Frankfurt: Philipp Pflug verkauft Kunst in der Kleinmarkthalle

Am Stand 118-119 herrschen Ferien. Die Inhaber sind im Urlaub. Während der normale Betrieb an diesem Ende der Kleinmarkthalle ruht, hält Philipp Pflug die Stellung. Und weil bei Obst und Gemüse Frieser sonst Äpfel, Tomaten, Zitrusfrüchte und frische Eier über den Tresen gehen, gibt es all das jetzt auch bei ihm. Nun stammen die Äpfel von Thomas Bayrle, die Tomaten leuchten auf drei Aquarellen von Jagoda Bednarsky mit roten Rosen um die Wette, und das Ei wird von Frank Brechter bereitgestellt.

Skulptur: Frank Brechter, „Ei unterkocht", 2026
Skulptur: Frank Brechter, „Ei unterkocht", 2026Wonge Bergmann

Die Idee hatte nicht der Frankfurter Galerist, sondern die Stand-Inhaberin. Als Michaela Frieser vor einigen Wochen mit dem Künstler Aldo Freund ins Gespräch kam und kurz darauf Pflug zu ihnen stieß, der auf dem Römerberg wohnt und gerne in der Kleinmarkthalle einkauft, war klar, dass er die Ferienvertretung übernimmt. Er machte sich sofort an die Arbeit, fragte seine eigenen Galeriekünstler nach Werken, die er kannte, erkundigte sich bei Freunden und bekam Tipps. „Es hat einen Riesenspaß gemacht.“

Den macht der Stand nun auch dem Besucher. Das Modell für die Zitrusfrucht aus Biskuitporzellan hat Anselm Baumann bei Frieser gekauft: „Die hat ihren Ursprung hier.“ Die Apfelspalte von Freund weint, weil sie von einem Wurm angeknabbert wird. Und von Sebastian Stöhrer gibt es glasierte Keramikskulpturen, in denen er Obst und Gemüse so nachstellt, wie er es mit verbundenen Augen gerochen hat. Die Glasur wiederum ist den chemischen Bestandteilen der jeweiligen Sorte nachempfunden.

Beim Aufbau des Stands half Pflug Frieser, die auch die gelben Karten mit den Namen der Künstler beschriftet hat, so wie sie es sonst mit der Auslage tun würde. Von ihr stammen auch die Hinweisschilder „Touch it, buy it“ und „Nicht drücken“. Und in der Tat sollte man von Jiří Georg Dokoupils appetitlichen „Neun Äpfeln“ (1990) und der kunstvoll verspielten „Saturnmelone“ (2021) von Alicja Kwade, einer weiteren Bronze, besser die gierigen Finger lassen, auch wenn man am liebsten sofort in sie hineinbeißen oder sie kaufen und nach Hause tragen möchte.

Keramik: Dominika Bednarsky, „A Ware & B Ware“, 2017
Keramik: Dominika Bednarsky, „A Ware & B Ware“, 2017Wonge Bergmann

Pflug zeigt die Werke nicht nur, er verkauft sie auch. Einige Werke haben ihre neuen Eigner schon gefunden, andere sind noch zu haben. Von den Spargelstangen, die Dominika Bednarsky 2017 in glasierter Keramik ausführte, hat er noch etwas vorrätig: „Alles frisch, nichts verderblich.“ Ebenso wie die Collage mit Erbsen von Grace Weaver und die Radierung mit Birnen von Bettina von Arnim, die beide auch in der Sammlung des Städel vertreten sind.

Für Pflug ist der Kunststand in der Kleinmarkthalle genau die richtige Abwechslung. Elf Jahre lang hatte er einen kleinen Galerieraum an der Berliner Straße, dann wollte er Neues ausprobieren, seitdem zeigt er Kunst bei sich zu Hause und an wechselnden Orten. Das kunsttypische Zusammenstoßen des Ungewöhnlichen ist in der Kleinmarkthalle noch zwei Tage zu sehen. Am Freitag ist Pflug von 8 bis 18 Uhr am Stand, am Samstag von 8 bis 16 Uhr, unterbrochen nur durch kleine Pausen für einen Kaffee oder ein Frikadellenbrötchen: „Die Nahversorgung ist optimal.“ Jetzt auch mit Kunst.