Pest in Russland? "Wirkt, als hätten sie etwas zu verbergen" – Experte schlägt Alarm
Pest in Putins Reich
Experte schlägt Alarm: "Als hätten sie etwas zu verbergen"
Aktualisiert am 08.10.2026 - 08:09 UhrLesedauer: 3 Min.
Russland streitet jede Gefahr durch einen Lungenpest-Ausbruch in Sibirien ab. Doch die internationale Gemeinschaft zweifelt – und Trump will Putin persönlich zur Rede stellen.
Nach Berichten über einen zweiten Lungenpest-Fall in Sibirien gerät Russland verstärkt unter Druck. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus forderte am Mittwoch die Führung in Moskau auf, "Licht in die Medienberichte über einen zweiten Mitarbeiter zu bringen, der an einer Lungenentzündung ungeklärter Ursache erkrankt ist". Auch die USA und die EU drängten auf Aufklärung. Die russische Gesundheitsbehörde erklärte, es gebe "keinerlei epidemische Risiken".
Ungeachtet der Versicherungen aus dem Nachbarland verstärkte die an Russland grenzende Mongolei die Sicherheitsvorkehrungen. Die Regierung erklärt, trotz des "geringen Risikos" habe das Gesundheitsministerium die zuständigen Stellen angewiesen, "Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen sowie eine kontinuierliche Überwachung und Nachverfolgung sicherzustellen, um potenziellen Risiken vorzubeugen". An der Grenze zu Russland würden "Maßnahmen zur gesundheitlichen Überwachung und Nachverfolgung umgesetzt", der Betrieb laufe ansonsten aber normal weiter.
Hunderte Menschen in Quarantäne
Russischen Medien zufolge war in der vergangenen Woche eine 28 Jahre alte Laborarbeiterin eines Forschungszentrums zur Pestbekämpfung in Irkutsk in Sibirien an der Lungenpest gestorben. Sie soll sich durch ein zerbrochenes Reagenzglas infiziert haben. Der Nachrichtenwebsite "Menschen des Baikal" zufolge wurden rund 200 Kontaktpersonen der Laborantin unter Quarantäne gestellt. Nun folgten die Berichte über einen zweiten möglichen Pest-Fall.
Die Medien würden "vieles berichten", sagte am Mittwoch Kreml-Sprecher Dmitri Peskow in Moskau. "Der überwiegende Teil dessen, was die Medien in diesem Zusammenhang berichten, sind Falschinformationen." Er rief dazu auf, sich ausschließlich auf die Angaben der staatlichen russischen Gesundheitsbehörde Rospotrebnadsor zu verlassen.
Rospotrebnadsor erklärte ihrerseits, dass "keinerlei epidemische Risiken" bestehen. "Mehr als 90 Prozent der Kontaktpersonen haben die medizinische Überwachung abgeschlossen. Es wurden keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen im Zusammenhang mit einer Infektionskrankheit festgestellt."
Zuvor hatten die WHO, die USA und die EU auf Transparenz gedrungen. "Ein zeitnaher, vollständiger und transparenter Informationsaustausch im Rahmen der internationalen Gesundheitsvorschriften ist unerlässlich, um widersprüchliche Berichte zu klären und eine genaue Einschätzung potenzieller Risiken für die öffentliche Gesundheit zu ermöglichen", erklärte WHO-Chef Tedros. Der Medizinprofessor Joseph Allen von der US-Elite-Universität Harvard sagte dem Sender CNN, es wirke, "als hätten sie etwas zu verbergen".
US-Botschaft fordert: Amerikaner sollen Russland verlassen
In Washington sagte ein Sprecher des Außenministeriums: "Wir haben die russische Regierung offiziell um weitere Informationen gebeten." US-Präsident Donald Trump kündigte ein Telefonat mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin über das Thema an. Dieses solle "sehr bald" stattfinden. Die US-Botschaft in Russland riet allen US-Bürgern zum Verlassen des Landes.
Laut einem Bericht des "Wall Street Journal" übermittelte das US-Außenministerium Russland eine vertrauliche diplomatische Mitteilung – eine sogenannte Demarche. Darin wurde Moskau gewarnt, dass das Verschweigen von Einzelheiten seinen internationalen Verpflichtungen im Gesundheitsbereich zuwiderlaufe. Allerdings sagte Kreml-Sprecher Peskow am Mittwoch, dass er keine Kenntnis über eine US-Forderung nach Aufklärung habe. Sein Land habe die WHO informiert.
Die EU-Kommission rief nach Angaben einer Sprecherin Russland auf, "zeitnah transparente Berichte über den Vorfall in einem Labor in Sibirien vorzulegen". Sie forderte "verlässliche epidemiologische und mikrobiologische Erkenntnisse".
Die WHO hat die Pest-Gefahr in Irkutsk bisher als moderat bis niedrig eingestuft – allerdings nur "auf Basis der verfügbaren Informationen" der russischen Behörden. Die Pest ist eine durch Bakterien ausgelöste Infektionskrankheit, die in verschiedenen Formen auftritt. Am ansteckendsten ist die Lungenpest. Sie kann zu Lungenversagen und zum Tode führen, wenn sie nicht im Frühstadium behandelt wird.