengen, die während der Sommerpause der Tafel entstehen, seien kaum zu bewältigen. "Du gehst da an dein Limit. Die zu rettende Menge erhöht sich von 8 auf 50 Tonnen pro Woche. Das ist eine absolute Zumutung von Seiten der Kölner Tafel“, sagt Horsters.

Auch Jennifer Burghof-Fleck engagiert sich ehrenamtlich in der Lebensmittelrettung. Die zusätzliche Belastung sei deutlich spürbar: "Wenn die Tafel-Ferien sind, arbeiten wir nicht mehr nur zwei Tage pro Woche ehrenamtlich, sondern müssen jeden Tag raus. Das ist eine riesige Steigerung und schwierig, weil wir es ehrenamtlich machen. Und in den Sommerferien haben wir ohnehin weniger Personal.“

Warum drei Wochen Sommerpause?

Die Kölner Tafel begründet die Pause unter anderem mit notwendigen Wartungs- und Reparaturarbeiten an den Fahrzeugen. "Wir haben 16 Transporter im Einsatz und einen Lkw. Diese Fahrzeuge haben einen Reparaturstau, den wir nur in der Sommerpause abarbeiten können", sagt Karin Fürhaupter, die Vorsitzende der Kölner Tafel. Noch wichtiger sei aber etwas anderes.

"Unsere Helferinnen und Helfer brauchen eine Erholungspause. Wir wollen die nicht verschleißen. Alle haben durchgehalten, das ganze Jahr, auch bei 38 Grad." Karin Fürhaupter, Kölner Tafel

Herausforderung für eine Großstadt

Die Sommerpause zeigt, wie wichtig die Arbeit der Kölner Tafel und ihrer Helferinnen und Helfer für viele Menschen ist. Gleichzeitig stellt sie eine grundsätzliche Frage: Wie kann eine Großstadt wie Köln die Lebensmittelhilfe sicherstellen, wenn eine zentrale soziale Infrastruktur für drei Wochen ausfällt?

Unsere Quellen:

  • Tafel Köln
  • Abgeschrieben e.V.