Permanent Wave: 25 Albumcover, die die amerikanische Flagge brillant einsetzen
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Revolutionäre Rap-Alben, Rockklassiker, Huldigungen und Proteste – 25 Albumcover mit der US-Flagge.
3 Nennungen: Bruce Springsteen, "Born In The U.S.A." 1x CDU, 1x SPD, 1x Linke
Foto: Sony Music. All rights reserved.

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Die amerikanische Flagge weht seit 250 Jahren über Schlachtfeldern, Veranden, Mondlandungen und Hotdog-Wettessen – doch sie hat sich nebenbei auch eine beachtliche Karriere als Albumcover-Motiv aufgebaut. Mal taucht Old Glory mit Hand-aufs-Herz-Aufrichtigkeit auf Platten auf, öfter aber wird sie neu interpretiert, umgenäht, um Rapper gewickelt oder anderweitig traktiert, dass jedem Gemeinschaftskundelehrenden das Blut in den Nationalfarben gefriert.
Der Grund: Musikerinnen und Musiker begnügen sich nicht damit, die Flagge als schlichte patriotische Dekoration einzusetzen. Sie wird als Symbol für Rebellion, Identität, Heuchelei, Hoffnung, Angst und jeden Widerspruch vereinnahmt, der im amerikanischen Experiment steckt.
Betrachte dies also als geführten Rundgang durch 25 der eindrucksvollsten flaggentragenden Plattencover, die je auf Vinyl, CD oder als Pixel gepresst wurden – der Beweis, dass kein Grafikdesigner in der Popmusik härter geschuftet hat als Betsy Ross.
Die durchscheinenden Flaggen auf dem Cover des 1969er Debütalbums der Detroiter Proto-Punk-Legenden MC5 sind ebenso sehr musikalisches wie politisches Manifest. Gleichermaßen von John Coltrane und Chuck Berry wie von der radikalen White-Panther-Partei beeinflusst, traten die feurigen Fünf die Türen ein mit einem aufgeputschten amerikanischen Gebräu aus verzerrtem Garage-Rock, Hard Rock und Soul – roh und live eingespielt.
Auf dem Höhepunkt der Gegenkultur der Sechziger veröffentlicht, markierte Jefferson Airplanes „Volunteers“ eine dramatische Wende: weg vom nach innen gerichteten „Surrealistic Pillow“, hin zu einer dezidiert antikriegs- und antiestablishment-Haltung. Aus der Distanz wirkte die Flagge auf dem Cover abgenutzt und schlammverschmiert – doch wer genauer hinschaute, erkannte, dass die Flecken aus Ästen und Blattwerk bestanden, vielleicht als Bild eines tief gezeichneten Amerika, das dennoch zur Erneuerung bereit war.
Das collagierte Bild zweier großer amerikanischer Triumphe – das Hissen der Flagge auf Iwo Jima und die Apollo-11-Mondlandung – auf Canned Heats Album von 1970 könnte feierlich wirken, wäre da nicht die auf dem Kopf stehende Flagge: das traditionelle militärische Notsignal. Auf einem Album, das immer wieder auf Umweltzerstörung und die Folgen amerikanischen Technikfortschritts zurückkommt, scheint das Bild zu fragen: „Wir haben den Mond bezwungen – aber zu welchem Preis?“
„There’s a Riot Goin‘ On“ erschien 1971, als der Optimismus von Woodstock und „Everyday People“ der düsteren Stimmung der Nixon-Jahre wich. Für Sly Stone verlangten die dunkleren, gespalteneren Zeiten nach einer neuen, vereinenden Flagge für alle Menschen: Schwarz für die Abwesenheit von Farbe, Rot für das Blut, das wir alle teilen, und die Sonne statt der Sterne – weil man die, wie er behauptete, nie lange suchen müsse.
Auf dem Cover von Don McLeans „American Pie“ von 1971 sucht man ein stattliches Sternenbanner vergebens – stattdessen: der gute alte Don mit seinem rot-weiß-blau bemalten Daumen. Dieser selbstgebastelte Umgang mit der Flagge passt zu einem Album, dessen Titelsong den Tod von Buddy Holly – und andere Tragödien der Ära – heraufbeschwört, um ein umfassenderes Gefühl von Amerikas verlorener Unschuld beim Verblassen des Idealismus der Sechziger einzufangen.
Man konnte der Flagge auf dem Cover von Johnny Cashs „Ragged Old Flag“ nicht verübeln, dass sie 1974 etwas mitgenommen aussah. Im Schatten von Watergate und Vietnam entwirft ein desillusionierter Cash auf dem gesprochenen Titeltrack ein Bild der Flagge als müden, aber ungebrochenen Überlebenden: „She’s been through the fire before / And I believe she can take a whole lot more.“
Das Fanzine-hafte Cover des Live-Debütalbums des wegweisenden Minnesota-Punk-Trios sieht aus, wie es klingt: Es beschwört die rohe, fotokopierte DIY-Ästhetik des frühen amerikanischen Hardcore. Wie die 17 atemlos-rasenden Punkattacken des Albums ist das Bild flaggendrapierter Militärsärge vergleichsweise typisches Achtziger-Punk-Territorium – doch die Entwicklung der Band zu Pionieren des melodischen, introspektiven Post-Hardcore sollte nicht lange auf sich warten lassen.
Diese Veröffentlichung von 1981 gehörte zu den ersten Compilations des amerikanischen Underground-Punk und trug dazu bei, die aufkeimende Szene einem weit größeren Publikum zugänglich zu machen. Die Bands reichen von geradlinigem Hardcore (Black Flag, Dead Kennedys) bis zu lärmendem Art-Punk (Half Japanese, Christian Lunch) – doch in einem dürften sie sich einig sein: Das Land steckt in der Klemme, wie die umgekehrte Flagge auf dem Cover bezeugt, und Ronald Reagan sowie sein bevorzugtes Bonbon haben einiges zu verantworten.
Wenn Bruce uns auf seinem kommerziellen Durchbruch von 1984 eines gelehrt hat, dann dies: nicht alles für bare Münze zu nehmen, was man sieht. Unter dem ostentativ patriotischen Cover und den arenafüllenden Refrains lagen Songs über desillusionierte Vietnam-Veteranen, kämpfende Arbeiter, verödende Heimatstädte und Amerikaner, die sich von dem Land, das sie liebten, abgehängt fühlten – eine Vielschichtigkeit, die viele Hörerinnen und Hörer nicht sahen (oder sehen wollten).
2 Live Crews Album „Banned in the U.S.A.“ von 1990 erschien unmittelbar nach den Obszönitätsprozessen rund um ihre vorige Veröffentlichung „As Nasty As They Wanna Be“, in deren Folge Behörden in Florida Mitglieder der Gruppe verhafteten, weil sie die Songs öffentlich aufgeführt hatten. Indem sie sich für das Cover von „Banned“ in patriotische Symbolik hüllten, rahmten sie die Kontroverse als Kampf um den First Amendment und argumentierten, dass Zensur – und nicht „Me So Horny“ – zutiefst unamerikanisch sei.
Old Glory liegt auf dem Cover von „Death Certificate“ über der mit Zehenschild versehenen Leiche von Uncle Sam – Ice Cubes Anklage von 1991 gegen ein Amerika, das seine schwarzen Gemeinschaften nach seiner Überzeugung systematisch im Stich gelassen und ausgebeutet hatte. Veröffentlicht vor dem Hintergrund der Prügelattacke auf Rodney King, einer verheerenden Crack-Epidemie und Masseninhaftierungen, die People of Color unverhältnismäßig hart trafen, war „Death Certificate“ bitterernst gemeint.
Das Cover von Biz Markies „All Samples Cleared!“ von 1993 war eine weitere freche Antwort auf ein Gerichtsurteil mit gravierenden Folgen für die Zukunft von Hip-Hop und Redefreiheit. In einer wegweisenden Entscheidung wurde The Biz verurteilt, 250.000 Dollar dafür zu zahlen, dass er auf seinem vorigen Album ohne Genehmigung ein Sample von Gilbert O’Sullivans Hit „Alone Again (Naturally)“ von 1972 verwendet hatte – ein entscheidender Sargnagel für die Ära des freien Samplings. Als ironische Verbeugung vor dem Fall sitzt Biz nun neben der Flagge auf einer Richterbank, um klarzustellen: Er hat sich ans Gesetz gehalten.
The Crowes wussten genau, was sie taten, als sie für ihr 1994er Album ein auffällig buschiges Bild aus der Bicentennial-Ausgabe von „Hustler“ von 1976 als Cover wählten. Der darauffolgende Aufschrei – Kmart und Walmart weigerten sich, das Album zu führen, bis die Band ein alternatives, geschwärztes Cover erstellte – sagte mehr über den Zustand von Zensur und kulturellen Werten in Amerika aus als jeder Songtext es hätte können.
Al Jourgensen ließ auf den Erfolg von Ministrys 1992er Album „Psalm 69″ – eine intensive Breitseite aus sample-durchsetztem Industrial-Thrash – das langsame, schleppende, durch und durch trostlose „Filth Pig“ folgen. Das passend verstörende Albumcover – auf dem ein im Anzug gekleideter Mann eine kleine amerikanische Flagge umklammert, während dickes rotes Blut von dem rohen Fleischstück auf seinem Kopf sein Gesicht herunterläuft – ist der erste Hinweis, dass gute Zeiten nicht unbedingt bevorstehen.
Das auf dem Kopf stehende Schwarz-Weiß-Sternenbanner, das einem vom Cover von OutKasts Sonic-Manifest „Stankonia“ aus dem Jahr 2000 entgegenspringt, bildet die Nationalflagge der von den beiden imaginierten Afrofuturistischen Freak-Utopie – und eine kraftvolle visuelle Entsprechung für die Themen des Albums: politische Beklemmung, schwarze Identität und künstlerische Neuerfindung. Mehr als bloßes Protestsymbol ist es eine Erklärung, dass Amerika keine feststehende Idee ist – es lässt sich remixen, neu definieren und aufgeilen.
Mit „Brat“ hat Charli XCX einen popfeministischen Sommer geprägt. Auf ihrem neuen Album würdigt sie hingegen alte Männer. ROLLING STONE hat für die August-Ausgabe drei Tage mit einer der wichtigsten Künstlerinnen der letzten Jahre verbracht. Dazu: Die besten Pop-Alben des 21. Jahrhunderts. Ab 31. Juli im Handel: Hier bestellen!
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