Pfarrer Martin Weber bleibt nach Freispruch am Tegernsee: „Entscheidend war der Rückhalt“

Stand: 17.07.2026, 07:00 Uhr

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Pfarrer Martin Weber wurde suspendiert

Pfarrer Martin Weber ist wieder im Dienst – und bleibt am Tegernsee. © Thomas Plettenberg

Nach dem Freispruch ist der evangelische Pfarrer Martin Weber wieder im Dienst. Im Interview spricht er über eine schwierige Zeit – und warum er am Tegernsee bleibt.

Tegernsee – Der Vorwurf gegen Pfarrer Martin Weber (55) wog schwer: Nachdem ihm zuerst angebliche Veruntreuung von Geldern unterstellt worden war, ging es danach vor Gericht um den vermeintlichen Besitz jugendpornografischer Inhalte. Doch er verließ den Gerichtssaal mit einem Freispruch, ist seit Juni wieder als Leiter der evangelischen Kirchengemeinde Tegernseer Tal im Dienst. Wir haben mit Weber über die Situation gesprochen.

Herr Pfarrer Weber, unmittelbar nach Ihrem Freispruch hatte die Landeskirche mitgeteilt, es fänden noch Gespräche über Ihre weitere berufliche Zukunft statt. Gibt es schon eine Entscheidung?

Ja. Es besteht Einvernehmen mit der Landeskirche, dass ich uneingeschränkt wie bisher in Tegernsee bleibe und die begonnene Arbeit fortsetze.

Man hätte sich vorstellen können, dass Sie lieber andernorts neu anfangen. Die Suspendierung, die Vorwürfe: Das muss Sie sehr belastet haben.

Natürlich war die ganze Situation eine enorme Belastung für mich persönlich, aber auch für meine Familie, und insbesondere für meine Frau. Es macht uns immer noch fassungslos, was eine einzelne Person mit aus der Luft gegriffenen Vorwürfen anrichten kann, nur weil sie weiß, welche Knöpfe man drücken muss.

Warum haben Sie sich dennoch entschieden, am Tegernsee zu bleiben?

Entscheidend war der Rückhalt von ganz vielen Menschen. Ohne den hätte ich das sicher nicht durchgestanden. Die Unterstützung von ausnahmslos allen Gremien, Mitarbeitenden, Ehrenamtlichen und sehr, sehr vielen Gemeindegliedern war ein großer Ansporn, diese Ungerechtigkeit nicht einfach hinzunehmen. Alleine aus der Gemeinde habe ich etwa 150 Briefe und Mails erhalten. Das ist schon eine besondere und außergewöhnliche Hilfe für mich gewesen.

Seit ein paar Wochen sind Sie nun wieder zurück. Wie hat die Kirchengemeinde darauf reagiert?

Mir ist eine aufrichtige und ehrliche Freude entgegengekommen, die mich sehr bewegt hat und die mir auch gutgetan hat. Verbunden ganz häufig mit einer Dankbarkeit, dass ich mich gewehrt und nicht zugelassen habe, dass man – wie leider häufig – mit solchen Methoden Erfolg hat und seine Ziele erreicht.

Sie hatten eine lange Auszeit und waren schweren Vorwürfen ausgesetzt. Hat Sie das verändert?

Natürlich verändert einen so eine Erfahrung und man muss aufpassen, dass man seine Lebenshaltung und seine Überzeugung nicht verliert. Aber ein Satz war mir in meinem Leben immer wichtig: Was mir passiert, kann ich nicht immer beeinflussen, aber wie ich damit umgehe, ist meine Entscheidung. Und ich lasse nicht zu, dass negative Menschen meine Offenheit, meine Lebensfreude und mein Engagement beeinträchtigen. Und so gehe ich die anstehenden Dinge gerade auch wieder an.

Kurz vor Ihrer Suspendierung im September 2025 waren Sie unter anderem mit dem Projekt neues Tegernseer Pfarrzentrum befasst. Der Umzug ins ehemalige AOK-Gebäude war beschlossen. Was ist aus den Zukunftsplänen geworden?

In den vergangenen Monaten hat sich einiges geändert. Es wird deutlicher, dass die Landeskirche weitgehende Sparmaßnahmen, auch bezüglich Baumaßnahmen, treffen will.

Was bedeutet das für die Kirchengemeinde?

Was das konkret mit sich bringt, ist noch nicht klar, die endgültigen Entscheidungen sollen von der Landessynode im Herbst beschlossen werden. Aber wir müssen das im Auge behalten und jetzt keine vorschnellen Entscheidungen treffen. Das gilt vor allem für die Pfarrzentren in Tegernsee und in Bad Wiessee.

Die Friedenskirche ist immer noch geschlossen, weil die Sanierung so teuer ist. Wird sie überhaupt wieder geöffnet?

Sie wird sicher wieder geöffnet. Sie ist deshalb noch nicht wieder eröffnet, weil erst während der begonnenen Sanierung weitere Schäden entdeckt wurden. Gerade laufen die Ausschreibungen für diese Baumaßnahmen, es geht also weiter.

Was ist mit dem angestrebten Kita-Kirche-Projekt in Kreuth?

Es liegen alle Beschlüsse zur Umsetzung vor. Nach der zeitlichen Verzögerung fehlt noch die praktische Abstimmung mit Kreuth. Aber noch einmal grundsätzlich: Im Wesentlichen geht es mir weniger um die Projekte, sondern vor allem um das Gemeindeleben, von Kirchenkaffees über die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen bis zur seelsorgerlichen und gottesdienstlichen Begleitung. Das steht für meine Kollegin Pfarrerin Arzberger und mich gerade im Zentrum.