Pixel 11: GrapheneOS warnt vor dem Kauf von Googles neuem Smartphone
Android
Pixel 11: GrapheneOS warnt vor dem Kauf von Googles neuem Smartphone
Laut der alternativen Android-Variante hat Google ein wichtiges Hardware-Sicherheitsfeature gestrichen. Die laufenden Arbeiten an der Portierung der eigenen Software werden pausiert
Andreas Proschofsky
Bei aller berechtigten Kritik an Google und dessen Datensammelei: Was die Sicherheit anbelangt, hatten die eigenen Smartphones des Android-Entwicklers bisher einen exzellenten Ruf. So listet der Omdia Mobile Device Security Report die Pixel-Geräte seit fünf Jahren als die sichersten Smartphones überhaupt – und zwar noch vor Apples iPhone.
Auch die ganz auf Sicherheit fokussierte Android-Variante GrapheneOS gibt es aus diesem Grund bislang exklusiv für Pixel-Smartphones. Nun scheint dieses Verhältnis aber immer stärker zu bröckeln. Wirft GrapheneOS doch Google einen entscheidenden Rückschritt bei der neuesten Hardwaregeneration vor und pausiert entsprechend die Arbeiten an deren Unterstützung.
MTE gestrichen?
Dem im Pixel 11 verbauten Tensor-G6-Chip fehle die Unterstützung für die ARM Hardware Memory Tagging Extension (MTE), heißt es in einem Posting von GrapheneOS in sozialen Medien. Diese stellt eine zusätzliche Schutzebene gegen die Ausnutzung von Sicherheitslücken dar und wurde von Google erstmals mit dem Pixel 8 im Oktober 2023 ausgeliefert. Beim Pixel 11 findet man aber in der Software keinerlei Hinweise mehr darauf, weshalb man davon ausgeht, dass Google die MTE-Unterstützung beim neuen Chip wieder gestrichen hat.
Google habe ein wichtiges Sicherheitsfeature geopfert, um ein bisschen Geld zu sparen, werfen die GrapheneOS-Entwickler dem Konzern vor. Einen endgültigen Beleg für diese Behauptung (und vor allem die Motivation dahinter) kann man zwar nicht liefern, tatsächlich wäre die Entfernung einer solchen Sicherheitsfunktion ohne weitere Erläuterung aber zumindest irritierend.
Worum geht es eigentlich
In der Praxis relevant ist diese Änderung allerdings derzeit (fast) "nur" für GrapheneOS: Denn auch wenn Google den MTE-Support – damals übrigens als erster großer Hersteller – schon seit einigen Jahren verbaut, von Haus aus wurde er nie aktiv genutzt. Das liegt daran, dass dieser auch mit einem gewissen Performance-Verlust einhergeht. Lediglich im Advanced-Protection-Modus wurden einzelne Prozesse bisher durch MTE geschützt. Wie deren zusätzlicher Schutz jetzt beim Pixel 11 gehandelt wird, bleibt vorerst unklar.
Damit hat Google zwar MTE als Erstes ausgeliefert, sich nun aber den Rang von Apple ablaufen lassen. Gibt es seit dem iPhone 17 mit der Memory Integrity Enforcement (MIE) dort doch ein umfassendes und zumindest vom System selbst auch aktiv genutztes Pendant zu MTE gibt. Allerdings ist der Einsatz von MIE durch Apps auch in der Apple-Welt nur optional – was die meisten aus Performancegründen nicht machen. Selbst der verschlüsselte Messenger Signal verzichtet bisher darauf.
Fortschritte an anderer Stelle
Die (mutmaßliche) Streichung von MTE bei Tensor G6 sei auch deswegen betrüblich, da das Pixel 11 sonst einige relevante Sicherheitsverbesserungen bietet, wie GrapheneOS herausarbeitet. So bietet Titan M3, die Sicherheitskomponente des Google-Chips, diverse wichtige Fortschritte wie den Support für Post-Quanten-Kryptografie, aber auch einen erweiterten Schutz vor Angriffen gegen zuvor ausgeschaltete Geräte.
Betont sei noch einmal, dass die Streichung von MTE keinerlei Auswirkungen auf jene hat, die ein Pixel 11 mit Default-Software und -Konfiguration nutzen. Für GrapheneOS ist MTE hingegen ein zentrales Feature des eigenen Sicherheitskonzepts, weshalb man offen bekennt, nicht so recht zu wissen, wie man weiter tun soll mit dem Pixel 11. Zum aktuellen Zeitpunkt rate man jedenfalls dringend vom Kauf eines Pixel 11 ab, wenn man GrapheneOS nutzen will. Da seien Pixel 8 bis 10 – inklusive der günstigeren A-Reihe – die bessere Wahl.
Ausblick
An dieser Stelle nutzt GrapheneOS die Gelegenheit aber auch gleich, um Werbung für eine derzeit noch im Entstehen begriffene Partnerschaft zu machen. Arbeitet das Projekt doch mit Motorola zusammen, um gemeinsam ein eigenes Hochsicherheits-Smartphone zu entwickeln. Dieses soll im kommenden Jahr offiziell fertiggestellt werden. Möglich wird dies unter anderem, da Chiphersteller Qualcomm seit diesem Jahr erstmals selbst MTE bei seinen Chips unterstützt.
Schon in den vergangenen Monaten hatte sich eine gewisse Erosion des Verhältnisses zwischen Google und GrapheneOS abgezeichnet. Grund dafür waren Änderungen an der Art, wie Google den Quellcode für neue Softwareversionen veröffentlicht. Dadurch wurde den Entwicklerinnen und Entwicklern von alternativer Firmware die Arbeit erschwert – was Google viel Kritik von GrapheneOS einbrachte. (Andreas Proschofsky, 31.8.2026)
Forum: 82 Postings
Ihre Meinung zählt.
Die Kommentare im Forum geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Benutzer:innen können diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die STANDARD Verlagsgesellschaft m.b.H. vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.